Russland-Ukraine-Krieg Newsblog vom Freitag: Selenskyj warnt vor Zerstörung von Staudamm bei Cherson

Die Ukraine wirft Russland vor, einen Staudamm nahe der Stadt Cherson vermint zu haben. Kiew warnt vor einer Flutwelle und schrecklichen Katastrophe. NDR-Recherchen belegen den Diebstahl von Getreide durch russische Besatzer. Präsident Selenskyj bedankt sich bei Kanzler Scholz für die Lieferung moderner Flugabwehrwaffen. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Newsblog.

Blick auf den Staudamm des Kraftwerkes 'Nowaja Kachowa' am Fluß Dnjepr. Aufnahme von 1993.
Staudamm des Kraftwerks "Nowaja Kachowa" am Fluss Dnipro. (Archivbilld) Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig überprüft werden können.

19:58 Uhr | Russland bremst Getreidelieferungen aus

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Russland vor, absichtlich die Getreidelieferungen über das Schwarze Meer auszubremsen. Es warteten 150 Schiffe darauf, beladen zu werden, erklärt Selenskyj in einer Videoansprache. Wegen der Verzögerungen habe die Ukraine bislang drei Millionen Tonnen Getreide weniger als erwartet exportieren können. Dies sei genug, um zehn Millionen Menschen zu ernähren. Eine russische Stellungnahme liegt nicht vor.

17:51 Uhr | Ukraine fordert internationale Beobachtermission am Staudamm Kachowka

Die Ukraine hat eine internationale Beobachtermission am Staudamm des Wasserkraftwerks Kachowka in der südlichen Region Cherson gefordert. "Wir rufen die Uno, die EU und andere Organisationen auf, eine internationale Beobachtungsmission für Kachowka zu organisieren", sagte der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal am Freitag bei einer Regierungssitzung. Internationale Experten sowie ukrainisches Personal müssten sich umgehend vor Ort begeben, forderte er.

Nachrichten

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 58 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler

17:08 Uhr | Europäische Staaten wollen UN-Untersuchung von Drohnen-Angriffen

Deutschland, Frankreich und Großbritannien fordern eine UN-Untersuchung der Drohnen-Angriffe in der Ukraine. Die drei Länder stünden zudem bereit, eine Überprüfung der Angriffe durch die Vereinten Nationan (UN) zu unterstützen, heißt es in einem Schreiben an die UN-Mitglieder, das Reuters einsehen konnte. Nach Darstellung der Kiewer Regierung und westlicher Partner beliefert der Iran Russland mit Kampfdrohnen. Die Islamische Republik bestreitet das. Sollte der Iran Drohnen an Russland liefern, würde er gegen Embargo-Maßnahmen gemäß der UN-Resolution 2231 verstoßen.

16:20 Uhr | Ukrainische Energieversorgung und Stromgewinnung eingeschränkt

Die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung haben dem Energieminister des Landes zufolge bislang 30 bis 40 Prozent des Stromnetzes getroffen. Dadurch sei die Stromgewinnung eingeschränkt worden, sagt Herman Haluschtschenko der Nachrichtenagentur Reuters. "Mindestens die Hälfte der Wärmekraft-Produktionskapazität, sogar mehr" seien ausgefallen. Durch die Angriffe in dieser Woche seien 4000 MW Kapazität verloren gegangen. Dabei seien Anlagen erstmalig angegriffen worden, aber auch bereits bombardierte erneut, "um sie völlig zu zerstören". Möglicherweise werde die Ukraine Strom zukaufen müssen, um durch die Krise zu kommen. Einige Händler hätten bereits Gespräche mit Lieferanten aufgenommen, sagt der Energieminister.

14:30 Uhr | Russland: Staudamm Kachowa nicht vermint

Russland hat Vorwürfe zurückgewiesen, es vermine den Staudamm Kachowa nahe Cherson. Diese Behauptungen seien falsch, zitiert die staatliche Nachrichtagentur RIA den von Russland eingesetzten Vize-Gouverneur der Region, Kirill Stremousow. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in einer Videobotschaft gesagt, Russland plane das Wasserkraftwerk am Fluss Dnipro zu sprengen, um Teile der Region Cherson zu überfluten.

13:16 Uhr | Kiew: Russland verstärkt Kräfte in Cherson

Die russischen Besatzungstruppen verstärken nach ukrainischen Angaben ihre Präsenz im Raum Cherson. Dort seien 2.000 Rekruten eingetroffen, teilte der Generalstab in Kiew am Freitag mit. In der südlichen Region hatte die ukrainische Armee zuletzt Gebietsgewinne erzielt. Russland schaffte in den letzten Tagen Tausende Menschen aus der Stadt. Die Besatzer sprechen von "Evakuierung". Die Ukraine warf Russland Deportationen vor.

Die Besatzungsverwaltung in Cherson beschuldigte heute die ukrainische Armee, durch Raketenbeschuss vier Zivilisten getötet und zehn verletzt zu haben. Kiew bestätigte den Beschuss einer Brücke. Dort hätte sich jedoch keine Zivilisten befunden. Alle Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

11:08 Uhr | Brand in Flüchtlingsunterkunft – Esken-Vorwurf an Merz

Nach dem Brand in einer Unterkunft für Ukraine-Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern hat SPD-Chefin Saskia Esken konservativen Politikern vorgeworfen, für solche Taten mit den Boden zu bereiten. Mit Blick auf CDU-Chef Friedrich Merz sagte Esken der "Rheinischen Post": "Wer Kriegsflüchtlinge fern aller Fakten als Sozialtouristen verleumdet, muss sich fragen lassen, welchen Anteil er hat an Hass und Hetze, die später in Gewalt mündet."

Merz hatte sich später für seine Äußerung entschuldigt und von Einzelfällen gesprochen. Der Bundestagsabgeordnete und Ex-CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak kritisierte Eskens Vorwurf an Merz als "schäbig". Das sei der SPD unwürdig.

Bei dem Brand in Groß Strömkendorf bei Wismar war am Mittwochabend eine Flüchtllingsunterkunft weitgehend zerstört worden. Die dort untergebrachten 14 Menschen aus der Ukraine und drei  Betreuer blieben unverletzt. Die Polizei vermutet Brandstiftung als Ursache.

09:35 Uhr | NDR-Recherche: Russland bereichert sich an ukrainischem Getreide

Russland verkauft in großem Stil Getreide aus besetzten ukrainischen Gebieten. Nach Recherchen des NDR sollen insgesamt 1,8 Millionen Tonnen ukrainisches Getreide exportiert werden. Wie aus der Auswertung von Schiffsdaten, Satellitenbildern sowie aus russischen Dokumenten hervorgeht, wurde davon offenbar schon ein Großteil über Seehäfen der annektierten Krim-Halbinsel verschifft. Dem Bericht zufolge bewerten Experten die Enteignung der Ernte als Bruch des Völkerrechts.

Den Recherchen zufolge haben seit Kriegsbeginn im Februar rund 20 Schiffe den Krim-Hafen Sewastopol mit Weizen und anderem Getreide verlassen. Meist gingen die Transporte nach Syrien, Russland oder in die Türkei. Ukrainische Agrar-Unternehmer erklärten dem NDR, dass Russland Getreide beschlagnahme, das Bauern auf der Flucht vor den Angreifern zurückließen. Andere Landwirte würden enteignet oder müssten ihr Getreide zu Dumping-Preisen verkaufen.

Vertreter der russischen Regierung wiesen den Vorwurf von Getreideklau zurück. Russland habe keinen Bedarf an ukrainischem Weizen, zumal dieser von minderer Qualität sei.

06:47 Uhr | UN-Hilfswerk schafft winterfeste Unterkünfte in Ukraine

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR will Vertriebenen und Menschen in beschädigten Wohnungen in der Ukraine helfen, die kalten Wintermonate gesund zu überstehen. Vize-UNHCR-Kommissarin Kelly Clements sagte: "Wir haben in der Ukraine 390 öffentliche Gebäude so umgebaut, dass dort jetzt 109.000 Schlafplätze vorhanden sind." Das seien meist Schulen oder Turnhallen. Bulgarien, Tschechien und Moldau benötigten zudem weitere Unterstützung bei der Versorgung ukrainischer Flüchtlinge, erklärte Clements.

00:38 Uhr | Selenskyj warnt vor Zerstörung von Staudamm

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland vorgeworfen, einen Staudamm in der südukrainischen Region Cherson vermint zu haben. Selenskyj warnte in seiner aktuellen Videobotschaft vor einer "Katastrophe großen Ausmaßes". Hunderttausende Menschen seien in Gefahr. Sollte der Staudamm am Dnipro brechen, würde der Nord-Krim-Kanal einfach verschwinden, der die Halbinsel Krim mit Wasser versorge. Auch das Kühlsystem im AKW Saporischschja sei gefährdet.

Selenskyjs Berater Mychailo Podoljak erklärte, Russland wollle mit einem Dammbruch eine Flutwelle verursachen, um den ukrainischen Vormarsch zu stoppen. Die ukrainische Armee versucht derzeit, die von russischen Truppen besetzte Region Cherson zurückzuerobern. Von russischer Seite hatte es zuvor ebenfalls Warnungen gegeben, dass die Ukraine den Staudamm als "Waffe" einsetzen könnte.

In einer Videoansprache beim EU-Gipfel in Brüssel hatte Selenskyj Russland zuvor vorgeworfen, die Energie-Infrastruktur seines Landes zu einem "Schlachtfeld" gemacht zu haben. Moskau wolle der Ukraine im Herbst und Winter Strom- und Heizprobleme bescheren und "so viele Ukrainer wie möglich in Ihre Länder zu schicken", sagte Selenskyj an die EU gerichtet.

00:26 Uhr | Selenskyj dankt Scholz für Flugabwehrsystem

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich beim EU-Gipfel in Brüssel in einer Videoansprache bei Bundeskanzler Olaf Scholz für die Lieferung des Flugabwehrsystems Iris-T bedankt. "Dieses deutsche System schirmt nicht nur den ukrainischen Luftraum ab. Es schützt die europäische Stabilität, indem es den russischen Terror eingrenzt, der sowohl unser Land trifft als auch in Zukunft Ihre Länder", sagte Selenskyj vor den Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten. Das erste Iris-T-System war vor einer Woche an die Ukraine übergeben worden.

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Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 56 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler

00:05 Uhr | Russisches Gericht ordnet Festnahme von Journalistin Owsjannikowa an

Journalistin Marina Owsjannikowa
Die Journalistin Marina Owsjannikowa ist offenbar bereits vor wenigen Tagen ins Ausland geflohen. Bildrechte: dpa

Ein russiches Gericht hat die Festnahme der durch eine Protestaktion im russischen Fernsehen bekannt gewordenen Journalistin Marina Owsjannikowa angeordnet. Das berichtet die Agentur Interfax unter Berufung auf Vertreter der Behörde. Die wegen "Fake News" eigentlich unter Hausarrest stehende ehemalige Mitarbeiterin des Staatsfernsehens floh ihrem Anwalt zufolge bereits ins Ausland.

Die Russische Kriegsgegnerin Marina Owsjannikowa im Interview.
Owsjannikowa erregte mit Kritik am Ukraine-Krieg im März weltweites Aufsehen. Bildrechte: IMAGO/MiS

Owsjannikowa erregte im März weltweites Aufsehen, als sie während einer Live-Fernsehsendung mit einem Plakat ins Studio stürmte. Darauf war "Stoppt den Krieg" und "Sie lügen euch an" zu lesen. Die 44-Jährige wurde im August zu zwei Monaten Hausarrest verurteilt, nachdem sie im Juli an einem Flussufer gegenüber dem Kreml stand und ein Plakat hochhielt. Darauf bezeichnete sie Präsident Wladimir Putin als Mörder und seine Soldaten als Faschisten.

00:00 Uhr | Newsblog am Freitag, 21. Oktober 2022

Guten Morgen, in unserem Newsblog halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 21. Oktober 2022 | 06:00 Uhr

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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