Corona Warum Rumänien Corona-Impfstoffe an Dänemark verkauft

Rumänien hat unlängst mehr als eine Million Dosen von Corona-Impfstoffen an Dänemark verkauft. Sind die Rumänen etwa schon alle geimpft? Oder ist das osteuropäische Land in die Impfstoffproduktion eingestiegen?

Kiste mit Impfstoff wird entladen.
Rumänische Militärangehörige verladen Coronaimpfstoff Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Rumänien gehört zu den Schlusslichtern in der EU, was die Zahl der Impfwilligen angeht. Erst rund ein Viertel der Bevölkerung hat sich bislang gegen das Coronavirus immunisieren lassen.

Doch nicht nur bei der Corona-Schutzimpfung zögert die Mehrheit der Rumänen. Statistiken der Weltgesundheitsbehörde WHO belegen, dass das Land auch bei der Grippeschutzimpfung deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt. So lassen sich jährlich nur acht Prozent der über 65-Jährigen gegen Influenza impfen, der EU-Durchschnitt fällt mit 44 Prozent mehr als fünfmal höher aus.

Doch Gesundheitsvorsorge, zu der der Impfschutz nun einmal gehört, ist für viele Rumänen ein Fremdwort – vor allem in den ländlichen Gegenden. Um einen Facharzt aufzusuchen, müssten sie in die Großstadt fahren. Vielen fehlt bei einer monatlichen Mindestrente von umgerechnet 150 Euro das Geld für die Fahrt, ebenso für die Medikamente – vom Bakschisch, das viele Ärzte immer noch erwarten, ganz zu schweigen.

Reformen versprochen, aber nicht erfüllt

Noch im Frühjahr stand das rumänische Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps angesichts der über 1.000 Corona-Intensivpatienten. Die Regierung hatte deshalb auf eine hohe Impfquote gehofft, um die Intensivstationen wieder dauerhaft entlasten zu können. Doch viele Rumänen misstrauen Kampagnen, die staatlich gelenkt sind. Denn seit gut drei Jahrzehnten versprechen die wechselnden Regierungen tiefgreifende Gesundheitsreformen und vor allem die Sanierung von Krankenhäusern. Geschehen ist wenig, gewachsen ist dagegen die Politikverdrossenheit.

Armee hat das Kommando übernommen

Um der staatlichen Impfkampagne mehr Vertrauen einzuflößen, wird sie nicht vom Bukarester Gesundheitsministerium geführt, sondern die rumänische Armee hat das Kommando übernommen. Oberster Chefkoordinator ist der Militärarzt Valeriu Gheorghita. Bei seiner Pressekonferenz zum Stand der Impfkampagne tritt der Oberstleutnant wöchentlich nicht in Anzug vor die Medien, sondern in Uniform. Das strahlt Disziplin, Strenge, aber auch ein Gefühl von Ausnahmezustand aus. Die Armee genießt in der Bevölkerung hohes Ansehen, ganz anders als Regierung und Parlament, die in Umfragen immer abgeschlagen auf den letzten Rängen landen.

Mobile Impfteams für kleine Ortschaften

Im Januar wurden im gesamten Land zahlreiche Impfzentren eröffnet, schon im März hob die Regierung die Priorisierung auf, damit die Impfkampagne nicht an Fahrt verlieren würde – jedoch vergeblich. Weniger als 10.000 Menschen erhalten derzeit in dem gut 19 Millionen Einwohner zählendem Land eine Erstimpfung. Im Vergleich dazu: Mitte April waren es täglich noch über 55.000 Menschen. Impfstoff ist ausreichend vorhanden, auch könnten mobile Impfteams in jede kleine Ortschaft fahren, wenn es denn Impfwillige gebe.

Impfdosen weiter verkauft

Wegen der zuletzt stetig sinkenden Impfquote ist die rumänische Armee jetzt doppelt unter Druck. Sie muss nach Wegen suchen, die Impfbereitschaft wieder anzukurbeln, zur Not mit Prämien und Belohnungen. Zudem muss sie Abnehmer für die vielen überschüssigen Impfdosen finden, deren Haltbarkeit zeitlich begrenzt ist. Ende Juni verkaufte die Bukarester Regierung allein über eine Million Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer an Dänemark. Der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke kommentierte die Anschaffung freudig mit den Worten, dass mehr Dänen jetzt schnell geimpft werden könnten.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 17. Juli 2021 | 07:17 Uhr

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