Nachhaltigkeit Wie ein Abrisshaus in Saalfeld recycelt wird

Für Grünflächen und Parkplätze lässt die Stadt Saalfeld ein 120 Jahre altes Wohnhaus abreißen. Doch bevor der Bagger kommt, wird so viel wie möglich ausgebaut. Die Baustoffe sollen ein zweites Leben bekommen.

Türklingen an ausgebauten Türen
Die Türen aus dem "Gelben Haus" werden teilweise künftig woanders verwendet werden. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Dirk Böhme steht vor einem Haufen gelber Klinkersteine. Die hat er mit Helfern in den vergangenen Tagen ausgebaut - aus der Fassade des Wohnhauses von 1900. Jetzt liegen sie haufenweise im früheren Hof. Die Steine werden sortiert, verpackt und an ein Prüflabor nach Weimar geschickt.

"Dort wird getestet, was die Steine noch aushalten", sagt er. Aus den Wohnungen auf den drei Stockwerken des "Gelben Hauses" hat er schon die meisten Holztüren und das eine oder andere Fenster ausgebaut. Ganz zum Schluss sollen noch die Dielenböden, die Holzbalken auf dem Dachboden und das Treppengeländer im Hausflur raus.

Baufällige Backsteinfassade
Doch bevor die Abrissbagger anrücken, wird recycelt: Steine aus der Klinkerfassade und Jugendstilfliesen werden ausgebaut. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Werkhaus soll Saalfelder Stadtteil aufwerten

"Das ist schon sehr interessant", sagt er. Die alten Handwerkstechniken kommen wieder zum Vorschein. "Die Dinge haben ihren eigenen Charakter, erzählen ihre eigene Geschichte." Weil die Menschen genau danach wieder suchten, baut er sie aus, meint Dirk Böhme, der Holzgestalter ist und zum Beispiel Spielplätze baut. Wie er die Dinge aus dem Wohnhaus im Stadtzentrum wiederverwenden wird, steht schon fest: Sie sollen in ein Bauprojekt gehen, in einem Wohngebiet am Stadtrand im Saalfelder Ortsteil Beulwitz.

Den Entwurf rollt er im Abrisshaus auf dem Boden aus. Die Stadt baut ab Frühjahr 2022 zusammen mit der IBA, der Internationen Bauausstellung Thüringen, ein sogenanntes Werkhaus. Das soll den Stadtteil, in dem in mehreren Wohnblocks vor allem geflüchtete Menschen wohnen, lebenswerter machen. Entstehen werden Ateliers und Büros, Werkstätten, Gasträume, ein Garten und eine Multifunktionshalle. Dirk Böhme begleitet den Bau und hatte die Idee, dafür Baustoffe aus dem früheren Wohnhaus wieder zu verwenden.

Baufälliges Treppenhaus
Auch Holztüren und Türbeschläge sind zu schade zum Wegwerfen. Sie sollen zum Teil im Obdachlosenheim in Saalfeld wieder eingebaut werden. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Upcycling: Bauelemente werden wiederverwendet

Mit dem "Upcycling" im Wohnhaus will er nachhaltig arbeiten. "Wir können Rohstoffe sparen und brauchen weniger Energie", sagt Böhme, wenn er zum Beispiel die Holztüren wieder bearbeitet. Und das spart Geld: "Wir erleben es gerade mit Holz. Das ist Mangelware." Auch bei den Steinen werden Ressourcen gespart, sagt Böhme. Sie sollen im Werkhaus partiell wieder eingebaut werden; die Fliesen stellenweise für Böden und Wände verwendet werden. Aus den Treppengeländern könnten Rankhilfen für Pflanzen werden. Die Holztüren werden wiederaufbereitet oder zu Schränken umgebaut.

Baufälliges Treppenhaus
Sogar das Geländer im Treppenhaus geht mit. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Gelbes Haus weicht Grünem Ring

Wenn die Fliesen und Steine dort wieder eingebaut werden, dann ist das "Gelbe Haus" Geschichte. Die Stadt lässt es in den nächsten Wochen abreißen. 2018 hatte sie es von der Wohnungsbaugesellschaft gekauft. Es war das letzte Gebäude auf einem sogenannten Grünen Ring, der sich einmal um die Innenstadt ziehen soll, sagt die Leiterin des Bauamtes, Bettina Fiedler (CDU). Es zu sanieren, sei nicht mehr wirtschaftlich gewesen. Die Mietpreise nach einer Sanierung im Verhältnis zur Lage an der Hauptstraße zu hoch, sagt sie.

Jetzt sind dort Grünflachen und Parkplätze geplant. "Das Ziel der Stadt ist, einen grünen Ring um die Innenstadt zu schaffen und das Stadtklima zu verbessern", sagt Fiedler. "Aber natürlich auch zu ermöglichen, dass Besucher auf kurzen Wegen in die Innenstadt kommen können." Und so die Innenstadt und die Geschäfte zu beleben. Für Parken im Grünen statt Wohnraum zum Leben - die SPD/Grünen-Fraktion im Stadtrat kritisierte das zwar. Die Mehrheit stimmte aber für den Abriss.

Baufälliges Haus
Im „Gelben Haus“ im Stadtzentrum von Saalfeld wohnt schon lange keiner mehr. Die Sanierung wäre zu teuer. Außerdem steht das Gebäude im Weg. An seiner Stelle soll ein grüner Ring um die Innenstadt entstehen. Die Stadt lässt das Wohngebäude deshalb abreißen. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 14. November 2021 | 18:00 Uhr

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