"Parkettleger on tour" Profis verlegen im Urlaub Tafelparkett im Schloss Altenstein

Großeinsatz für ein gemeinnütziges Projekt: 22 Handwerker verlegen in einer Woche rund 200 Quadratmeter Holzboden im Schloss Altenstein. Sie gehören zum Verein "Parkettleger on Tour“, der sich einmal im Jahr zu einer solchen Aktion trifft. Dafür nehmen die Mitglieder extra Urlaub und arbeiten unentgeltlich. Sie werben damit für ihr Handwerk, treffen Gleichgesinnte und können ihrer Leidenschaft nachgehen: ihr besonderes Können zeigen und nicht-alltägliche Böden bauen.

Gut, dass Schloss Altenstein innen noch weitgehend im Rohbau ist: Es gibt reichlich Platz für die 22 Parkettleger, ihre zahlreichen Sägen und Fräsen und das Material.

Aus ganz Deutschland sind sie in den Wartburgkreis gekommen, um eine Woche lang in zwei Räumen Holzböden einzubauen, insgesamt rund 200 Quadratmeter. In kleinen Gruppen haben sie die Arbeit organisiert. Ganz präzise zuschneiden, Nut und Feder fräsen, wie ein Puzzle Teile zusammensetzen und verleimen. Immer erklingt irgendwo eine Säge, ruhig, aber zügig kommen die 20 Männer und zwei Frauen voran.

Zwei Handwerker verlegen Parkett-Boden.
Präzisionsarbeit in den Ecken: Auch an den Wänden des historischen Speisesaals muss alles ganz genau passen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Anstoß durch Peter-Maffay-Stiftung

"Parkettleger on Tour" ist ein Verein. Jedes Jahr treffen sich Mitglieder, um eine Woche lang ein gemeinnütziges Projekt voranzubringen. Die Idee dazu hatte Ernst Müller, den mehrere Generationen von Parkettleger-Meistern als Leiter der Meisterschule in Ehingen in der Nähe von Ulm kennen.

Er hatte zunächst für die Berufsausbildung praktische Projekte in der Umgebung gesucht. Dann hatte ihn die Peter-Maffay-Stiftung für ein Vorhaben in Rumänien angesprochen - so entstand letztlich die Idee für die "Parkettleger on tour".

Peter Maffay umringt von Kindern
Die Peter-Maffay-Stiftung war Inspiration für die Gründung des Vereins "Parkettleger on Tour". Bildrechte: dpa

Leidenschaft für den Beruf

Wichtig war, auch die Industrie dafür zu gewinnen, das Material zu bezahlen, sagt Ernst Müller. Mangel an interessierten Mitstreitern gibt es nicht: "Wir haben so viele Leute, die Spaß haben an unserem Beruf, aber selten Möglichkeiten, solche Sachen zu bauen."

Zu zeigen, was möglich ist, was für Boden sich mit Holz bauen lässt, mit Motiven, optischen Effekte, das interessiert viele, dafür nehmen sie sich auch mal eine Woche Urlaub und arbeiten unentgeltlich.

Ein Handwerker Schneidet Parkett zurecht.
Vereinsschef Ernst Müller setzt die exakt zugeschnittenen Teile mit Nut und Feder zu Tafeln zusammen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Mehr als Landhausdielen

"Die meisten Kunden kennen nur Landhausdielen oder Einzelstab", sagt Sven Grunwald aus Leipzig, "dabei kann man noch viel schönere Dinge aus Holz machen." Er sei "aus Leidenschaft" dabei, liebe seinen Beruf.

Andere nennen als erstes die Zusammenarbeit mit Kollegen aus ganz Deutschland, das Netzwerk, das weiterhilft. Voneinander lernen, miteinander arbeiten. Auch eine Auszubildende im ersten Lehrjahr ist dabei. Gleichzeitig ist die Aktion auch Werbung für ein besonderes Handwerk und seine Produkte.

Sterne aus Eichenholz, Iroko, Esche

Mit so vielen Profis geht die Arbeit schnell voran: im einstigen Speisesaal haben sie bereits nach drei Tagen mehr als die Hälfte des großen Raums mit Tafelparkett belegt. Dafür gab es historische Vorlagen und klare Vorstellungen der Denkmalpflege.

In einem zweiten Raum können die Parkettleger nach eigenen Vorstellungen arbeiten. Sie lieben es, ihr Handwerk auszureizen und sehr aufwändige Muster auszuprobieren. Sven Grunwald hat diesen Raum entworfen, der später für Ausstellungen genutzt werden soll: zehn große und kleine Sterne sollen dort zu sehen sein, aus Eichenholz, Iroko und Esche. Die großen liegen schon, die ersten kleinen sind im Nachbarraum zumindest vorgefertigt.

Verschiedene Parktett-Teile liegen auf dem Boden.
Einen weiteren Raum dürfen die Parkettverleger nach eigenen Vorstellungen aufwändig gestalten – mit großen und kleinen Sternen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Sanierungsobjekt Schloss Altenstein

Dass Schloss Altenstein von den "Parkettlegern on Tour" profitiert, ist Steven Klose zu verdanken. Der Handwerksmeister aus dem sächsischen Dahlen hatte im vergangenen Jahr Verwandtschaft in der Nähe von Eisenach besucht - und dabei auch einen Ausflug zum Altensteiner Park als Buga-Außenstelle unternommen.

Das Schloss war vor 40 Jahren vollständig ausgebrannt und diente lange Zeit lediglich als Kulisse. Seit einigen Jahren restauriert es die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Schritt für Schritt. Weil es innen noch unfertig ist, fand Klose, das Schloss sei ein gutes Objekt für seinen Verein: "Außen schon Hui und innen bald auch Hui!" Sein Anliegen sei es, die Innenräume bald wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, etwas anzustoßen, sagt Klose.

Plan von Schloss Altenstein
Das ist der Plan für das Tafelparkett im früheren Speisesaal - nach historischen Vorlagen und in Abstimmung mit der Denkmalpflege. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Großes Geschenk für die Stiftung

Für die Stiftung ein großes Geschenk: auf rund 150.000 Euro beziffert der Verein den Wert von Material und Arbeit dieser Woche, allein die Hälfte für das Holz. Im Gegenzug kommt die Stiftung für Kost und Logis der Handwerker auf.

Schlossverwalterin Susanne Rakowski freut sich sehr über die unerwartete Hilfe, die nicht nur Kosten spart, sondern auch den Innenausbau beschleunigt - und das Schloss verschönert. Am kommenden Samstag können sich Interessierte bei einem Tag der offenen Tür auf dem Altenstein selbst ein Bild machen.

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 13. Juni 2022 | 15:00 Uhr

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