Unternehmen Thüringer Wirtschaft im Krisenmodus: Konjunkturelle Unsicherheit wächst

Thüringer Unternehmen sehen schwierige Monate auf die Wirtschaft zukommen. Preisexplosionen und der Krieg in der Ukraine - vor diesem Hintergrund zeigt sich nur jede siebte Firmenführung noch zuversichtlich. So sehen es die Konjunkturumfragen der drei Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHK). Diese fordern daher eine maximale Nutzung von EU-Notfallzahlungen.

Produktion von BOROFLOAT® Spezialfloatglas bei SCHOTT in Jena.
Fast 90 Projent der befragten Unternehmensführungen sehen steigende Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Schott

Die Hoffnung auf einen schnellen Aufschwung mit Ende der Corona-Beschränkungen ist in der Thüringer Wirtschaft verpufft. Während eine Mehrheit der Unternehmen ihre aktuelle Lage noch mit gut oder befriedigend bewertet, rechnen viele in Zukunft mit stärkeren Beeinträchtigungen durch Lieferengpässe und hohe Energiepreise. Das ergaben Konjunkturumfragen der drei Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHK), die am Donnerstag veröffentlicht wurden.

Krieg, Preisexplosionen und Chinas Null-Covid Strategie

Die wirtschaftliche Erholung sei ausgebremst, die Liste der Konjunkturrisiken werde länger, erklärte beispielsweise die IHK Erfurt. Der Krieg in der Ukraine, die Preisexplosion bei Energie und Rohstoffen sowie die Null-Covid-Strategie in China drückten die Stimmung der Unternehmer, berichtete die Kammer in Ostthüringen.

Und die IHK Südthüringen ergänzte: "Die Geschäftslage ist so gut wie zuletzt vor drei Jahren, doch für viele Unternehmen sind die nächsten Monate schwer absehbar". Große Sorgen gebe es wegen der Gefahr von Arbeitsplatzverlusten in der energieabhängigen Thüringer Glasindustrie.

Nur 14 Prozent erwarten Verbesserung

Konkret bewerten branchenübergreifend 77 Prozent der Firmen, die im Frühjahr 2022 an den Konjunkturumfragen der drei Kammern teilnahmen, ihre aktuelle Geschäftslage eher positiv. Lediglich 14 Prozent erwarteten in den nächsten Monaten eine Verbesserung der Situation. 43 Prozent rechneten mit einer ungünstigeren Entwicklung.

Als größtes Risiko sähen 87 Prozent der befragten Firmenchefs stark steigende Energie- und Rohstoffpreise, gefolgt von Fachkräftemangel und einer Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit jeweils 58 Prozent.

Kaum Investitionen und Belastung durch Fachkräftemangel

Die allgemeine Unsicherheit spiegelt sich ebenso bei künftigen Investitionen wider. So will nur knapp jeder fünfte Firmenchef sein Budget erweitern - 46 Prozent planen weniger oder kein Geld in die Hand zu nehmen. Auch der Mangel an Fachkräften belastet die Thüringer Unternehmen. Drei Viertel aller Unternehmen wollen an ihrer Stammbelgschaft festhalten - 13 Prozent ihr Personal sogar aufstocken. Nur etwa jeder zehnte Firmenchef will Angestellte entlassen.

Forderung nach Nutzung von EU-Notfallzahlungen

"Die Wirtschaft bleibe vorerst im Krisenmodus", bewertete die IHK Erfurt die Ergebnisse der Konjunkturumfrage. Gefordert werde daher unter anderem eine maximale Nutzung der EU-Möglichkeiten für Notfallzahlungen wegen hoher Energiepreise. Überfällig sei außerdem eine Absenkung der Stromsteuer in Deutschland auf das EU-Mindestniveau.

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MDR (dst)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGENJOURNAL | 12. Mai 2022 | 19:10 Uhr

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