Umweltverschmutzung Behörden und Touristiker klagen: Meterlange Müll-Teppiche in der Werra

Porträt Regionalkorrespondentin Marlene Drexler
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

"Es wird einfach nicht besser", sagt Reinhard Raabe, Leiter der Wasserschutzbehörde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Und damit meint er das Müll-Problem an und in der Werra.

Raabe kümmert sich schon seit über 20 Jahren um die Gewässer im Landkreis. Trotz aller Appelle würden immer noch alle möglichen Abfälle in den Fluss geworfen oder am Ufer liegen gelassen. "Es gibt keinen Meter mehr im Fluss, auf dem ich nicht irgendetwas aus der Zivilisation finde", so Raabe. Es beginne mit Grünschnitt, Zigarettenstummeln, Plastikflaschen und Bierdeckeln und ende bei Bauschutt, Autoreifen und Mopeds.

Es gibt keinen Meter mehr im Fluss, auf dem ich nicht irgendetwas aus der Zivilisation finde.

Reinhard Raabe

Laut Raabe hat sich die Situation in den vergangenen Jahrzehnten kaum verbessert: "Viele Menschen sprechen zwar davon, bewusster mit der Natur umgehen zu wollen. Aber wenn ich das Ergebnis sehe, scheinen Worte und Taten doch sehr auseinander zu gehen."

Reinhard Raabe
Reinhard Raabe: "Es gibt keinen Meter, in dem ich nicht irgendetwas aus der Zivilisation finde." Bildrechte: MDR/Werra Touristik e.V.

Wasserwanderer regelmäßig schockiert

Auch Heidi Brandt ist etwas weiter flussabwärts mit dem Müll-Problem konfrontiert. Sie ist Leiterin der Tourismusförderung im Wartburgkreis und gleichzeitig Geschäftsführerin der Werratal Touristik in Bad Salzungen. Sie berichtet von bis zu 100 Meter langen Müll-Teppichen zwischen Bad Salzungen und Tiefenort. "Wenn Bäume oder dickere Äste ins Wasser fallen, staut sich alles auf."

Sichtbar werde der viele Müll besonders jetzt, wo die Pegel niedrig sind. "Weil man dann auch sieht, was sich schon alles auf dem Grund abgesetzt hat." Natürlich würden sich die Kanuverleiher sehr bemühen, ihre jeweiligen Abschnitte für Wasserwanderer sauber zu halten.

Das ganze Ausmaß zeige sich damit erst, wenn man den gesamten Flusslauf in Augenschein nimmt. Erst kürzlich habe es eine Paddelgruppe gegeben, die die gesamte Werra abfahren wollte, ihre Tour aber wegen des Mülls schließlich abgebrochen hätte, erzählt Brandt.

Für Wasserwanderer seien die Müllteppiche auch ein Sicherheitsrisiko, weil sie dadurch gezwungen werden, ungeplant an unbefestigten Stellen auszusteigen. "Viele sind einfach fassungslos darüber, dass wir so schlecht mit diesem wunderschönen Fluss umgehen."

Müll staut sich auf der Oberfläche der Werra.
An manchen Stellen staut sich alles auf. Bildrechte: MDR/Werra Touristik e.V.

Schädliches Mikroplastik entsteht

Neben den negativen Folgen für den Tourismus, leidet natürlich vor allem auch die Natur selbst. Reinhard Raabe sorgt sich zum Beispiel um die Fische. Wenn sich massiv Müll im Flussbett ablagert, verstopfe das die feinen Poren in den Kiesbänken: "Dann haben die Fischlarven, die dort leben, keinen Sauerstoff und keine Nahrungsgrundlage mehr". Die Folge ist, dass Fischpopulationen schrumpfen.

Mittelfristig kommt das Problem der Entstehung und Verbreitung von Mikroplastik dazu. Denn: wenn zum Beispiel eine Plastiktüte oder -flasche lange genug im Gewässer liegt, löst sich das Plastik in kleinste Teilchen auf. Und das Mikroplastik schadet am Ende nicht nur den Fischen und anderen Lebewesen, sondern landet über Nahrung und Trinkwasser auch in unseren Körpern.

Dann haben die Fischlarven, die dort leben, keinen Sauerstoff und keine Nahrungsgrundlage mehr.

Reinhard Raabe

Verschmutzung wäre leicht vermeidbar

Das Problem wird nach Ansicht von Reinhard Raabe und Heidi Brandt nicht durch Unternehmer oder Landwirte, sondern Privatpersonen verursacht. Natürlich kommt es auch mal zu akuten Verschmutzungen der Gewässer, sagt Reinhard Raabe. Pro Jahr habe die Wasserschutzbehörde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen etwa 20 bis 30 größere Einsätze. Zum Beispiel, wenn kritische Mengen schädlicher Substanzen in den Fluss eingeleitet worden sind. Wenn so etwas passiert, handle es sich aber meistens um Unfälle.

Der durch Privatpersonen verursachte Müll im Gewässer sei dagegen ein kontinuierliches und vor allem eigentlich vermeidbares Problem. Heidi Brandt richtet den Fingerzeig dabei nicht an die Wasserwanderer. Ihrer Ansicht nach sind es vor allem Wasser-Anrainer, die den Fluss bedenkenlos und teils auch vorsätzlich als Müllkippe nutzen.

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MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 20. August 2022 | 18:23 Uhr

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