Corona Kroatien: Ist die Urlaubssaison bald zu Ende?

In Kroatien läuft die Urlaubssaison gerade richtig gut, während andere Urlaubsregionen am Mittelmeer von Reisewarnungen ausgebremst werden. Doch wie lange kann das mit einer der niedrigsten Impfquoten in der EU gut gehen? Corona-Beschränkungen und umstrittene "Impfanreize" sollen das Infektionsgeschehen unter Kontrolle halten und die Saison so lang wie möglich ausdehnen. Teile der Tourismus- und Gastrobranche jedoch sind von den Maßnahmen der Regierung mehr als frustriert

Gäste werden im Cafe bedient.
Gastronomie in der kroatischen Hafenstadt Dubrovnik Bildrechte: imago images/Pixsell

Albert betreibt eine Bar in Dubrovnik und ist wütend. Und zwar über die neuen Maßnahmen, die der kroatische Corona-Krisenstab Anfang Juli angeordnet hat: "Wenn sie wirklich bei diesen Regeln bleiben, kann ich mein Lokal schließen" sagt Albert der Zeitung Jutarnji List. Neben Öffnungszeiten nur bis Mitternacht, dürfen Bars im Gegensatz zu Restaurants ihre Gäste nur draußen empfangen, und das ausschließlich am Tisch. Viele Kneipen in den engen Altstadtgassen von Dubrovnik haben draußen aber nur wenige Sitzplätze. Dann stehen die Gäste einfach oder sitzen wie bei Albert auf den Treppenstufen, die sich durch die Gassen den Hang hinauf schlängeln.

900.000 Urlaubsgäste zählt man in Kroatien dieser Tage. Das sind etwa ein Viertel so viele Menschen, wie das Land Einwohner hat. So macht die Tourismusbranche gute Umsätze und der kroatische Staat freut sich über die Steuereinnahmen. Während Deutschland für andere Länder am Mittelmeer Reisewarnungen ausgesprochen hat, blieb Kroatien seit dem verspäteten Saisonstart noch größtenteils davon verschont. Wie viele Gastronomen, so sehnen sich auch die Urlauber nach einem unbeschwerten Sommer. Für Barbesitzer Albert ist der aber ganz und gar nicht in Sicht: "Sie lassen einen einfach nicht arbeiten. Einen Schritt nach vorn, fünf zurück." Zudem wurden die Corona-Auflagen in einzelnen Küstengebieten wie der Region Zadar seit Anfang Juli wieder verschärft und nicht zurückgefahren.

Warnsignal an den kroatischen Tourismus

Dass sich das Pandemiegeschehen nicht an den Wünschen der Urlauber und der Tourismusbranche ausrichtet, zeigte sich bereits Mitte Juli, als sich die kroatische Küste "orange färbte". Wechselt die Farbe einer Urlaubsregion auf der Corona-Landkarte des ECDC (Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten) von Grün auf Orange, ist das ein erstes Warnsignal für Reisende. Die Karte zeigt eine Kombination aus 14-Tage-Inzidenz und positiven Corona-Tests an. Mitten in der Hochsaison, die vom 15. Juli bis 15. August dauert, bangt man nun in Kroatien, ob und wann sich die Adriaküste auf der ECDC-Karte rot verfärben könnte. Die Tourismus-Saison wäre damit praktisch beendet. Wird es Mitte August sein? Ende August? Oder erst im September?

Frau am Stran trinkt aus Wasserflasche.
Strandurlaub in Kroatien: Ist der Spaß bald vorbei? Bildrechte: imago images/Eibner

Die Corona-Regeln, die dem Barbetreiber in Dubrovnik wie Schikane vorkommen, sollen jedoch die Urlaubssaison retten und die dringend benötigten Einnahmen überhaupt möglich machen. Man steckt in einem Dilemma: So lange es noch geht, will man maximalen Umsatz machen. Gleichzeitig darf die Infektionslage nicht außer Kontrolle geraten. Von den kroatischen Behörden sind deshalb unablässig Appelle zu hören, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten: Abstand halten, Masken tragen, Menschenmengen meiden. Nicht zu vergessen, die dringende Empfehlung, sich impfen lassen.

Kroaten haben keine Lust auf Impfung

Tomislav Ivušić, der ein Lokal auf dem zentralen Platz von Dubrovnik betreibt, ist den Corona-Maßnahmen gegenüber deutlich aufgeschlossener als sein Kollege Albert. Ivušićs Lokal sei aber auch ideal gelegen und er habe sehr von den Regierungshilfen im vergangenen Corona-Jahr profitiert, räumt der Gastronom im Gespräch mit der Zeitung Slobodna Dalmacija ein. Allerdings ärgert sich Ivušić über viele seiner Landsleute: "Das Problem ist, dass sich die Leute hier nicht impfen lassen, wenn sie nicht verreisen oder ihre Arbeit nicht davon abhängt. Wegen solcher Leute werden wir am Ende nicht mehr arbeiten können und zum Schluss soll wieder der Staat an allem schuld sein. Es ist bedauerlich, dass es für einige kein Problem ist, zwei Liter Whiskey zu trinken, aber sich impfen zu lassen, ist eins."

Mit knappen 40 Prozent [Stand 29.07.2021] ist die Impfquote in Kroatien tatsächlich eine der niedrigsten in der EU. Am mangelnden Impfstoff gegen das Corona-Virus liegt das allerdings nicht. Man würde in 150 Jahren nicht alle vorhandenen Dosen aufbrauchen, wenn man im aktuellen Tempo weiter impfen würde, kommentierte Kroatiens konservativer Premier Andrej Plenković die Lage. Wie aber die Bevölkerung für die Impfung gewinnen? Über eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe sowie für Beschäftigte in Schulen und sozialen Einrichtungen wird in Kroatien bereits seit Wochen kontrovers diskutiert.

Impfung oder Kürzung von Corona-Hilfen

Aber auch andere "Impfanreize" der Regierung provozieren Widerspruch. So sollen Unternehmen, in denen weniger als 70 Prozent der Beschäftigten geimpft sind, nicht die volle Höhe der staatlichen Corona-Lohnbeihilfen erhalten. Droht also Menschen der Jobverlust, wenn in ihrer Firma zu viele Ungeimpfte arbeiten? Und würden die Maßnahme nicht auch den Angestellten schaden, die schon geimpft sind?

Kritikerinnen und Kritiker sehen hier nicht nur arbeits- und verfassungsrechtliche Probleme. Aus der Wirtschaftskammer der Gespanschaft Dubrovnik heißt es, man unterstütze die Impfkampagne an sich und zwar aktiv und das seit Monaten. Jedoch sei man strikt gegen die Kürzung von Corona-Hilfen, so die Vorsitzende Nikolina Trojić gegenüber der Zeitung Slobodna Dalmacija: "In den meisten Fällen sind die Arbeitgeber geimpft, aber sie haben keinerlei Handhabe, ihre Mitarbeiter dazu zu überreden. Und was machen Sie dann mit so einer Person, die sich aus Überzeugung oder aus Mangel an Informationen nicht impfen lässt? Sie entlassen? Wo wollen Sie mitten im Sommer eine neue, passende Arbeitskraft finden? Vor allem, wenn der Angestellte schon jahrelang bei Ihnen ist und jahrelang geschult wurde?"

Die Regierung verweist ihrerseits darauf, dass die Corona-Hilfen das Staatsbudget enorm belasteten und nicht unbegrenzt verfügbar seien. Es sei deswegen gerechtfertigt, finanzielle Unterstützung an den Impfstatus zu knüpfen, findet Premier Plenković: "Wenn der Staat Impfstoff und Löhne sicherstellt, fänden wir es fair, wenn alle ihren kleinen Beitrag leisten würden." Auf die konkrete Kritik der Wirtschaftsverbände gibt dieser Appell jedoch keine Antwort und lässt Gastronomen wie Albert frustriert zurück.

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Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Radio | 25. Juli 2021 | 12:30 Uhr

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