MDR-Datenprojekt Verkehr in Zeiten von Corona: Rückkehr zur Normalität?

Der Corona-Lockdown hatte den Verkehr in Innenstädten ausgebremst. Doch mit der Öffnung von Geschäften und Restaurants nimmt wer wieder zu, allerdings sehr unterschiedlich: In Leipzig und Prag rollt der Verkehr fast wieder normal. Moskaus Straßen sind trotz erster Öffnungen noch immer leer, wie unser Datenprojekt zeigt.

Eine Person auf einer Straße
Stefansbrücke in Prag: Inzwischen rollt auch hier der Verkehr wieder. Bildrechte: imago images/CTK Photo

Die Daten aus Navigationsgeräten und Smartphones zeigen wie unterschiedlich sich der Verkehr in Leipzig, Prag und Moskau seit dem 1. März und den damit einhergehenden Corona-Beschränkungen entwickelt hat.

Leipzig - alles beim Alten?

Mittlerweile wurden die Beschränkungen in Sachsen wieder gelockert und das spiegelt sich auch in den Verkehrsdaten wider: In Leipzig gibt es mit den ersten Öffnungen im Handel zunächst einen langsamen Anstieg. In der vergangenen Wochen mit dem Feiertag - am 21. Mai - ist dann, zumindest auf den Straßen, fast wieder Normalität eingekehrt.

Der Verkehr in Leipzig nahm ab dem 13. März erkennbar ab. Es ist der Tag an dem fast alle Bundesländer erste Maßnahmen wie Schulschließungen veranlassen. Den Bürgern wird empfohlen, soziale Kontakte zu verringern und wenn möglich im Home-Office zu arbeiten. Die Meisten halten sich offenbar daran und ziehen sich nach und nach in ihre eigenen vier Wände zurück.

In den folgenden Tagen geht die Verkehrsbelastung auch ohne Ausgangsbeschränkung Schritt für Schritt zurück. In einer TV-Ansprache am 18. März wendet sich Angela Merkel an die Deutschen. Sie will ausdrücklich auf drastische Maßnahmen verzichten und appelliert an die Vernunft, Kontakte zu meiden. Die Verkehrsbelastung nimmt weiter ab.

Mit der ab dem 23. März gültigen Ausgangsbeschränkung der sächsischen Landesregierung erreichen die Werte ihren tiefsten Punkt.

Prag - Stadt noch immer nicht so voll wie "früher"

Auch in Prag steigt die Verkehrsbelastung wieder langsam an, verbunden mit dem Ende der strengen Ausgangsbeschränkungen und dem nationalen Ausnahmezustand in den letzten Wochen. Doch die Stadt ist noch immer von der hohen Staudichte früherer Tage entfernt.

Auf den sonst chronisch verstopften Straßen Prags zeigte sich ein deutlicher Unterschied zu Leipzig: Die Verkehrsdaten offenbaren die rigorose Eindämmungspolitik des tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš. Während in Deutschland noch über Einschränkungen des öffentlichen Lebens diskutiert wurde, rief die tschechische Regierung bereits am 12. März den Notstand aus.

Es ist der Tag, an dem die WHO die Corona-Ausbreitung zur Pandemie erklärt hat. Bereits an diesem Tag geht der Verkehr in Prag schlagartig zurück und verharrt ab dem 16. März auf geringem Niveau, denn ab da wird eine weitreichende Ausgangsbeschränkung umgesetzt, ähnlich der in Deutschland. Die Einwohner halten sich offenbar an die strikten Vorgaben, wobei der Autoverkehr in Prag auf noch kleinerer Sparflamme weiterläuft als der in Leipzig.

Moskau - Später Stillstand, aber radikal

In Moskau kehrt die Normalität nur langsam zurück, auch wenn bereits Öffnungen feststehen. Die Stadt ist noch weit entfernt von der Staubelastung der Vor-Corona-Zeit.

Auf den Straßen Moskaus zeigte sich die Krise erst deutlich später, aber dafür viel stärker als in vergleichbaren Städten: Während in Prag bereits der Ausnahmezustand verhängt ist, geht das Leben hier normal weiter. Die Moskauer haben wohl das verlängerte Wochenende zum Frauentag am 8. März. genossen, den da gab es einen zusätzlichen freien Tag. Auch danach geht auf den Straßen alles seinen gewohnten Gang.

Am 25. März wendet sich Wladimir Putin an sein Volk und kündigt drastische Maßnahmen im Kampf gegen das Virus an: Läden sollen schließen, eine Ausgangsperre ist angekündigt. In den folgenden 2 Tagen nimmt das Verkehrsaufkommen drastisch zu. Die Einwohner nutzen ihre Autos nun offenbar für die letzten Hamsterfahrten und Besuche. Danach erlebt die  Verkehrsbelastung im Vergleich aller Städte den stärksten Rückgang und fällt fast auf null. Ab dem 30. März wird in der Stadt Moskau  eine strikte Ausgangssperre verhängt.

Was verschiedene Lokalpolitiker in Prag und Moskau also über Jahre nicht geschafft haben, schafft die Corona-Krise schlagartig: Innenstädte ohne Autoverkehr. Im Gesamtvergleich zeigt sich, dass Moskau den stärksten Rückgang der Verkehrsbelastung erlebt hat, denn hier werden die Maßnahmen stringenter umgesetzt und stärker kontrolliert. Moskau ist in den letzten Wochen allerdings auch zur Corona Hochburg geworden. Die Zahl der Neuinfektionen ist hier höher als in jedem anderen Teil des Landes.

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Fernsehen | 17. April 2020 | 17:45 Uhr

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