Landwirtschaft Rhönblick: Konventioneller Milchviehbetrieb setzt auf Tierwohl

Porträt Regionalkorrespondentin Marlene Drexler
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

"Massentierhaltung" und Tierwohl ist kein Widerspruch, sagt Agrarwirtin Isabel Schmidt. Sie leitet einen konventionellen Milchviehbetrieb in der Vorderrhön und setzt auf artgerechte Haltung. Der Betrieb hat sich dafür vom Deutschen Tierschutzbund zertifizieren lassen.

Zwei Frauen stehen in einem Kuhstall.
Setzen in ihrem Betrieb auf das Tierwohl: Herdenmanagerin Franziska Lachmann und Geschäftsführerin Isabel Schmidt (v.l.) Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Unsanft bläst der Wind über die Wiesen der Vorderrhön und es regnet. Die Kühe, die auf dem Hermannsfelder Milchviehbetrieb leben, scheint das nasskalte Wetter allerdings nicht zu stören. Im Außenbereich des Kuhstalls herrscht munteres Treiben. Der Zugang zur angrenzenden Weide ist heute ausnahmsweise gesperrt, weil der Boden stark aufgeweicht ist.

Der Betrieb in der Gemeinde Rhönblick hält insgesamt 364 Milchkühe. Zweimal am Tag werden sie gemolken. Die restliche Zeit entscheiden sie selbst, wo sie sich aufhalten wollen: im überdachten Stall, im Außengehege oder auf der Weide. Die individuellen Vorlieben der Tiere sind ganz unterschiedlich. "Grundsätzlich mögen sie Temperaturen zwischen zwölf und 16 Grad am liebsten", sagt Isabel Schmidt. Die studierte Agrarwirtin leitet den Milchviehbetrieb AG Hermannsfeld seit sechs Jahren.

Besucher sind willkommen

Schmidt freut sich über Besuch. "Jeder darf sich unseren Betrieb angucken kommen, wir haben nichts zu verbergen", sagt sie. Für eine Führung durch die Ställe nimmt sie sich Zeit. Sie möchte zeigen, dass sich konventionelle Großproduktion und artgerechte Haltung nicht widersprechen.

"Das Wohl der Tiere war uns schon immer wichtig", sagt Schmidt. Damit das auch auf der Milchflasche für die Kunden sichtbar ist, hat der Betrieb nach den Richtlinien des Labels "Für mehr Tierwohl" umgebaut. Das vom Deutschen Tierschutzbund entwickelte Label hat zwei Stufen, "Einsteiger" und "Premium".

Eine Frau steht neben mehreren Kühen auf einer Weide.
Isabel Schmidt ist der Überzeugung, dass nur Betriebe, die das Tierwohl mit im Blick haben, zukunftsfähig sind. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Geschäftsführerin Schmidt hat sich für die höhere Stufe entschieden. Demnach muss jede Kuh mindestens sechs Quadratmeter Stallfläche haben. Im Hermannsfelder Betrieb sind es sogar zwölf Quadratmeter pro Tier. Ausruhen können sich die Kühe auf mit Stroh gepolsterten Gummimatratzen. Im Stall gibt es außerdem Bürsten, die automatisch anspringen, wenn eine Kuh ihren Rücken oder Bauch daran kratzen möchte.

Landwirtin: "Kosten für artgerechte Haltung sind gut investiertes Geld"

Durch Platz Geld sparen zu wollen, das sei wie "der Hund, der sich den eigenen Schwanz abbeißt", sagt Schmidt. Tiere, die sich an der frischen Luft bewegen können, Kontakt zu Artgenossen, aber auch Rückzugsorte haben, sind gesünder. "Damit spare ich mir Tierarztkosten und meine Kuh lebt auch länger." Hinzu kommt, dass immer mehr Kunden Wert auf artgerechte Haltungsstandards legen.

Mehrere Kühe stehen auf einem Weg.
Insgesamt 364 Milchkühe hat der Betrieb in der Gemeinde Rhönblick im Kreis Schmalkalden-Meiningen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Vorbild in der Region sein

Isabel Schmidt ist der Überzeugung, dass nur Betriebe, die das Tierwohl mit im Blick haben, zukunftsfähig sind. Auch und gerade im Bereich der Massenproduktion. "Warum also nicht Vorreiter und auch Vorbild in der Region sein?" Schmidt möchte anderen Betrieben die Angst nehmen: "Ja, es ist etwas mehr Aufwand. Aber es bricht einem ganz sicher nicht das Genick."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 05. November 2021 | 18:30 Uhr

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