Polen Milchbars in Polen: Der sozialistische Schnellimbiss mit Kultstatus

"Bar Mleczny" - Milchbar - steht in Polen für preiswertes, deftiges Essen. Die Schnellimbisse sind Teil der Kultur in unserem Nachbarland. In den 1990er-Jahren wurden zwar viele Milchbars geschlossen, doch mittlerweile erleben sie eine Renaissance.

Impression aus einer Milchbar in Warschau
Preiswert und einfach: Eine Mahlzeit in einer Milchbar kostet selten mehr als umgerechnet 3 Euro. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer hierzulande in eine Milchbar geht, freut sich vermutlich auf ein Eis oder auf Kaffee und Kuchen. Vielleicht auch auf einen Cognac. Und der eine oder andere wird den Thomas Natschinski-Song "In der Mokka-Milch-Eisbar" vor sich hin summen und sich Erinnerungen hingeben. Wenn in Polen jemand in die Milchbar geht, hat er in der Regel einfach nur Hunger. Denn dort sind die Bars eher das, was man in der DDR als Buffets kannte: Restaurants mit einfachen Speisen für den kleinen Geldbeutel.

Wie die Milchbar zu ihrem Namen kam

Der vermeintlich irreführende Name Milchbar hat mit der Geschichte der kleinen Speiselokale zu tun. Denn als 1896 in Warschau die erste "Bar Mleczny" eröffnet wurde, gab es dort tatsächlich ausschließlich preiswerte Speisen aus Milch, Mehl und Eiern. Und das blieb auch fast 100 Jahre so. Fleischgerichte kamen in den Milchbars erst nach der Wende 1989 auf den Tisch.

Milchbars: Einst top, dann flop, jetz Kult

Ihre Blütezeit hatten die Milchbars im sozialistischen Polen. Landesweit gab es damals mehr als 40.000. Sie wurden staatlich gestützt. Nach 1989 ging es mit den Schnellrestaurants bergab. Eines nach dem anderen machte dicht. Heute existieren wieder etwa 150 Milchbars in Polen. Der Staat zahlt immer noch Beihilfen, die schrumpfen allerdings. Nachdem die "Bar Mleczny" einige Jahre vor allem von armen Leuten frequentiert wurden, trifft man heute in den Selbstbedienungsbars Junge und Alte, Erfolgreiche und Arme, Normalos und Hipster. Und auch bei vielen Touristen sind die Milchbars ein fester Programmpunkt. Preiswert ist das Essen immer noch. Eine Rote-Beete-Suppe gibt es schon für umgerechnet einem Euro. Inzwischen gibt es in der polnischen Hauptstadt sogar eine "Bar Mleczny", die ausschließlich vegetarisch kocht. Eine Spinat-Lassagne bekommt man dort für umgerechnet 2,50 Euro. Im ansonsten sehr teuren Warschau ein echter Kampfpreis. Der typische Milchbar-Gast isst allerdings noch immer am liebsten Schnitzel, Kohlrouladen, Erbsen und Suppen. Ein Angebot, dass man u.a. in Warschaus ältester Milchbar der "Bar Mleczny Prasowy" findet.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Das Comeback der Milchbars in Polen | 14. August 2021 | 18:00 Uhr

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