Holzkunst Figuren aus dem Holz lassen - Wie aus Baumstümpfen Kunst wird

Rund um den Ilmenauer Ortsteil Gräfinau-Angstedt kann man sie bewundern - Holzskulpturen die häufig mehrere Meter hoch sind. Geschaffen hat sie der Holzkünstler Dirk Rudolf. Mit jeder Menge Geschick und Kreativität schnitzt und sägt er übergroße Wesen und Tierfiguren aus dem Holz.

Der Holzbildhauer Dirk Rudolf
Seit 15 Jahren sägt und schnitzt Dirk Rudolf Figuren aus dem Holz. Bildrechte: MDR/Lisa Wudy

Ein über drei Meter großer Engel aus Holz steht am Ufer eines Teiches in Angstedt. Der Blick der Skulptur ist auf die gegenüberliegende Marienkirche gerichtet, die Hände sind zusammengefaltet. Die Engelsflügel sind, anstatt zur Seite hin, nach oben hin geöffnet und langgezogen.

"Muss nicht jedem gefallen, aber es kann so einem kleinen Ort auch mal ein bisschen Anregung geben", sagt Dirk Rudolf. Die etwa 200 Kilo schwere Skulptur ist aus derselben Pappel geschnitzt, die vor gut fünf Jahren noch dort im Boden verwurzelt war. Eine Problembaumfällung, sagt Rudolf. Der Baum hat als Holzskulptur ein zweites Leben bekommen.

Dirk Rudolf vor einer Engelsfigur
Der Holzengel von Angstedt. 3,50 Meter ist die Firgur groß. Die Pappel musste vor etwa fünf Jahren an dem Ufer des Teiches gefällt werden. Bildrechte: MDR/Lisa Wudy

Vor 15 Jahren hat Rudolf seine Leidenschaft für die Kettensägenkunst entdeckt. Nach fünf Jahren konne aus dem Hobby schon ein kleines Nebengewerbe wachsen. Seit etwa zwei Jahren verdient er sein Geld nur noch mit seiner Holzkunst. Die Aufträge kommen mittlerweile aus ganz Deutschland. Auch aus Österreich und der Schweiz hatte er schon Kundschaft.

Die Kunden kommen mit den unterschiedlichsten Vorstellungen und Wünschen zu ihm, erzählt Rudolf. Mal eine kleine realistisch wirkende Holzeule, mit Schnitzereien verzierte Bänke und Tische oder auch mal ein riesiges Fabelwesen. Die Aufträge sind immer abwechslungsreich, erklärt er. Natürlich hat der Thüringer auch schon ein paar Bratwürste für das Thüringer Bratwurstmuseum geschnitzt, wie sollte es auch anders sein.

Der Holzbildhauer Dirk Rudolf arbeitet an einer Figur.
Besonders beliebt sind Eulen. Dirk Rudolf macht gerade noch den Feinschliff. Bildrechte: MDR/Lisa Wudy

Bei manchen Aufträgen hat er kreativen Spielraum, andere setzte er konkret nach den Vorstellungen der Kundschaft um. Eigene Ideen will er aber immer mit einbringen. "Es geht nicht nur immer nur ums Geld, sondern um die Freude, um den Gesichtsausdruck. Wenn der Kunde dann kommt und begeistert ist", sagt Rudolf. Um die Kunden - und auch sich selbst - immer wieder begeistern zu können, probiert er viel aus. Denn er will sich schließlich nicht selber kopieren, erzählt er.

Ich will die Eiche, die bei einem Sturm oder bei Starkregen umgefallen ist […]

Dirk Rudolf

Für die große Anzahl an Aufträgen, braucht es natürlich auch eine Menge Holz. Riesige Stämme liegen auf seinem Schnitzplatz, der sich mitten in einem Gewerbegebiet befindet. Der Platz ist Atelier, Werkstatt und Holzlager. Um die schweren Stämme heben und zurechtschneiden zu können, hat er zudem ein kleines mobiles Sägewerk und einen alten Bagger dort stehen.

Schnitzplatz von Dirk Rudolf
Kranich, Fisch und Neptun auf dem Schnitzplatz von Dirk Rudolf. Nur mit dem alten Bagger (T 174/VEB Weimar-Werk) kann er die schweren Stämme für seine Skulpturen bewegen. Bildrechte: MDR/Lisa Wudy

Auf seinem Schnitzplatz liegen riesige Stämme, die teilweise 200 bis 300 Jahre alt sind. Gar nicht so einfach an das Holz zu kommen, sagt Rudolf. Oftmals ist das Holz von Problemfällungen oder Abrissholz, alte Balken von Scheunen oder Dachböden. "Diese alten Sparren, die sind so richtig von der Natur gegerbt. Das ist natürlich ideal, aber schwierig zu kriegen."

Um an das alte Eichenholz zu kommen, steht er in enger Verbindung mit den Förstern aus der Region. "Weil für dich macht keiner so eine dicke Eiche um. Soll auch gar nicht. Die soll im Wald nochmal 100 Jahre stehen. Ich will die Eiche, die beim Sturm oder bei Starkregen umgefallen ist, oder die vielleicht bei einer Problemfällung oder Baumaßnahme wegmuss", erklärt Rudolf.

Geheimnisse der Holzkunst

Als erstes wird der Stamm mit einer großen Säge grob ausgeblockt, beschreibt Rudolf. Danach wird sich langsam an den Grundkörper der Skulptur rangeschnitzt. "Bei so einer Holzskulptur sagt man immer: Was einmal weg ist, ist weg", so Rudolf. Deshalb ist Konzentration, eine vorherige Skizze und Voraussicht notwendig. Was vom Grundkörper am weitesten entfernt ist, darauf sollte sich als erstes fokussiert werden.

Rudolf sägt seine Skulpturen immer in einer Momentaufnahme. Die Figuren sind in Bewegung, sind dynamisch. Die kleineren Details, wie die Gesichter, arbeitet er filigran aus. Allerdings kommt dann keine Kettensäge zum Einsatz, sondern Schnitzeisen oder Winkel- und Fingerschleifer.

Bei so einer Holzskulptur sagt man immer: Was einmal weg ist, ist weg.

Dirk Rudolf

Wenn die Figur fertig gesägt und geschnitzt ist, kommen mehrere Schichten Bootslack drauf. Dadurch sind die Skulpturen gut vor Sonneneinstrahlung und Regen geschützt. Wird die Skulptur über die Jahre gut gepflegt und steht halbschattig, hält sie sich dann etwa 20 Jahre lang. Wichtig ist auch, erklärt Rudolf, dass die Figur trocken steht. Am besten auf einem Sockel, mit einer Luftschicht dazwischen.

Skulptur von Dirk Rudolf
Der Wolf von Wolfsberg. Die Skulptur ist der ehemaligen Gemeinde Wolfberg gewidmet. Bildrechte: MDR/Lisa Wudy

Der Wolf von Wolfsberg oder der Engel vor dem Pfarrteich in Angstedt sind aus dem kleinen Örtchen nicht mehr wegzudenken. Auch die drei großen Figuren - Kranich, Fisch und Neptun - sind zu einem Wahrzeichen seines Heimatortes Gräfinau-Angstedt geworden. Mehrere Monate lange mussten die drei Skulpturen aufgearbeitet und präpariert werden. Bald können sie wieder zu ihrem ursprünglichen Standort zurück. Diesmal mit Fundament, sodass sie auch möglichst lange halten.

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 30. Juli 2022 | 15:41 Uhr

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