Sturmgewehrproduktion in Suhl Heckler & Koch wehrt sich gegen Ministeriums-Entscheidung

Mit einer Rüge beim zuständigen Beschaffungsamt hat Heckler & Koch den Kampf um einen Millionenauftrag der Bundeswehr eröffnet. Der Auftrag zur Produktion von Sturmgewehren soll überraschend an eine Firma in Suhl gehen.

Ein Mann hält ein Sturmgewehr G36 von Heckler und Koch in die Höhe.
Der Kampf um den Millionenauftrag des Bundes wird mit juristischen Mitteln ausgetragen. Bildrechte: dpa

Der Waffenhersteller Heckler & Koch will sich im Kampf um den Sturmgewehr-Großauftrag der Bundeswehr nicht geschlagen geben.

Tausende Sturmgewehre für 250 Millionen Euro

Die Suhler Waffenfirma C.G. Haenel war vergangene Woche überraschend als Sieger aus dem Bieterverfahren für das neue Sturmgewehr der Bundeswehr hervorgegangen. Der Auftrag über 120.000 Sturmgewehre hat einen Umfang von knapp 250 Millionen Euro. Bisher war er immer an Heckler & Koch gegangen.

Zwei halbautomatische Gewehre des Modells CR308 des Suhler Waffenherstellers C. G. Haenel, ausgestellt auf der Messe Enforcetac 2019 in Nürnberg.
120.000 Exemplare dieses Modells sollen für die Bundeswehr produziert werden. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Beschwerde möglich

Gegen den Ausgang des Bieterverfahrens habe die Firma nun Rüge beim Beschaffungsamt eingelegt, teilte ein Konzernsprecher mit. Durch die Rüge kann später auch noch eine Beschwerde gegen die Vergabe eingelegt werden.

Die Entscheidung über die Auftragsvergabe soll noch in diesem Jahr vom Bundestag getroffen werden.

Probleme bei der Treffgenauigkeit

Das von Heckler und Koch produzierte Sturmgewehr G36 war vor einigen Jahren in die Kritik geraten, weil es nach Dauerfeuer beziehungsweise im Einsatz bei großer Hitze wie in Afghanistan angeblich Probleme mit der Treffgenauigkeit aufwies. Heckler & Koch hatte diese Vorwürfe aber stets zurückgewiesen.

Die Ausschreibung für das Nachfolgemodell wurde im April 2017 gestartet. Haenel und Heckler & Koch waren zuletzt die einzigen Bewerber um den Auftrag. Andere Anbieter hatten sich schon vor längerer Zeit aus dem Verfahren zurückgezogen.

Haenel-Muttergesellschaft gehört arabischem Rüstungskonzern

Die nun beim Sturmgewehr-Auftrag der Bundeswehr erfolgreiche C.G. Haenel GmbH ist allerdings eine Neugründung aus dem Jahr 2008. Mit - laut Geschäftsbericht für das Jahr 2018 - neun Mitarbeitern und rund acht Millionen Euro Jahresumsatz ist das Unternehmen nur eine kleine Firma. Immerhin erreichte sie die in der Ausschreibung der Bundeswehr geforderte Mindestgröße von fünf Millionen Euro Jahresumsatz.

Sitz des Waffenherstellers Merkel und C.G. Haenel in Suhl
Sitz des Waffenherstellers Merkel und C.G. Haenel in Suhl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor kurzem hatte Haenel vom sächsischen Innenministerium den Zuschlag für die Ausrüstung der dortigen Landespolizei mit 2.300 Sturmgewehren des Typs CR223 erhalten. Haenel ist eine Tochterfirma der Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH, die an gleicher Adresse im Gewerbegebiet zwischen Suhl und Schleusingen residiert. Diese dürfte mit ihren rund 130 Mitarbeitern der eigentliche Produzent der Waffen für die Bundeswehr sein.

Eigentümerin von Merkel ist die Caracal International LLC mit Sitz in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Unternehmen produziert Schusswaffen wie Pistolen, Maschinenpistolen, Sturmgewehre und Gewehre für Scharfschützen. Die Caracal gehört wiederum der EDGE Group - einem Rüstungskonzern ebenfalls mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Ende 2019 durch den Zusammenschluss mehrerer Rüstungsfirmen aus dem Golfstaat gebildet wurde. Das Unternehmen ist in Staatsbesitz.

Sturmgewehr soll überwiegend in Thüringen produziert werden

C.G. Haenel will das künftige Sturmgewehr der Bundeswehr überwiegend in Deutschland fertigen. Wie das Unternehmen mitteilte, soll der deutsche Fertigungsanteil bei 90 Prozent liegen und der Wirtschaftsregion in Südthüringen zugutekommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. September 2020 | 17:00 Uhr

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