Litauen, Lettland, Estland Mehr als Baden und Radeln - Urlaub im Baltikum

Thomas Mann wusste es, als er sich sein Haus mit dem "Italienblick" in Nida im heutigen Litauen errichten ließ: Die Ostsee im Baltikum eignet sich gut für Erholungssuchende. In den Sommermonaten Juli und August verwandeln sich die kleinen Strandbäder Nida in Litauen, Jūrmala in Lettland oder Pärnu in Estland in die heimlichen Hauptstädte der drei baltischen Länder. Doch auch im Landesinneren und in den Metropolen lässt es sich gut den Sommer verbringen.

Blicka auf den Ostseestrand in Litauen
Lange fast menschenleere Küstenabschnitte finden Naturliebhaber im Baltikum Bildrechte: Markus Nowak/MDR

Der Bibelspruch von den Letzten, die die Ersten sein werden, passt in abgewandelter Form auch für die baltischen Staaten: Je kleiner das Land im nordöstlichen Zipfel der EU, desto länger ist der Küstenabschnitt. Litauen, nur etwas kleiner als Irland, zählt 90 Küstenkilometer. Lettland, das nur wenig kleiner ist, hat bereits stolze 500 Kilometer. Und Estland, flächenmäßig etwa so groß wie Niedersachen, hat sogar knapp 3.000 Kilometer Küste. Darin eingerechnet sind allerdings tausende Inseln, von denen die allerwenigsten bewohnt werden. Die drei baltischen Staaten werden wegen der Nachbarschaft zur Ostsee zwar mit Badeurlaub assoziiert, doch Wasserratten sollten sich besser "warm anziehen", wenn das beim Baden möglich ist: Die Ostsee wird so weit im Norden nur selten über 20 Grad warm. Und dennoch zieht es in die Badeorte entlang der Küste jedes Jahr Hunderttausende, Einheimische und internationale Gäste.

Ostseestrand in Estland
Trotz kühler Ostsee zieht es Hunderttausende an die Badestrände Bildrechte: Markus Nowak/MDR

Auf den Spuren der deutschen Vergangenheit

In Nida suchen häufig Deutsche nach der naturnahen Erholung - wie auch Thomas Mann Anfang der 1930er Jahre - oder wandern heute auf den deutschen Spuren des einst zu Ostpreußen gehörenden Landstrichs. Nicht wenige kommen sogar auf dem Fahrrad über Kaliningrad und die Kurische Nehrung hierher. Beliebt sind aber auch Ostseekreuzfahrten, die in Klaipėda, dem einstigen Memel, anlegen und Tagesausflüge über das Haff anbieten. Von den zwei Millionen Litauen-Besuchern im Vorpandemiejahr 2019, stammte mehr als jeder Zehnte aus Deutschland.

Radfahrer fährt durch Wald
Auch Radfahrer kommen im Baltikum auf ihre Kosten Bildrechte: Markus Nowak/MDR

Beliebt ist auch die Hauptstadt Vilnius, die es mit ihrer Unesco-prämierten Altstadt in viele Filmproduktionen geschafft hat. Unweit der Stadt im Osten Litauens finden sich auch ein Großteil der rund 2.000 Seen des Landes, ein Muss bei Städtereisen nach Vilnius ist daher ein Ausflug zur 30 Kilometer entfernten Wasserburg Trakai, einem beliebten Postkartenmotiv. Kaunas dagegen wird oft touristisch vernachlässigt. Zu Unrecht, denn die zweitgrößte Stadt des Landes liegt - gerade im Sommer ideal - an einem Stausee und den Zuflüssen der beiden Flüsse Memel und Neris. Nächstes Jahr wird Kaunas übrigens europäische Kulturhauptstadt - damit touristisch noch interessanter.

Wenn es um Kulturgeschichte mit deutschen Bezügen geht, so ist Riga kaum zu übertreffen. Die Hauptstadt Lettlands wurde im Jahre 1201 von Bischof Albert von Buxhoeveden aus Bremen gegründet. Die Bremer Stadtmusikanten stehen heute symbolisch für die Verbindung zur Partnerstadt an der Weser in der Rigaer Altstadt. Hier sind oft auch skandinavische Sprachen zu hören: Wegen der regelmäßigen Fährverbindungen und der günstigen Preise ist Riga etwa bei schwedischen Touristen beliebt.

Blick auf die lettische Stadt Riga
Die lettische Hauptstadt Riga hat für geschichtsinteressierte Besucher viel zu bieten Bildrechte: Colourbox.de

Metropolen, mondäne Badeorte und historische Altstädte

Obwohl die Rigaer Bucht nach der ehemaligen Hansestadt benannt ist, liegt die 650.000-Einwohner-Metropole nicht unmittelbar an der Ostsee, sondern am Unterlauf der Düna. Wer baden will, kann das zwar am Stadtstrand auf der Düna-Insel Ķīpsala tun. Die meisten Rigaer fahren aber lieber eine halbe Stunde mit dem Auto nach Jūrmala, in die "Badewanne Rigas". Das Küstenstädtchen war schon im 19. Jahrhundert, als es noch Riga-Strand hieß, ein mondäner Badeort, der gern vom russischen Adel oder der deutschbaltischen Oberschicht besucht wurde.

Blick Riga mit Brücke im Vordergrund
Der Rigaer Stadtstrand auf der Düna-Insel Ķīpsala Bildrechte: Markus Nowak/MDR

Von den deutschen Touristen wird man in Jūrmala nur wenig bemerken. Die meisten genießen die unberührte Natur: Im Osten unzählige Seen, im Westen und Norden die endlose Küste, oder machen einen Abstecher in eines der pittoresken Städtchen: Etwa nach Cēsis, das für sein Bier, seine Architektur und viele Legenden bekannt ist. Oder sie fahren nach Kuldiga, das wegen der unberührten Altstadt immer wieder als Kulisse von Historienfilmen dient.

Mit dem Wohnwagen unterwegs

Beliebt ist Lettland außerdem bei Wohnwagenreisenden, denn anders als in Litauen ist das wilde Campen explizit nicht ausgeschlossen, sondern hängt von der einzelnen Region ab. Wer sein Zelt nicht irgendwo in der freien Natur aufschlagen will, hat 125 Campingplätze zur Auswahl. Für alle, die es bis ganz in den nordöstlichsten Zipfel der EU geschafft haben, bietet Estland mit rund 150 Campingplätze noch mehr "Stellfläche" für den Wohnwagen, wobei das "wilde Zelten" auch hier erlaubt ist. Allerdings sind es etwa von Leipzig nach Pärnu, den beliebtesten estnischen Badeort, fast 1.600 Kilometer - also weiter als an die Côte d’Azur.

Wohnwagen im Rückspiegel
Auch für Camper ist in den baltischen Ländern eine gute Infrakstruktur vorhanden Bildrechte: Conrad Weigert/MDR

So weit im Norden mag das Wasser zwar nicht so warm sein wie am Mittelmeer, doch dafür gibt es menschenleere Strände. Das ist gerade für Badeurlauber, denen die polnische Ostseeküste zu voll ist, eine Alternative. Die meisten Touristen kommen ohnehin mit dem Flugzeug: Alle drei baltischen Hauptstädte werden inzwischen regelmäßig von Billigairlines angeflogen. Gemeinsam stehen sie auf der Unesco-Weltkulturerbeliste, und bieten Städtereisenden viel Architektur und Kultur. Tallinn hat dabei allerdings einen entscheidenden Vorteil: Einen direkten Meerzugang. Also Badehose einpacken.

Ostseestrand in Estland
Fast menschenleere Strände wie hier, sind woanders in Europa kaum zu finden Bildrechte: Markus Nowak/MDR

Aktuelle Reiseinformationen Wegen der niedrigen Inzidenzzahlen in Deutschland ist die Einreise in alle baltischen Staaten möglich, eine Quarantänepflicht besteht nicht. Auch gelten die drei Länder nicht mehr als Risikogebiete, so dass bei der Rückkehr keine Quarantänepflicht besteht. Reisende mit einem Covid-Pass (für Genesene oder Geimpfte) haben weitgehende Bewegungsfreiheit:

Bei der Einreise nach Estland gibt es derzeit von Deutschland aus keine Beschränkungen, aktuelle Informationen unter https://www.visitestonia.com/en/why-estonia/coronavirus-and-travelling-to-estonia

Bei der Einreise nach Lettland entfällt für Geimpfte und Genesene die Testpflicht, eine Anmeldung der Einreise ist hier erforderlich: https://covidpass.lv/en/

Ähnliche Regeln hat Litauen, mehr Infos hier: https://www.lithuania.travel/en/news/covid-19-in-lithuania-information-for-tourists#chart

Osteuropa

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell Radio | 28. April 2021 | 10:15 Uhr

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