Der Redakteur | 21.11.2022 Warnung per SMS: Wie funktioniert der Katastrophenwarntag via Handy?

Kürzlich haben viele Handybesitzer eine Nachricht zum Katastrophenwarntag am 8. Dezember bekommen. Was hat es damit auf sich und wie erkenne ich, ob mein Handy für den Warntag bereit ist? Unser Redakteur Thomas Becker klärt auf.

Warnung vor einer Katastrophe auf dem Handy, zum Selbstschutz in einer Notsituation
Viele haben diese Nachricht vom Bundesamt für Katastrophenhilfe vor kurzem auf dem Handy gehabt. Bildrechte: IMAGO / Rolf Poss

Am 8. Dezember findet ein bundesweiter Katastrophenwarntag statt. Wer in diesen Tagen dazu eine SMS von Telekom, Vodafone, O2 und Co. bekommt, der sollte das zum Anlass nehmen, sich einmal mit dem Zustand des eigenen Handys zu befassen. Denn die Ereignisse im Ahrtal haben gezeigt, dass es auch hierzulande Szenarien gibt, bei denen eine Warnung der Bevölkerung sinnvoll ist.

Das Modulare Warnsystem

Unser Warnsystem kann bei Extremwetterereignissen warnen oder bei Bränden mit starker Rauchentwicklung. Aber auch wenn andere Gefahrenstoffe im Spiel sind, atomarer, biologischer oder chemischer Art. Mitunter reicht es aus, die Fenster geschlossen zu halten, bis sich eine Wolke verzogen hat - aber dazu müsste man es erst einmal erfahren. Um möglichst viele Leute zu erreichen, sind sämtliche "Ausspielwege" an das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) angeschlossen.

Das System ist der zentrale Kern unserer Katastrophenwarnung, hier werden Warnungen eingegeben und ausgespielt. Das heißt: Es gibt u.a. in den Lagezentren und Leitstellen Eingabemöglichkeiten, dann gibt es die Übertragungswege zu sogenannten Warnmultiplikatoren und zu den Steuersystemen der Endgeräte.

Zu den Warnmultiplikatoren gehören Behörden, aber auch Rundfunk- und Telemedienanbieter, die dann eben die Endgeräte bespielen. Die Endgeräte sind dann Radios, Fernseher, digitale Stadtinformationstafeln, Fahrgastinformationssysteme, Sirenen und eben unsere Handys. Wobei eine Sirene nur eine simple Weckfunktion hat. Heult die Sirene eine Minute auf und ab, sollte man sich an den erwähnten Endgeräten über den Grund informieren.

Sirene auf einem Dach
Sirenen gibt es längst nicht mehr überall. Deshalb soll auch via Handy im Katastrophenfall gewarnt werden. Bildrechte: dpa

Welche Rolle spielt das Handy?

Rund 68 Millionen Menschen in Deutschland nutzen mittlerweile ein Smartphone. Laut Marktprognose des Digitalverbandes Bitkom wird in diesem Jahr die Zahl der Smartphone-Nutzer unter den Bundesbürgern ab 16 Jahren auf 83 Prozent steigen. Deshalb ist auch klar, es sind nicht nur alternative Ausspielwege jenseits des Handys wichtig, sondern auch ein stückweit Solidarität im persönlichen Umfeld. Ob ältere Menschen ein Smartphone besitzen, weiß keine Behörde, aber Nachbarn, Freunde und die Familien wissen das.

Für das Handy gibt es Warnapps wie NINA, die am bundesweiten Warntag die Informationen hoffentlich diesmal sofort anzeigen werden. Vor zwei Jahren kamen die Entwarnungsmeldungen zum Teil vor den Warnungen an - so ist es nicht gedacht. Die Warnapps setzen allerdings auch eine Internetverbindung voraus und es kann Situationen geben, da funktioniert das Internet nicht ausreichend.

Für diese Fälle und den Fall, dass keine Warnapp installiert ist, gibt es nun demnächst Cell Broadcast auch in Deutschland. Das System funktioniert über den Mobilfunkkanal und die Warnmeldung wird "einfach" an alle in einem Funkmast eingewählten Geräte verschickt. Wer es genau wissen möchte, kann sich gern bei der Bundesnetzagentur mit den technischen Spezifikationen auseinandersetzen.

Verschiedene Warn-Apps sind auf auf einem Smartphone vor einem Hinweis auf den "Warntag 2020" am 10. September zu sehen.
Der letzte bundesweite Warntag war 2020 weniger erfolgreich. Diesmal soll es besser klappen. Bildrechte: dpa

Das Versenden der Warnmeldung an die Handys geschieht ohne Kenntnis von deren Telefonnummern, so ähnlich wie beim Radio also. Deshalb kommt die Warnmeldung genau genommen auch nicht als SMS an, sondern erscheint direkt als Text auf dem Bildschirm. Der dazugehörige Warnton lässt sich nicht abstellen, zumindest nicht bei der höchsten Warnstufe 1. Großer Vorteil von Cell Broadcast: Es kann sehr lokal gewarnt werden, also gerade bei örtlichen Ereignisse direkt die Leute, die es betreffen könnte.

Was muss mein Handy für Cell Broadcast können?

An dieser Stelle wird es unübersichtlich. Es sind einfach zu viele verschiedene Handytypen und Softwareversionen im Einsatz, um sagen zu können, welche Handys am 8. Dezember funktionieren und welche nicht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verweist auf die Betriebssysteme Android und iOS und deren Versionen, Gerätehersteller, Firmenhardware und SIM-Karte, die alle "mitreden".

Was jeder Nutzer schnell überprüfen kann, ist die Softwareversion, hier geben die großen Mobilfunkanbieter an, dass es beim iPhone ab Version 15.6.1. bzw. 16.1 funktionieren soll, diese unterschiedlichen Angaben zur Kompatibilität ziehen sich wie ein roter Faden durch das Warnsystem. Unser Tipp deshalb: einfach ausprobieren. Oder die Anleitungen der Telekom oder Vodafone ausprobieren.

Anleitung fürs iPhone

Die Einstellungsmöglichkeiten beim iPhone liegen in den Einstellungen unter dem Menüpunkt "Mitteilungen". Dort sollten unten unter "Cell Broadcast Alerts" drei Schieberegler auftauchen. Extreme Gefahr, Gefahreninformation und Testwarnungen. Diese Bezeichnungen decken sich leider nicht mit den drei Warnstufen des Bundesamtes, die da lauten: "Extreme Gefahr, die kurzfristig erheblich auf Ihre Gesundheit, Ihr Eigentum und/oder öffentliche Infrastrukturen auswirken kann." Bei der nur als "Gefahr" bezeichneten Stufe darunter fehlen die Begriffe "kurzfristig" und "erheblich" und die unterste Stufe "Gefahreninformation" ist per Definition "eine zu erwartende oder bereits eingetretene Beeinträchtigung des normalen Tagesablaufs oder eine besondere Beobachtung." Die Stufe "extreme Gefahr" sollte eigentlich nicht deaktiviert oder stummgeschaltet werden können. So ist es jedenfalls gedacht.

iPhone SE
Beim iPhone liegen in den Einstellungen unter dem Menüpunkt "Mitteilungen". Bildrechte: Colourbox.de

Anleitung für Android

Hier ist das Angebot an Gerätevarianten noch größer. Die großen Mobilfunkprovider empfehlen Version 11 als Mindestvoraussetzung, aber hatten auch schon Handys mit Version 8 oder 10 getestet, die zumindest in den Einstellungen Cell Broadcast angeboten haben. Ob diese dann am 8. Dezember auch mitspielen, das muss jeder ausprobieren.

Am einfachsten ist es, Sie tippen aufs Zahnrad und dann auf die Suchlupe und suchen nach "Broad…", dann sollten ein bis zwei Einträge erscheinen. Der eine Eintrag ist die App "Nachrichten" oder "Messages", also die App, mit der Sie normalerweise SMS verschicken und empfangen. Alternativ tippen Sie gleich in dieser SMS-App oben auf die drei Punkte, dann auf "Einstellungen", dann auf "weitere Einstellungen" und dort sollten Sie dann ebenso Cell Broadcast sehen und ggf. aktivieren können.

Das sollten Sie auch tun. Der Menüpunkt lautet zum Beispiel "Broadcast-Kanäle" und es sollten "alle Sender" ausgewählt sein. Wenn Sie über die Suchfunktion (Lupe) der Einstellungen auch noch den Menüpunkt "Notfallbenachrichtigungen" finden, dann haben Sie ähnlich wie bei iOS Einstellmöglichkeiten, die leider auch wieder von den Warnstufen des Bundesamtes abweichen.     

Quelle: MDR THÜRINGEN (ask,ls)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 21. November 2022 | 15:50 Uhr

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