Evangelische Kirche Pfarrer-Berufsvertretung nach Corona-Protestauftritt gespalten 

Der Berufsverband der evangelischen Thüringer Pfarrer steht nach einem umstrittenen Demo-Auftritt ihres Vorsitzenden in Sonneberg vor einer Zerreißprobe. Der stellvertretende Vorsitzende des Thüringer Pfarrvereins, Pfarrer Tillmann Boelter, sagte MDR THÜRINGEN, der Vorstand wolle schnellstmöglich zu einer Mitgliederversammlung, voraussichtlich für Ende März, einladen. Das habe der Vorstand mehrheitlich beschlossen. Außerplanmäßige Vorstandswahlen seien wahrscheinlich. Turnusmäßig würde erst wieder 2027 gewählt. Der Vereinsvorsitzende Pfarrer Martin Michaelis habe an der Vorstandssitzung nicht teilgenommen.

Michaelis hatte am 5. Dezember 2021 bei einem Corona-Protestzug in Sonneberg gepredigt. Dort war ein Demonstrationszug mit rund 1.000 Menschen, die überwiegend keine Schutzmasken trugen, zur Grenzkapelle gelaufen. Angemeldet war dagegen eine Standkundgebung mit maximal 35 Menschen, alles darüber hinaus gehende war nach Infektionsschutzverordnung unzulässig.

Menschen mit Kerzen stehen vor einer Kapelle
Am Ende der Demonstration am 05.12.2021 in Sonneberg hatten sich die Menschen an einer kleinen Kapelle versammelt, wo Pfarrer Martin Michaelis ein Gebet sprach. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Der Auftritt hatte bundesweit für Schlagzeilen und scharfe Kritik, unter anderem von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM), gesorgt. Der Sonneberger Superintendent Thomas Rau hatte erklärt, Martin Michaelis und die Organisatoren hätten "durch die vielen Teilnehmer Menschen unnötig und fahrlässig in Lebensgefahr gebracht". Michaelis selbst sagte MDR THÜRINGEN, er halte die Kritikwelle für "völlig überzogen". Den Auftritt selbst rechtfertigte er mit Verweis auf "Meinungsfreiheit und Verkündigungsfreiheit". Zur Einhaltung von Infektionsschutzregeln und inwieweit er den Rückhalt von Vorstand und Mitgliedern habe, wollte sich Michaelis im MDR-Gespräch auf Nachfrage nicht äußern.

Eine Maske auf einer Bibel
Der Auftritt bei der Corona-Demo hatte nicht nur für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch für scharfe Kritik u.a. von der EKM Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Vereinsvize Boelter und zwei weitere der insgesamt fünf Vorstandsmitglieder haben sich von Michaelis' "Auftritt und Inhalt der Rede" in Sonneberg distanziert. Ein Vorstandsmitglied und der Vorsitzende Martin Michaelis selbst haben dies nicht unterzeichnet. Boelter, der Pfarrer in Saalburg-Ebersdorf (Saale-Orla-Kreis) ist, sagte MDR THÜRINGEN, er würde bei so einer Protest-Veranstaltung nicht auftreten. Und die in Kirchen geltenden Corona-Schutzregeln müssten in jedem Fall eingehalten und eingefordert werden. Boelter sagte, derzeit bekomme er so viele Anrufe und E-Mails von Vereinsmitgliedern wie noch nie. Zu etwa 90 Prozent handele es sich um Kritik an Michaelis' Auftritt beim Corona-Protestzug in Sonneberg, vielfach verbunden mit Austrittsdrohungen.

Im Thüringer Pfarrverein mit Sitz in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) sind laut Boelter etwa 600 evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer, überwiegend aus Thüringen, aber auch aus Sachsen-Anhalt, Mitglied. Das wären etwa 60 Prozent der rund 1.000 Pfarrer der EKM. Der Verein setzt sich für gute Arbeitsbedingungen für Pfarrer ein, begleitet Gesetzgebungsvorhaben und unterstützt Vikare und Mitglieder in persönlichen Notlagen. Hilfsprojekte des Pfarrvereins kommen unter anderem Pfarrern in der Slowakei und in Polen zugute.

MDR (mam)

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