Unternehmens-Insolvenzen Bisher keine Corona-Pleitewelle in Thüringen

Viele Experten hatten befürchtet, dass die Corona-Krise eine Pleite-Welle nach sich zieht. Immerhin waren viele Geschäfte und Restaurants monatelang geschlossen, viele Betriebe haben Aufträge verloren. Mehr Insolvenzen hat es in Thüringen bisher allerdings nicht gegeben. Insolvenzverwalter vermuten, dass die massiven staatlichen Hilfen eine größere Pleitewelle während des Corona-Lockdowns verhindert haben.

Ein Stempel mit der Aufschrift Insolvenz liegt auf Unterlagen.
Die Folgen der Coronakrise machen sich zumindest an den Insolvenzgerichten bislang kaum bemerkbar. Bildrechte: Colourbox

Im ersten Halbjahr 2021 hat es in Thüringen 106 Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens durch Unternehmen gegeben. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Wie viele davon wegen Corona-Beschränkungen in Schwierigkeiten waren, lässt sich nicht klar abgrenzen.

Tatsächlich ist wegen einer Reihe von Corona-Maßnahmen die Zahl der Anträge sogar zurückgegangen. So war zum Beispiel die Pflicht, bei Überschuldung einen Insolvenzantrag zu stellen, zeitweise ausgesetzt. Sofern Unternehmen Corona-Hilfen beantragt hatten jedenfalls.

Corona-Hilfen sorgten für Rückgang der Insolvenzen

Weil eben diese Hilfen an viele Betriebe ausgezahlt wurden, ging die Zahl der Insolvenzanträge während der Corona-Zeit sogar zurück. Im ersten Halbjahr 2020 waren es 119 Anträge, im ersten Halbjahr 2019 noch 120. Und im ersten Halbjahr 2018 waren es 166 Anträge.

Manches Unternehmen hat einen Antrag auch aus anderen Gründen stellen müssen, etwa wegen des Strukturwandels in der Autoindustrie. Die meisten Insolvenzen waren, wie in den Jahren zuvor auch, allerdings Bauunternehmen.

Kleine Unternehmen schließen auch ohne Insolvenzverfahren

Ein Laden, der schließt, ist aber auch nicht unbedingt insolvent, sagt Knut Bernsen, Geschäftsführer des Thüringer Einzelhandelsverbands: "Wir haben viele Schließungen still und heimlich der kleinen Betriebe gesehen. Die sind eigentlich gar nicht groß genug für ein Insolvenzverfahren, die machen einfach zu." Sie melden ihr Gewerbe also ab - ehe zu viele Schulden entstehen.

Es könnten tatsächlich etliche Unternehmen noch aufgeben, die mit Corona-Nachwirkungen zu kämpfen haben. Fitness-Studios hatten in der Krise nach Schätzung ihres Branchenverbands etwa 25 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Textil-Einzelhändler haben im ersten Halbjahr teilweise ein Drittel weniger Umsatz erwirtschaftet.

Gerade in diesem Bereich haben viele Menschen während der Beschränkungen stattdessen online bestellt. Und ob alle Kunden in den kommenden Monaten wieder in die Geschäfte in den Thüringer Orten zurückkehren, ist ungewiss. "Es geht also weiter an die Substanz", so Bernsen.

Wirtschaftsministerium erwartet keine Pleite-Welle

Aus Sicht des Thüringer Wirtschaftsministeriums ist es jedenfalls möglich, dass in den kommenden Monaten aus besonders betroffenen Wirtschaftsbereichen mehr Insolvenzen möglich sind. Eine Welle erwartet das Ministerium allerdings nicht.

Aus Sicht des Einzelhandelsverbands ist jetzt Leerstands-Management in den Innenstädten wichtig. Schaufenster, die zu lange leer bleiben, machten die Innenstädte weniger attraktiv. Möglich seien da als Ersatz nicht nur Händler, sondern auch kulturelle Angebote. Und der Verband verweist darauf, dass auch Kultur und Gastronomie wichtig seien, um attraktive Innenstädte zu erhalten.

Corona-Hilfen helfen nicht allen

Ob die Corona-Hilfen der vergangenen Monate aber überhaupt zielgerichtet waren, das ist noch schwer abzuschätzen. In vielen Fällen hat Kurzarbeitergeld dazu beigetragen, Mitarbeiter in Unternehmen zu halten. Corona-Hilfen haben dazu beigetragen, dass Unternehmen zumindest weiter laufende Kosten begleichen konnten. Gerade Solo-Selbstständige hatten aber lange geklagt, dass die Hilfszahlungen nicht für ihren Lebensunterhalt genutzt werden konnten.

Auf der anderen Seite geht Insolvenzverwalter Rolf Rombach davon aus, dass die Hilfe auch dort genutzt wurde, wo die Lage schon vor Corona prekär war: "Bestes Beispiel sind Gastronomie-Betriebe. Dort hat man nicht am Betriebsüberschuss angeknüpft, sondern am Umsatz. Ob der jetzt Gewinn oder Verlust gemacht hat in den letzten Monaten vor Corona, ist gar nicht überprüft worden. Dadurch können sich viele Kleinstunternehmer nach wie vor am Leben halten."

Rolf Rombach - abgesetzter Präsident FC Rot-Weiss Erfurt - gibt eine Pressekonferenz und nimmt zu der Entlassung Stellung.
Insolvenzverwalter Rolf Rombach empfiehlt, eine mögliche Insolvenz nicht auf die lange Bank zu schieben. Bildrechte: IMAGO

Insolvenzverwalter Rombach rät Unternehmen deshalb dazu, sich frühzeitig Hilfe zu suchen, wenn die Lage sich verschlechtert. Er selbst habe viele Anfragen, die sich im Vorfeld einer Insolvenz bewegten und sie vielleicht auch abwenden können: "Es gibt viele Möglichkeiten. Man kann sich zum Beispiel an die IHK wenden." Auch dort gebe es Ansprechpartner, die Ratschläge geben können.

Wann sich die Lage für Unternehmen wieder entspannen wird, das hängt von der Entwicklung der kommenden Monate ab. "Entscheidend wird sein, wie sich der Herbst entwickelt", sagt der Einzelhandelsverbands-Chef Knut Bernsen. In zahlreichen Branchen werden aber auch weiterhin Hilfen gezahlt, um die Nachwirkungen der Krise abzumildern.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. September 2021 | 05:00 Uhr

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