Thüringen Sonderprogramm bringt Schlössern und Burgen 200 Millionen Euro

200 Millionen Euro kann die Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten in den kommenden Jahren in ihre historischen Bauten investieren. Das Geld kommt zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte vom Land. 17 der 31 Liegenschaften der Stiftung bekommen etwas ab vom Geldsegen.

Die Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Doris Fischer, stellt das Sonderinvestitionsprogramm vor.
Stiftungsdirektorin Doris Fischer erläutert das Investitionsprogramm Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Knapp eine Woche ist es her, dass der Bund und das Land Thüringen den Vertrag für das 200 Millionen Euro schwere Sonderinvestitionsprogramm I für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten unterzeichnet haben. 100 Millionen Euro gibt der Bund. Die gleiche Summe legt der Freistaat Thüringen drauf. Das Programm läuft bis 2027. Doch schon jetzt signalisierte der Bund auch Auszahlungen nach 2027, wenn die Mittel vorher nicht ausgeschöpft werden können, hieß es. Es ist nach Angaben von Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff der größte Sanierungsschub für Schlösser und Residenzen außerhalb Weimars in der Geschichte des Freistaates.

Hoff: Sonderprogramm ist ein großes Glück

230 Millionen Euro wurden in den vergangenen 25 Jahren in die Liegenschaften der Stiftung Schlösser und Gärten investiert, sagte Kulturminister Hoff. Dennoch sind nicht alle Schlösser und Residenzen in einem solch guten Zustand, dass nur noch Bauerhalt getätigt werden müsse. Somit sei das Sonderinvestitionsprogramm ein großes Glück. Damit werde die Investitionssumme quasi verdoppelt. Auch Stiftungsdirektorin Doris Fischer spricht von einem großen Glück. Man habe jetzt so viel Geld, dass Bauarbeiten und Sanierungen auch abgeschlossen werden können. Es sei sehr wichtig, nicht auf halbem Wege aufhören zu müssen. Es bringe nichts, wenn die Sanierungen, so Fischer, "zwischen Wand und Anstrich stecken bleiben".

Doris Fischer, Direktorin der  Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, schaut während Sie fotografiert wird lächelnd in die Kamera.
Freut sich über das Geld: Stiftungsdirektorin Doris Fischer Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nicht nur auf Leuchttürme konzentriert

Doch wer bekommt wie viel Geld? Das war die Frage. Ein Masterplan wurde seitens der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ausgearbeitet und dann mit Bund und Land abgestimmt. Wie Stiftungsdirektorin Doris Fischer sagte, habe man sich dabei bewusst nicht nur auf Leuchttürme konzentriert. Es ginge vor allem auch nach der Dringlichkeit und nach Bedarf. Undichte Dächer und instabile Mauern müssten jetzt auch an kleineren Liegenschaften in Angriff genommen werden. Sonst käme man in ein paar Jahren nicht mehr hinterher.

Es wurde viel gestritten in den Verhandlungen zwischen Stiftung und Land, so Stiftungsdirektorin Doris Fischer. Einig sei man sich aber immer in dem Punkt gewesen, dass das einzigartige kulturelle Erbe erhalten werden müsse. 17 der 31 Liegenschaften der Stiftung bekommen nun etwas ab vom Geldregen. Dabei sei dieser Masterplan nicht in Stein gemeißelt, hieß es. Im Laufe der Prozesse werde es sicher immer wieder Anpassungen und Änderungen geben. Intensive Gespräche habe man im Voraus auch mit den Brandenburger Kollegen in Potsdam geführt, sagte Fischer. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg profitiere bereits von einem Sonderinvestitionsprogramm. Von deren Erfahrungen und aus deren Fehlern habe man lernen können. So sollen zehn Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm beispielsweise in Personal investiert werden.

50 Millionen Euro für Schloss Friedenstein in Gotha

50 Millionen des Sonderinvestitionsprogrammes I für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten werden für Schloss Friedenstein mit herzoglichem Park in Gotha verwendet. Das ist ein Viertel der gesamten Fördersumme. Damit werde sich der Umfang der bisher geplanten Sanierung deutlich erweitern. 60 Millionen sind bereits eingeplant für die Sicherung des Ostturmes, die Erneuerung des Daches auf dem Westflügel und die Fassadensanierung am Schloss.

Blick auf auf Schloss Friedenstein mit dem Denkmal Herzog Ernst I.
Schloss Friedenstein in Gotha Bildrechte: IMAGO / photo2000

Von den zusätzlichen 50 Millionen soll nicht nur das Schloss profitieren, sondern auch der Park und das Orangeriehaus, das baulich gesichert werden muss. Außerdem könne so laut Stiftungsdirektorin der Westflügel des Schlosses Friedenstein komplett instandgesetzt werden, Ostflügel und Ostturm könnten ebenfalls nicht nur gesichert, sondern auch instandgesetzt werden. Und es sei noch Geld da, um den Nordflügel grundlegend zu untersuchen.

Vom Programm profitieren aber auch andere große und kleine Standorte. Zielsetzung bei allen Überlegungen waren immer drei Punkte, sagt Fischer. Erstens gehe es immer um die Sicherung und Instandsetzung. Da spielten auch Brandschutz und Barrierefreiheit eine Rolle. Zweitens stehe immer auch die Nutzungsverbesserung für die musealen und anderen Partner im Fokus. Und nicht zuletzt müssten auch die Arbeitsbedingungen vor Ort bedacht und verbessert werden. Als Beispiel nannte die Stiftungsdirektorin das Staatsarchiv auf der Heidecksburg. Und über allem stehe immer auch die touristische Inwertsetzung.

Diese Schlösser profitieren auch vom Investitionsprogramm

Etwa 140 Millionen Euro verteilen sich auf folgende Liegenschaften:

Die Schlösser des Schwarzburger Geschlechts Schloss Heidecksburg in Rudolstadt und Schloss Sondershausen erhalten 21,7 Millionen und 20,7 Millionen Euro.

Schloss Heidecksburg
Schloss Heidecksburg in Rudolstadt Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Vor allem Sondershausen soll aus seinem Dornröschen-Schlaf geholt werden, so Fischer. Es sei eine wunderbare, sehr große Anlage mit einem unglaublichen Park. Erbaut im Mittelalter und immer wieder erweitert, habe man aus jeder Bauperiode erhaltene Bereiche, die absolut hochkarätig sind, so Fischers Einschätzung. Das Schloss sei noch nicht so bekannt, wie es das verdient hätte.

Luftaufnahme Schloss Sondershausen: Eher flaches Schloss im Grünen mit fast dreieckigem Grundriss und Bühne sowie Stühle im Innenhof.
Die einstige Resizenz der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen: das Schloss in Sondershausen im Kyffhäuserkreis Bildrechte: imago/Karina Hessland

Die Residenz der Henneberger, Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, wird mit 10,7 Millionen Euro bedacht. Hier soll vor allem auch das einzig zugängliche Brückenbauwerk saniert werden.

Schloss Bertholdsburg in Schleusingen
Schloss Bertholdsburg in Schleusingen Bildrechte: frankphoto.de

Die Residenz der hessischen Landgrafen, Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, bekommt 11,7 Millionen Euro aus dem Sondertopf. Die Dachsanierung soll am Südflügel einschließlich Schlosskirchturm fortgesetzt und damit zum Abschluss gebracht werden.

Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden im Abendlicht
Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Sechs Millionen Euro sind für Schloss Schwarzburg angedacht. Bedürftig sei hier vor allem das Hauptgebäude des Schlosses.

Schloss Altenstein in Bad Liebenstein mit seinem einmaligen Park liegt besonders auch Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff am Herzen. Er nennt es "das Neuschwanstein Thüringens". Mit acht Millionen Euro sollen die jahrzehntelang andauernden Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden. Die Schwerpunkte sind dabei die Sanierung des historischen Küchenbaus, der Terrassen und die Sicherung der benachbarten Bergfriedruine.

Auf den Dornburger Schlössern steht für die Stiftung das Renaissanceschloss zur Sanierung an. Die notwendigen Maßnahmen reichen von der Dachsanierung über die Instandsetzung der Baukonstruktion des hangnahen Gebäudes bis zur Objektsicherheit. Zudem müssen die barocken Geländegitter am Rokokoschloss restauriert werden. Insgesamt sind dafür zehn Millionen Euro eingeplant.

Dornburger Schlösser, Rokoko-Schloss
Das Rokokoschloss in Dornburg Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Für Schloss und Park Wilhelmsthal bei Eisenach sind sechs Millionen Euro eingeplant, für die Landgrafenburg Burg Weißensee drei Millionen Euro und für Burg Ranis acht Millionen Euro. Für Thüringens einzige Wasserburg in Kapellendorf sind fünf Millionen Euro geplant.

Außenansicht Schloss Wilhelmsthal
Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach Bildrechte: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Außerdem gibt es ein Burgruinenpaket. Für die Burgruine in Bad Liebenstein, die Burgruine Ehrenstein, die Brandenburg und die Sachsenburgen sind insgesamt 1,2 Millionen Euro vorgesehen. Auch im Schloss Molsdorf mit Park soll sich etwas tun. Der Pavillonbau aus dem Jahre 1820 oberhalb des Schlosses soll saniert und wiederbelebt werden. Dafür stehen acht Millionen Euro zur Verfügung.

Außerdem bedacht werden mit insgesamt 20 Millionen Euro die fünf Liegenschaften, die in die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufgenommen werden sollen. Dazu zählen Schloss Reinhardsbrunn, der Hessenhof Schmalkalden und Schloss Friedrichswerth. Gespräche gäbe es außerdem mit den Kommunen bezüglich Schloss Elisabethenburg in Meiningen und Schloss Altenburg. Wie Hoff sagte, haben die Stiftung und das Land die Hand ganz klar freundlich ausgestreckt.

Mehr Geld aus Stammhaushalt für andere Liegenschaften

Die Liegenschaften der Stiftung, die nicht vom Sonderinvestitionsprogramm profitieren, seien dennoch Gewinner, sagte Stiftungsdirektorin Doris Fischer. Denn sie kommen nun direkter in den Genuss von Mitteln aus dem Stammhaushalt der Stiftung. Bedacht werden laut Fischer die Veste Heldburg, Kloster Paulinzella, die Greizer Orangerie, Kloster Veßra und Kloster Mildenfurth sowie die Burgen in Kranichfeld.

Land hofft auf weitere Investitionsprogramme

Fischer sagte, am liebsten hätte sie jedes Schloss, jede Burg, jeden Park in der Stiftung. Doch sie möchte mit ihnen ohne Geld nicht allein gelassen werden. Man sei auch keine Palliativstation für notleidende Schlösser. Allen Beteiligten sei klar, dass nicht alle Baustellen gemacht werden können mit dem Geld aus dem Sonderinvestitionsprogramm I. Eine Rolle spielen dabei auch Preissteigerungen im Bau im vergangenen Jahr von bis zu 30 Prozent. Deshalb hofft das Land bereits jetzt auf ein Sonderinvestitionsprogramm II. Es soll 2024 mit dem Bund verhandelt werden. Kulturminister Hoff brachte bereits ein drittes Programm ins Gespräch.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tage | 07. Juli 2021 | 18:00 Uhr

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