Rennsteig als Rennstrecke? Oberhof: Autofahrer zerstören Skilanglauf-Loipen durch Driften

Autorenporträt Tino Geist
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Rennsteig als Auto-Rennstrecke: Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz ist stinksauer und ratlos. Autofahrer haben offenbar Waldwege zum illegalen "Driften" genutzt - und so gespurte Loipen für Wintersportler zerstört.

Spuren von Autoreifen auf Langlauf-Loipen im Wald bei Oberhof
Durch Reifenspuren zerstörte Loipe: Das Winterwetter im Thüringer Wald lädt zum Sporttreiben ein - und manche offenbar auch zu illegalen Autofahrten auf Waldwegen. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Auf dem Rennsteig bei Oberhof haben Autofahrer mehrere Kilometer Langlaufloipe zerstört. Wie ein Sprecher des Regionalverbunds Thüringer Wald mitteilte, war am Wochenende der Abschnitt zwischen Grenzadler und Rondell mit tiefen Reifenspuren zerfahren. Die Loipe konnte wegen der geringen Schneeauflage stellenweise nicht mehr einwandfrei präpariert werden, weil Steine auf die Strecke geschleudert wurden. Regionalverbund, Stadt und Loipenspurer vermuten, dass der Waldweg von den Autofahrern zum sogenannten "Driften" genutzt wurde. Angelehnt an den Motorsport, werden Autos dabei bewusst zum Herumschleudern auf glattem Untergrund gebracht.

Unfallgefahr für Wintersportler

Der Regionalverbund kritisierte die Aktion, weil sie Gefahren auch für Wintersportler birgt: Durch die tiefen Spurrillen könnten Skifahrer stürzen und sich verletzen. Außerdem werde die teilweise stundenlange Arbeit der Loipenspurer zunichte gemacht, heißt es. Der Regionalverbund appellierte daran, die Loipen den Sportlern, Gästen und Touristen zu überlassen.

Bürgermeister Thomas Schulz reagierte verärgert auf die erneute Zerstörungswut. Allerdings sei er auch ratlos. Bisher habe die Polizei wenig gegen die ungewünschten Gäste getan, so Schulz.

Spuren von Autoreifen auf Langlauf-Loipen im Wald bei Oberhof
Durch illegales "Driften" auf Waldwegen werde die Arbeit der Loipenspurer zunichte gemacht, kritisierte der Regionalverbund Thüringer Wald. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Um gegenzusteuern könnten laut Regionalverbund zum Beispiel Schneeberge an den Loipeneingängen aufgeschoben werden, damit Autos nicht mehr durchkommen. Es müsse allerdings genügend Platz für Sportler und Bergwacht bleiben.

Polizei warnt vor Driften auf Waldwegen

Auch die Polizei hat die Autofahrer im Visier. Laut einer Sprecherin der Landespolizeiinspektion Suhl sind die Beamten dazu mit der Stadt im Gespräch. Wichtig seien jedoch stichfeste Beweise und Zeugen, die die Vorfälle beobachtet haben. Die Polizei warnt eindringlich vor derartigen vermeintlichen Spaßveranstaltungen, die oft einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr darstellen. Derzeit wird geprüft, ob in Zukunft seitens der Polizei verdeckte Kontrollen in Oberhof möglich sind, wie eine Sprecherin sagte.

Dass das Driften gefährlich werden kann, hat ein schwerer Unfall bei Gera Anfang des Jahres gezeigt. Eine Vierjährige war auf einem schneebedeckten Feld beim Rodeln zwischen zwei Autos eingeklemmt und tödlich verletzt worden. Ein Mann verlor damals beim Driften mit seinem Auto auf dem Schnee die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte gegen das Heck eines anderen Wagens. Das Mädchen wurde mit seinem Schlitten zwischen beiden Fahrzeugen eingeklemmt und starb noch an der Unglücksstelle. Das Amtsgericht Gera verhängte Ende November eine Haftstrafe von anderthalb Jahren auf Bewährung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

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