Natur Waldumbau: Warum am Rennsteig hohe Baumstümpfe stehen bleiben

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Unser Wald verändert sich. Fichten sterben, ganze Hänge sind kahl und müssen aufgeforstet werden. Im westlichen Thüringer Wald bleiben jetzt zwei Meter hohe Baumstümpfe stehen. Sie sollen junge Bäume schützen, die direkt zwischen ihre Wurzeln gepflanzt werden sollen. Selbst tote Bäume können der nächsten Waldgeneration noch nützen.

Zwei Menschen stehen in einem Wald.
Hier sind tote Fichten gefällt worden - Forstamtsleiter Ansgar Pape und Revierleiterin Ariane Rudloff schauen sich den Einschlag an einem Waldweg nahe des Rennsteigs an. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Mitten im Hochsommer überzieht ein frühlingsgrüner Hauch den Rennsteig bei Ruhla im Wartburgkreis. Ein Teppich aus Fichtennadeln, Todesboten: In den Bäumen ringsherum arbeitet überall der Borkenkäfer, sagt Forstamtsleiter Ansgar Pape, selbst wenn sie jetzt noch grün aussehen.

Das vierte Jahr schon kämpfen sie gegen den Käfer und Pape fragt nun: "Macht es noch Sinn, noch mehr Kahlflächen zu schaffen, noch mehr Gift in den Wald zu bringen oder müssen wir jetzt umsteuern auf die neue Waldgeneration? An dem Punkt sind wir jetzt gerade hier."

Hier: Das ist eine Höhenlage im westlichen Thüringer Wald, in der der Fichte kaum Zukunftschancen eingeräumt werden. Dort werden jetzt neue Wege ausprobiert für den Waldumbau.

Pflege von Jungbäumen ist einfacher

Einer dieser Wege heißt "Stockachselpflanzung" und sieht gewöhnungsbedürftig aus: Die toten Fichten werden in etwa zwei Metern Höhe abgeschnitten. Dicht an die hohen Stümpfe, zwischen die Wurzeln, werden demnächst junge Bäume gepflanzt, und zwar auf die Wetterseite.

Der Regen läuft dann den verbliebenen Stamm hinunter und versorgt den Jungbaum mit mehr Wasser als er sonst bekäme. Der Stumpf schützt außerdem vor Hitze und Sonne. Wenn die Wurzel des toten Baums verrottet, gewinnt der junge Baum Nährstoffe. Auch können Greifvögel den Baumrest als Ansitz nutzen, um Mäuse zu jagen.

Ein Mann steht neben einer Fichte.
Forstamtsleiter Ansgar Pape zeigt, wo und wie tief die Jungbäume bei der sogenannten "Stockachselbepflanzung" gesetzt werden müssen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Ariane Rudloff, Leiterin des Forstreviers Etterwinden, sieht einen weiteren Vorteil: Die Pflege der Jungbäume ist einfacher. An den markanten Stubben seien sie viel leichter wiederzufinden als auf großen Kahlflächen, sagt sie. Dort sei das ein echtes Problem, weil alles andere schneller wächst als die Bäumchen.

Fichten werden aus Sicherheitsgründen entfernt

In ihrem Revier hat Rudloff entlang der befestigten Waldwege 30 Meter tief tote Fichten entfernen lassen, allein schon aus Sicherheitsgründen, um Wanderer und Forstleute zu schützen. Auf diesen Streifen stehen viele Zwei-Meter-Stubben. Die finden sich auch auf der Waldfläche dahinter.

Abgesägte Baustümpfe in einem Wald
Ungewohntes Waldbild: Ein Teil der Bäume wurde in zwei Metern Höhe abgeschnitten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Dort wurden tote oder absterbende Fichten geerntet, einige aber dürfen stehen bleiben. Auch sie sind noch nützlich für die nächste Waldgeneration, sagt Forstamtsleiter Pape. Stehende Bäume bieten Windruhe, Wanderschatten, Schutz vor Hitze und - bei Starkregen - selbst vor Erosion.

Allee aus Laubbäumen am Rennsteig

Das Waldbild ändert sich. Zum Glück, sagt Ansgar Pape, besteht der Wald in Westthüringen nur zu einem Drittel aus Fichten, auf 40 Prozent der Flächen stehen bereits junge Bäume. Entlang des Rennsteigs soll im Frühjahr eine Allee aus Laubbäumen wie Bergahorn und Winterlinde gepflanzt werden.

Kranke Fichten in einem Wald.
Inzwischen ein gewohntes Bild: Graue Bäume im Hochsommer. Die Fichten sterben auf großen Flächen ab. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die sollen später aussamen und so Mischbaumarten auf natürliche Weise weiterverbreiten. "Unseren Optimismus", sagt Pape, "müssen wir aus der neuen Waldgeneration schöpfen - und uns nicht mehr an den toten Bäumen unseren Frust holen."

Aber die Aufgabe ist groß. Und ob die neuen Wege zum Ziel führen, werden erst spätere Menschengenerationen beurteilen können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 28. Juli 2021 | 14:30 Uhr

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