Gerstungen nach Vergleich mit K+S Der lange Weg zum sicheren Trinkwasser

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Zehn Jahre lang stritt die Gemeinde Gerstungen juristisch gegen die Laugenversenkung, sie fürchtete um ihr Trinkwasser. Ende 2017 schloss sie einen Vergleich mit K+S, bekam viel Geld vom Unternehmen und stellte im Gegenzug die Klagen ein. Seither wurden neue Brunnen erschlossen, Leitungen gebaut und ein Hochbehälter erweitert. Am Montag wurde das Projekt abgeschlossen. Grund zum Feiern sahen sowohl die Gemeinde wie auch das Unternehmen.

Mit dem biblischen Kampf von David gegen Goliath ist der Streit von Gerstungen gegen den Kalikonzern K+S oft verglichen worden. Ein Jahrzehnt lang, von 2007 bis 2017, hatte die Gemeinde in Westthüringen versucht, die Laugenversenkung des Werks Werra an der hessisch-thüringischen Landesgrenze juristisch zu verhindern. Sie sorgte sich um ihr Grundwasser, stellte immer wieder erhöhte Salzkonzentrationen in ihren Brunnen fest. Zwei der damals fünf Brunnen hätten nicht voll genutzt werden können, sagt der langjährige Leiter der Gemeindewerke Gerstungen, Ulf Frank. Deshalb habe man "auch mit harten Bandagen gestritten".

Trinkwasser-Hochbehälter-Anlage in Gerstungen
Der Hochbehälter oberhalb von Gerstungen wurde deutlich erweitert. Er hat sein Volumen vervierfacht, von 300 auf 1.200 Kubikmeter. Die neuen Speicher befinden sich hinter den Metalltüren. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Stillschweigen über genaue Summe

Im Sommer 2017 brachte der damals neue K+S-Vorstandschef Burkhard Lohr Bewegung In die verhärteten Fronten. Er wollte den langen Streit beenden, suchte Rechtssicherheit für das Unternehmen. Ein halbes Jahr lang wurde verhandelt, dann ein Vergleich gefunden: K+S unterstützte die Trinkwasserversorgung der Gemeinde mit einem einstelligen Millionenbetrag. Über die genaue Summe ist offenbar Stillschweigen vereinbart. Im Gegenzug zog die Gemeinde ihre Klagen zurück, die bis dahin keinen nennenswerten Erfolg verzeichnet hatten.

Hochbehälter stark vergrößert

Am Montagmittag trafen sich die einstigen Verhandler erneut - an einem Hochbehälter oberhalb der Gemeinde. Zum Abschluss des Investitionsprojektes gab es Sekt, Schnittchen und Bratwurst. Der Hochbehälter war als letzter Teil des Pakets deutlich erweitert worden, kann jetzt die vierfache Menge Wasser bereithalten, 1.200 statt bisher 300 Kubikmeter. Damit lassen sich Havarien oder Reparaturen leichter überbrücken. Außerdem hat die Gemeinde in den vergangenen Jahren neue Brunnen und viele Verbindungsleitungen gebaut, auch in den neuen Ortsteilen der inzwischen vergrößerten Kommune.

Vertreter von Gerstungen und von K+S bei der Einweihung des Investitionsprojekts Trinkwasser-Hochbehälter in Gerstungen
Erst verhandelt, nun den Abschluss gefeiert: der langjährige Leiter des Gemeindewerks Ulf Frank, Bürgermeisterin Sylvia Hartung, K+S Vorstandschef Burkhard Lohr, Martin Ebeling, Leiter des K+S-Werks Werra und Jens-Christian Keuthen, Chefjurist K+S (v.l.n.r.) Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Auf Jahrzehnte gesichert

"Die Gemeinde Gerstungen geht davon aus, dass die Trinkwasserversorgung aus eigenen Dargeboten für die nächsten Jahrzehnte gesichert ist", sagt Ulf Frank, der gerade in Ruhestand gegangen ist. Er weist darauf hin, dass die umstrittene Laugenversenkung in den Untergrund seit diesem Jahr nicht mehr erlaubt ist. Dadurch kämen keine neuen "Versalzungsfronten" auf die Gemeinde zu, sagt Frank.

Kein Spatz in der Hand

Für Gerstungen hatte die scheidende Bürgermeisterin Sylvia Hartung (parteilos) den Vergleich ausgehandelt. War das Ergebnis der Spatz in der Hand? Nein, sagt sie. Alleine hätte sich die Gemeinde die Trinkwasser-Bauvorhaben nicht leisten können, hätte sie auf die Bürger umlegen müssen. Nun hätten alle gutes Wasser zu einem guten Preis. "Das ist kein Spatz in der Hand, sondern eine optimale Lösung", sagt Hartung. Und auch Anwalt Alexander Reitinger, der die Gemeinde lange im Konflikt mit K+S vertreten hat, ist überzeugt: vor Gericht wäre selbst im besten Fall auch nicht mehr drin gewesen, die Gemeinde habe ihr Ziel erreicht.

Die Bürgermeisterin von Gerstungen, Sylvia Hartung
Die scheidende Bürgermeisterin von Gerstungen, Sylvia Hartung, hatte 2017 mit dem K+S-Vorsitzenden den Vergleich ausgehandelt: "eine optimale Lösung". Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Gerichtsstreit war teurer

Und auch K+S-Chef Burkhard Lohr kann dem damaligen Vergleich im Nachhinein viel Gutes abgewinnen. Sicher, das Unternehmen habe einen mittleren einstelligen Millionenbetrag gezahlt. "Aber das haben wir gerne gemacht, denn die zehn Jahre davor haben uns ohne irgendwelche Ergebnisse höhere Kosten gebracht - Streitkosten." Ein Gewinn sei das Ende des Streits gewesen, so Lohr, aber nicht nur das: "Im Nachhinein hat das mir auch viele Türen in der Politik geöffnet, um ähnliche Gespräche führen zu können."

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MDR (rub/dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 27. Juni 2022 | 18:40 Uhr

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