Zwangspause beendet Produktion bei Opel in Eisenach wieder angelaufen

Drei Monate war Zwangspause bei Opel in Eisenach. Viele der 1.300 Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit und blieben zu Hause. Schuld war der Chipmangel, der die ganze Branche betrifft. Noch vor Wochen fürchteten viele Beschäftigte, ihr Werk könnte für immer schließen. Im Werk wurde indes hier und da renoviert und investiert. Am Donnerstag ist nach zahlreichen Vorarbeiten die Fertigung wieder angelaufen. Um die 25 Fahrzeuge pro Stunde könnten es bald wieder in zwei Schichten werden.

Mit Elektromotor und Verbrenner rollt der erste Opel Grandland am Donnerstagmorgen in Eisenach vom Band. Zum Startschuss ist neben Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gekommen. Es werden ein paar freundliche Fotos gemacht, dann geht es zum Gespräch hinter verschlossenen Türen.

Denn der feierliche Anlass täuscht ein wenig hinweg über die schwierige Kommunikation von Opel und der Konzernmuttern Stellantis in den vergangenen Monaten. Mehrfach hatte es wegen fehlender Halbleiter-Teile Kurzarbeit gegeben im vergangenen Jahr. Ende September hieß es dann praktisch von heute auf morgen: Bis Jahresende ruht die Fertigung ganz.

Beschäftigte kalt erwischt

Damit habe das Unternehmen Arbeiter und Betriebsrat kalt erwischt, sagt der Eisenacher Betriebsratschef Bernd Lösche:

Bernd Lösche, Betriebsratschef von Opel in Eisenach
Bernd Lösche, Betriebsratschef von Opel in Eisenach Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Das hat eine ganze Menge an Ängsten bei den Beschäftigten ausgelöst und diese Ängste, die waren nicht ganz unbegründet. Wenn man kalte dunkle Werkhallen sieht, dann ist das ja keine positive Zukunftsaussicht. Und das Management hat ja zu dem Zeitpunkt nicht gesagt, was sie mit dem Werk vorhaben.

Bernd Lösche Betriebsratschef im Opel Werk Eisenach

Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz selbst will mit dem MDR nicht sprechen. Er freut sich laut Pressemitteilung der Firma vom Donnerstag aber sehr darüber, dass das runderneuerte Modell ab Februar bei den Kunden ankommen soll. Zudem gibt es hier Lob für die Eisenacher Mannschaft:

Der SUV Grandland X wird im Opel-Werk Eisenach montiert
Der SUV Grandland X wird im Opel-Werk Eisenach montiert. Bildrechte: dpa

Das Team hat trotz vieler pandemiebedingter Einschränkungen einen fantastischen Job gemacht. Mit dem neuen Grandland schlagen wir ein weiteres Kapitel der erfolgreichen Geschichte des Werkes auf.

Uwe Hochgeschurtz Opel-Chef

Das "Opel-Flaggschiff" werde in Eisenacher Top-Qualität ausgeliefert. Nach dem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten rollt der Opel-Chef gen Rüsselsheim. Dass die Auftragsbücher des Werks jetzt voll sind, sagt dann Ramelow den wartenden Reportern. Was das genau heißt – 100.000 oder 200.000 Fahrzeuge? Konkret dürfe er das nicht verraten, aber: "Ich kann sagen, dass die Zahlen von Ihnen niedriger sind als die, die ich gehört habe."

Elektrische Opel-Zukunft gut für Thüringen?

Ramelow zeigt sich erfreut, dass das Unternehmen die gestoppte Produktion genutzt habe, ins Werk zu investieren. Damit werde der Standort effizienter. Eisenach könne aus seiner Sicht in der elektromobilen Zukunft eine bedeutende Rolle im Stellantis-Konzern spielen. Immerhin soll Opel bis 2028 rein elektrisch werden.

Da haben wir Teile und Komponenten, die wir aus Thüringer Produktion zuliefern können. Die wir auf viel kürzeren Wegen hier ins Werk bringen können.

Bodo Ramelow Ministerpräsident

Dass sagt der Ministerpräsident unter anderem mit Blick auf die Batterieforschung und das im Aufbau befindliche CATL-Batteriewerk am Erfurter Kreuz. Ramelow wirkt dabei selbst fast wie ein Marketing-Spezialist.

Und wenn Opel vor Ort Batteriemodule zusammenbauen wolle, gebe es rund um das Opel-Gelände noch Flächen, die dafür geeignet seien. Einige hatte das Land von Opel übernommen, als das Unternehmen 2017 vom französischen Autokonzern PSA übernommen wurde, der heute in Stellantis aufgegangen ist. Fiat, Chrysler, Peugeot, Citroën und andere Marken gehören zum Unternehmen.

Gewerkschafter noch skeptisch

Uwe Laubach blickt etwas bodenständiger auf die Lage als Ramelow. Der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Eisenach kümmert sich schon lange um Opel in Westthüringen und spricht mit einer gewissen Skepsis:

Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was im Tarifvertrag vereinbart ist und wie der Unternehmer agiert hat. Anfang Oktober ist über Nacht verkündet worden, dass die Produktion bis Jahresende eingestellt werden sollte. Eine Woche später kam dann zusätzlich die Ankündigung, Opel Eisenach möglicherweise ausgliedern zu wollen.

Uwe Laubach IG Metall Eisenach

Das habe die Menschen verunsichert. Er findet, jetzt müsse die Fertigung erstmal in geordneten Bahnen laufen und nicht ständig unterbrochen werden. Bis die Fertigung wieder stabil läuft, dauert es aber ein paar Tage.

Schrittweise wird jetzt hochgefahren. "Hier müssen ja Handgriffe wieder trainiert, Abläufe neu eingeübt werden", sagt Betriebsratschef Lösche. Immerhin: "Die Mitarbeiter sind froh, wieder arbeiten zu können. Es wird was produziert, es sind wieder Menschen da."

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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