Polen Niederschlesien: Erholung in alten Schlössern des preußischen Adels

Früher war Niederschlesien eine beliebte Sommerfrische des preußischen Adels. In der kommunistischen Zeit verfielen viele herrschaftliche Bauten oder wurden zweckentfremdet. Inzwischen werden sie wieder schick gemacht und als Ausflugsziele vermarktet.

Schloss Stonsdorf im polnischen Hirschberger Tal. 15 min
Schloss Stonsdorf im polnischen Hirschberger Tal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die schlesische Insel der Seligen wurde das Hirschberger Tal am Fuße des Riesengebirges vor zwei Jahrhunderten genannt. Zunächst ließen Leinen-Fabrikanten in der Sommerfrische ihre Anwesen bauen, dann kamen Künstler, Maler, Dichter, darunter Theodor Fontane und Ludwig Richter.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts der preußische König Friedrich Wilhelm III. Schloss Erdmannsdorf zu seiner Sommerresidenz erkor, wurde die Gegend zu einer der ersten Adressen Europas für den preußischen Adel.

Schloss Stonsdorf wird seit 20 Jahren restauriert

Rund 30 Schlösser und Herrenhäuser sind im Hirschberger Tal zu finden. Die örtlichen Denkmalpfleger sprechen von der größten Schlösserdichte Europas. Nach 1945 verfiel ein Teil der herrschaftlichen Bauten oder wurde völlig anders genutzt, ob als Feuerwehrstation, als Kinderheim, als Schule oder für Ämter. In den vergangenen Jahren wurden die herrschaftlichen Bauten wieder aufgehübscht und die liebliche Landschaft nebst Schlösserdichte ist längst ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen.

Innenansicht Schloss Stonsdorf -  Staniszów - Foyerbereich mit Hirschgeweihen
Blick ins Innere von Schloss Stonsdorf, das heute ein Hotel ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neuer Schlossherr wohnt mit unterm Dach

Die alten Gemäuer wieder instand zu setzen, kann zu einer Lebensaufgabe werden. Der polnische Touristikfachmann Wacław Dzida erwarb Schloss Staniszów/Stonsdorf vor 20 Jahren. Nur das Dach sei damals noch in Ordnung gewesen - von der Ende des 18. Jahrhunderts entstandenen Anlage, die einst Graf Reuß gehörte.

Nach 1945 war es zunächst ein Internat, dann Schulungshaus der Feuerwehr. Seit Anfang der 1990er Jahre stand es zehn Jahre lang leer und war entsprechend heruntergekommen.

Mehr als 60 Räume gilt es nun in Schuss zu halten. Der 49-jährige neue Schlossherr hat die Anlage, die heute als Hotel genutzt wird, Schritt für Schritt restauriert. Die ersten beiden Etagen sind für Gäste reserviert, unter dem Dach lebt Dzida mit seiner Familie. Wie viel Geld er bereits in die Sanierung der geschichtsträchtigen Gebäude investiert hat, will er nicht sagen. Es bleibt das Geheimnis des Schlossherren.

Schloßherr Wacław Dzida in Staniszów - Stonsdorf in Niederschlesien
Der neue Schlossherr von Stonsdorf: Wacław Dzida Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Likör wie früher

Dzida und seine Familie versuchen die Geschichte des Ortes nicht nur durch den Erhalt der Gebäude aufrecht zu erhalten, die Familie produziert seit einigen Jahren auch eigenen Kräuterlikör. Und auch der hat Tradition in der Region. Bereits im 19. Jahrhundert wurde er in Stonsdorf produziert. Im Jahr 1810 begann Christian Gottlieb Koerner damit, aus heimischen Kräutern, Gewürzen sowie Früchten Likör herzustellen. Sein Sohn machte den "Stonsdorfer" in aller Welt bekannt.

Das hat Wacław Dzida dazu inspiriert, die alte Tradition wieder aufzugreifen. Mit seinen Söhnen füllt er in Handarbeit die Flaschen ab. Die rund 3000 Flaschen werden bisher nur auf Schloss Stonsdorf selbst verkauft oder auf Anfrage verschickt. Bis zur richtigen Brennerei ist es noch eine kleine Wegstrecke, auch wenn die Bauarbeiten an dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude auf Hochtouren laufen.

Am Schloss von Wacław Dzida gibt es immer etwas zu tun. Für den 49-Jährigen ist das Leidenschaft und Lebensaufgabe zugleich.

Das Hirschberger Tal Das Hirschberger Tal der Schlösser und Gärten liegt im Südwesten Polens in der Woiwodschaft Dolnośląskie (Niederschlesien). Es erstreckt sich am Fuße der Śnieżka (Schneekoppe) rund um die 75.000 Einwohner zählende Kreisstadt Jelenia Góra (Hirschberg). Zu Jelenia Góra gehören der traditionsreiche Kurort Cieplice (Bad Warmbrunn) und das Bergdorf Jangniątków (Agnetendorf), früherer Wohnort des Dichters Gerhart Hauptmann.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 17. Juli 2021 | 18:00 Uhr

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