Energiekosten Teurer Semesterstart in Thüringen: "Studierende brauchen keine Spartipps mehr"

Sie wurden in der Pandemie oft vergessen. Und jetzt treffen Inflation und steigende Energiekosten die fast 50.000 Studierenden in Thüringen besonders hart: Ein Einblick in ihre Finanzen und ihre Forderungen an die Politik.

Junge Frau in Winterkleidung am Schreibtisch
Bei den aktuell gestiegenen Energiekosten ist Heizen auch für Studierende immer schwieriger zu bezahlen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / photothek

Am 1. Oktober ist an den Thüringer Hochschulen offiziell das Wintersemester gestartet. Wenn in den nächsten beiden Wochen die Vorlesungen beginnen, dann werden sich viele Gespräche auf den Uni-Fluren, in den Mensen und WGs wohl um ein Thema drehen: Geld. Denn Studierende gehören zu den gesellschaftlichen Gruppen, die die aktuellen Teuerungen besonders hart treffen.

600 bis 800 Euro im Monat: kein Einzelfall

Janosch Voß studiert im Master Gesellschaftstheorie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er legt offen, was er im Monat ausgeben kann. Mit dem Unterhalt seiner Eltern und der Bafög-Förderung kommt er momentan auf rund 600 Euro im Monat. Voß rechnet vor: "Im Monat zahle ich 225 Euro Miete in meiner WG, 150 Euro gebe ich etwa für Grundnahrungsmittel aus, 120 Euro für die Krankenkasse. Das heißt, es bleiben etwa 110 Euro für alles andere." Anders als viele andere Studierende kann Janosch Voß noch auf Erspartes zurückgreifen.

Trotzdem muss er sich schon jetzt stark einschränken, etwa bei Hobbys, Reisen mit der Bahn, Partys. Hinzu kommen nun die schwer absehbaren Energiekosten im Winter. Tatsächlich ist Voß damit kein Einzelfall. So schätzt es Jonathan Schäfer ein, Sprecher der Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS). Ihm zufolge haben viele Thüringer Studierende weniger als den aktuellen Bafög-Höchstsatz zur Verfügung.

Hilfen von der Bundesregierung

Das Bafög, also das Bundesausbildungsförderungsgesetz, hat seit diesem Wintersemester einen neuen Höchstsatz für die Förderung: 934 statt bisher 861 Euro pro Monat für Studierende zwischen 25 und 29 Jahren. Für unter 25-jährige beträgt er 812 Euro. Auch Janosch Voß wird in Zukunft mehr bekommen, liegt aber mit seinem Einkommen weiterhin unter dem Höchstsatz: bei rund 800 Euro. Außerdem kann er, wie alle Studierenden in Deutschland, mit einer Einmalzahlung von 200 Euro rechnen, die die Bundesregierung in ihrem dritten Entlastungspaket beschlossen hat.

Für den Studierenden-Sprecher Jonathan Schäfer von der KTS geht das nicht weit genug in Anbetracht der aktuellen Rekordinflation und der voraussichtlich stark steigenden Energiekosten im Winter. Spartipps kann und will er seinen Kommilitonen nicht mehr geben: "Studierende sparen schon von Haus aus, weil sie sonst gar nicht über die Runden kommen würden. Insofern versuchen wir gerade, Studierende zu mobilisieren, um politisch Druck zu zeigen durch Demonstrationen."

Forderungen an Bund und Land

Auch die Angebote des Thüringer Studierendenwerks werden teurer. Die Mensa-Preise wurden kürzlich angehoben und ab November müssen Studierende im Wohnheim zusätzlich eine Energie-Pauschale von 35 Euro im Monat zahlen.

Diese Teuerungen haben auch die Studierendenschaften mitgetragen. Für Torsten Schubert, Geschäftsführer des Studierendenwerks, sind sie eine moderate Lösung. Gerade im deutschlandweiten Vergleich hätten Thüringer Studierende immer noch geringe Ausgaben für Mensa und Wohnheime, so Schubert. Trotzdem schließt er sich den Forderungen an, die die Thüringer Studierendenschaften jetzt an die Politik stellen: höhere Direktzahlungen, eine erneute Erhöhung der Bafög-Sätze, schnelle und unbürokratische Umsetzung der vereinbarten Hilfe. Gespräche mit der Landespolitik werden wohl bald folgen.

"Studierendenwerk Thüringen" steht auf dem Schild vor einem Studentenwohnheim in der Nordhäuser Straße.
Das Studierendenwerk Thüringen ist unter anderem für dieses Wohnheim in Erfurt zuständig. Bildrechte: dpa

Studierende: Wie lange kann ich noch duschen?

In Thüringen leben vergleichsweise wenig Studierende in den vergünstigten Wohnheimen - aktuell sind es in etwa nur 16 Prozent, wie es aus Zahlen des Studierendenwerks Thüringen hervorgeht. Für viele Studierende, die eben nicht im Wohnheim leben, könnten eventuelle neue Hilfen zu spät kommen. Sie müssen bereits jetzt viel vorschießen.

Und es ist schon ein Thema, dass alle überlegen, ob sie heizen, wie sie heizen, wie lange sie duschen.

Charlotte Dane Studentin

Ein Thema in vielen Wohngemeinschaften, erzählt Charlotte Dane, die im Master Bildung, Kultur und Anthropologie studiert: "Wir haben im Freundeskreis Leute, die schon jetzt eine Nebenkostenabrechnung von 1.000 Euro hatten. Das wird im Winter mehr. Und es ist schon ein Thema, dass alle überlegen, ob sie heizen, wie sie heizen, wie lange sie duschen. Das ist in WG-Kontexten besonders belastend."

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | THÜRINGEN JOURNAL | 04. Oktober 2022 | 19:20 Uhr

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