Der Redakteur | 13.04.2022 Welche Entwicklungen gibt es am Düngemittelmarkt?

Für Landwirte wird es teurer. Nicht zuletzt liegt das an der Nachfrage von Dünger. Teilweise sind die Preise zu hoch. Teilweise ist Düngemittel ausverkauft. Welche Entwicklungen gibt es also derzeit am Markt? Redakteur Thomas Becker erklärt.

Neueste Technik kommt auf den Feldern der Agragesellschaft Pfiffelbach zum Einsatz: Durch die sogenannten Schleppschläuche wird die Gülle bodennah ausgebracht und nicht mehr in der Luft verteilt
Düngemittel ist für Landwirte auch ohne Krisen und Kriege gefragt. Bildrechte: MDR/Secilia Pappert

Unter der Überschrift "Alles wird teurer" sind auch Düngemittel aufgelistet. Nun haben viele Betriebe - je nach Ausrichtung - auch die Möglichkeit, mit Gülle oder Resten aus Biogasanlagen zu arbeiten, aber ganz ohne Dünger geht es meistens nicht. Die Preise kannten schon vor dem Ukraine-Krieg nur eine Richtung. Knackpunkt sind vor allem die hohen Energiepreise.

So wird zwar Stickstoff zum Beispiel aus Luft gewonnen und ist somit reichlich verfügbar, aber das Verfahren ist sehr energieaufwändig. "Brot aus Luft" wurde der Ansatz genannt, die deutschen Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch haben es dann Anfang des 20. Jahrhunderts zur industriellen Reife entwickelt. Voraussetzung für die verwendete Ammoniaksynthese sind hohe Drücke und hohe Temperaturen, fast die gesamte weltweite Ammoniakproduktion geht auf dieses Verfahren zurück.

Ein Düngfahrzeug in einer Nahaufnahme. 8 min
Bildrechte: Maren Beddies
8 min

Johannes Schmidt von der Agrargesellschaft Herpf erklärt im Interview mit Thomas Becker, wie sich die Nachfrage nach Düngermittel entwickelt.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 13.04.2022 17:10Uhr 08:21 min

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Am Ende lassen sich Harnstoff, Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat sowie Ammoniumphosphaten herstellen, die letztlich erheblich zur Ernährung eines Großteils der Weltbevölkerung beitragen. Genaugenommen war es die Sorge vor einer Hungersnot, die hier im 19. Jahrhundert erfinderisch gemacht hatte. Der aktuelle Preisanstieg bei Energie hat dazu geführt, dass Düngemittelproduzenten ihre Werke teilweise heruntergefahren haben, weil sie den Dünger zu Preisen hätten produzieren müssen, die der Markt nicht akzeptiert.

Auf der anderen Seite können die Landwirte auch nicht einfach mitten in der Saison die "Fütterung" ihrer Pflanzen einstellen. Dabei gehe es nicht nur um Masse, sondern auch um Qualität, sagt Johannes Schmidt von der Agrargesellschaft Herpf bei Meiningen. Vielleicht spart man so 25 Prozent Kosten, aber halbiert die Erträge. Aber die verdrei- oder vierfachten Preise bei Düngemitteln sind schon eine gewaltige Herausforderung für die Betriebe, zumal erhöhte Erlöse nicht verlässlich sind.

 Ich übertreibe es mal ein bisschen: Mit einmal falsch Einkaufen oder Verkaufen kann man den Betrieb ruinieren.

Johannes Schmidt, Agrargesellschaft Herpf bei Meiningen

Es ist nicht nur der Stickstoff

Nun ist die Düngediskussion auch eine Glaubensfrage, egal ob chemisch oder nicht, am Ende brauchen die Pflanzen Nährstoffe und das sind nun einmal chemische Elemente beziehungsweise Verbindungen, ob sie nun auf natürlichem oder künstlichem Weg entstanden sind. Wobei bei unserem Phosphor die Grenzen fließend sind.

Säcke mit NPK-Dünger
Enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium - der sogenannte NPK-Dünger. Bildrechte: imago images / ITAR-TASS

Aktuell importieren wir Phosphor in großem Stil, der in verschiedenen Qualitäten und Verbindungen zum Beispiel in China oder Russland gewonnen wird. Das sind mittlerweile aber Herkunftsländer, die wir gern ersetzen wollen und China hat wegen erhöhtem Eigenbedarf ohnehin die Rolle des Exporteurs in die des Importeurs getauscht. Nun gab es in der Merkel-Ära schon vor dem Ukraine-Krieg die Entscheidung, den vorhandenen eigenen Phosphor zu nutzen, statt ihn zu deponieren.

Das Ding mit dem Klärschlamm

Denn genau das passiert derzeit. Ruht er doch in unserem Klärschlamm, der durchaus verwandtschaftliche Beziehungen zur tierischen Gülle hat, bei der wir auch gefühlsmäßig weniger Probleme haben, sie auf dem Acker zu verteilen. Wir nehmen ja auch Pferdemist für die Erdbeeren und nicht die eigene - aber lassen wir das. Allerdings sind im Klärschlamm noch mehr Beimischungen enthalten, die wir dann doch nicht in unseren Nutzpflanzen sehen wollen.

Das Umweltbundesamt führt eine ganze Liste auf: "toxische Schwermetalle wie zum Beispiel Blei, Quecksilber, Cadmium, Kupfer sowie organische Schad- und Fremdstoffe wie Dioxine, Polychlorierte Biphenyle (PCB), Perfluorierte Tenside (PFT), Arzneimittelrückstände, Krankheitserreger, aber auch Nanopartikel und Mikroplastik."

Wegen dieses Cocktails hat die damalige Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vom 27. November 2013 beschlossen, die "direkte landwirtschaftliche Klärschlammausbringung in Zukunft weitestgehend einzustellen". Gleichzeitig wurden Alternativen angestoßen, die Elemente von Zukunftsmusik haben (unter anderem Rückgewinnung von Stickstoff) aber auch Dinge, die bis 2029 schon industriell klappen müssen. So ist gesetzlich festgelegt, dass wir bis dahin den Phosphor zurückgewinnen, der 40 Prozent unseres Bedarfs decken soll. Dazu wird verkürzt gesagt dem Klärschlamm so lange Wasser entzogen, bis er brennbar ist und aus der Asche kann dann der Phosphor wiederauferstehen.

Durch Lösungsverfahren kann man den Phosphor rausholen und als Grundstoff für die Düngemittelindustrie nutzen.

Reiner Könemann, DWA-Experte für Klärschlamm

Phosphor zurückgewinnen

Und nicht nur dafür. Die gestiegenen Rohstoffpreise sorgen dafür, dass dieser Abbau sogar wirtschaftlich werden könnte, wenngleich das nicht das vordingliche Ziel ist, weil die Abwasserverbände ohnehin keine Gewinne erwirtschaften dürfen. Sie dürften aber theoretisch unsere Gebühren senken. Dass es soweit kommt, dafür ist der Phosphor dann vielleicht doch nicht edel und wertvoll genug und Gold ist zwar auch im Abwasser, aber leider nicht in verwertbaren Größenordnungen.

Eine Person hält ein Häufchen getrockneten Klärschlamm in der Hand. 15 min
Bildrechte: imago/Melanie Bauer
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DWA-Experte Rainer Könemann erklärt im Interview mit Thomas Becker, wie Klärschlamm als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet wird.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 13.04.2022 17:10Uhr 15:04 min

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Das "Weiße Gold" Kalisalz hingegen ist hier offensichtlich auf einem sehr guten Weg. Die K+S Aktiengesellschaft hat passend zum Thema heute in einer freudigen Pflichtmitteilung die Prognose für das Geschäftsjahr 2022 auf 2,3 bis 2,6 Milliarden Euro angehoben. Die Preise würden die erwarteten Kostensteigerungen, insbesondere für Energie, Logistik und Material, deutlich übertreffen, ergänzt K+S. Ob die Landwirte diese Freude teilen wollen, ist nicht bekannt, denn sie gehören zum "Kundensegment Landwirtschaft."

Die Anhebung der Prognose beruht im Wesentlichen auf nochmals höheren Durchschnittspreisen im Kundensegment Landwirtschaft.

Pflichtmitteilung der K+S Aktiengesellschaft

 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 13. April 2022 | 17:10 Uhr

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