Industrie 30 Jahre Firma Stahlwerk Thüringen: Läuft mit Strom, doch Gas ist das Problem

Vor 30 Jahren wurde in Unterwellenborn das Stahlwerk Thüringen als Unternehmensnachfolger der traditionsreichen Maxhütte gegründet. Seit 1995 wird mit Strom Stahl geschmolzen. Doch nicht der Preis für Elektrizität macht den Stahlkochern zu schaffen, sondern die Gasversorgung.

Blick auf einen Elektro-Ofen für die Stahlschmelze
Das Unternehmen Stahlwerk in Unterwellenborn feiert 30 jähriges Bestehen. Hier ein Blick auf den Elektro-Ofen für die Stahlschmelze. Bei bis zu 1.600 Grad Celsius wird darin Schrott zu Stahl geschmolzen. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Es ist laut und heiß. Hinein geht es nur mit Schutzbrille, Helm und Ohrenschutz. Der haushohe Elektro-Ofen läuft, bei bis zu 1.600 Grad Celsius wird mit ihm Schrott zu Stahl geschmolzen. Bis zu 800.000 Tonnen pro Jahr. Stahl für Bauwerke in aller Welt.

Die erste Schmelze im Ofen im Jahr war 1995. Jürgen Ermer, Leiter für Instandhaltung, erinnert sich: "Die erste Schmelze, die ging daneben", sagt er und lacht. "Die ist übergekocht, weil die Analyse nicht ganz korrekt war. Sie hat in der Umgebung alles Mögliche zerstört."

Damals, mit Anfang 30, dachte er, dass sei jetzt ein großes Problem. "Aber die älteren Kollegen, die haben mir dann sehr schnell klar gemacht: Das reparieren wir jetzt alles wieder und dann geht es weiter", erinnnert er sich.

Unternehmen aus Luxemburg baute Elektro-Ofen

Für die Mitarbeiter damals sei das eine spannende, aber auch ungewisse Zeit gewesen, sagt Werner Zink, Leiter für Sozialwirtschaft. Er ist seit seiner Lehre 1978 in der Maxhütte dabei. Damals machte er eine Lehre zum Mechaniker: messen, steuern, regeln, erzählt er.

Von dem, was heute hier ist, war damals, als ich hier anfing, noch nichts zu erkennen.

Werner Zink, Leiter für Sozialwirtschaft

Die Maxhütte war 1872 in Betrieb gegangen - ein Hochofen und ein Walzwerk gehörten dazu. Bis zu 7.000 Menschen arbeiteten in der Maxhütte - bis 1992. Da lief der Hochofen der Maxhütte zum letzten Mal. Dann übernahm ein Stahlunternehmen aus Luxemburg das Werk, modernisierte es und baute den Elektro-Ofen. Rund 600 Mitarbeiter konnten damals bleiben. Es gab neue und umweltfreundlichere Technik. Und mehrere Eigentümerwechsel im Laufe der Jahre.

Betriebsrat: "Stahlwerk wie eine Familie"

Heute gibt es 750 Mitarbeiter, davon 40 Lehrlinge. Für viele sei das Stahlwerk wie eine Familie, sagt Betriebsrat Lutz Beißig. Es gebe noch einige Mitarbeiter, deren Großväter und Väter hier früher einmal gearbeitet haben. Das habe dazu geführt, dass für viele das Stahlwerk wie eine Familie ist. "Die Tradition, hier gemeinsam als Familie beschäftigt zu sein, das hat hier einen großen Stellenwert", sagt Beißig.

Es gibt einen gewissen Stallgeruch, der wird gewissermaßen auch vererbt, auch durch das Miteinander.

Betriebsrat Lutz Beißig

Ein Grund für die unterschiedlichen Eigentümer, das Stahlwerk Thüringen zu kaufen, sind laut Beißig auch immer die Mitarbeiter gewesen. "Die hoch ausgebildeten Mitarbeiter, die auch in Krisenzeiten immer für das Unternehmen einstanden und wie selbstverständlich mit Belastungen umgegangen sind."

Zwei Menschen in orangefarbenen Jacken stehen nebeneinander.
Prokuristin Sina Neumann und Betriebsratsvorsitzender Lutz Beißig. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

2012 kaufte ein brasilianisches Unternehmen das Stahlwerk Thüringen. Die Geschäftsführung sitzt heute in Spanien. Mit rund 486 Millionen Euro pro Jahr ist das Stahlwerk Thüringen das umsatzstärkste Werk im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Und es habe in den 30 Jahren immer schwarze Zahlen geschrieben, sagt Prokuristin Sina Neumann.

Corona-Krise ohne größere Stillstände gemeistert

1992 habe man mit 170.000 Tonnen Stahl pro Jahr angefangen, so Neumann. "Heute sind es 800.000. Wir produzieren 24 Stunden am Tag. Wir haben selbst die Corona-Krise ohne größere Stillstände gemeistert." Auch Wirtschaftskrisen und Eigentümerwechsel habe man zusammen mit den Mitarbeitern gut überstanden.

Wir sind wirtschaftlich erfolgreich. Ich bin extrem stolz auf das, was hier geleistet wurde.

Prokuristin Sina Neumann

Dennoch: Der internationale Wettbewerbsdruck ist groß. Die hohen Energiekosten und die Gasversorgung sind die Themen: "Wir sind ein energieintensives Unternehmen. In unserem Stahlwerk wird so viel Strom verbraucht wie in der ganzen Stadt Jena." Das seien im Schnitt 500 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Grüner Strom ist es inzwischen. Doch auch dafür sind die Preise seit dem vergangenen Herbst enorm gestiegen.

Energiekrise bringt Ungewissheit

Der Ofen im Walzwerk, in dem die Stahlblöcke noch einmal erhitzt werden, wird mit Erdgas betrieben - der Verbrauch bewegt sich in der gleichen Größenordnung. "Jeden Tag vergehen mehrere Stunden, in denen wir uns mit dem Thema Energie beschäftigen", sagt sie. "Wie wir Energie beschaffen und sichern können."

Der Ofen im Walzwerk
Der Ofen im Walzwerk wird mit Gas betrieben. Hier muss der Stahl noch einmal erhitzt werden. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Die Nachrichten verfolge die Geschäftsleitung mit großen Sorgen - vor allem, dass Gas für die Industrie rationiert werden könnte. "Wir versuchen uns mit Schutzanträgen so gut wie möglich dafür zu rüsten", sagt sie. "Aber wir bleiben abhängig von den Entscheidungen der Politik." Trotz der Ungewissheit ist sie zuversichtlich, dass das Stahlwerk Thüringen auch diese Krise meistern wird.

MDR (sre/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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