Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Samstag: Sjewjerodonezk in russischer Hand

Russische Truppen haben die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine eingenommen. Nach Angaben der ukrainischen Armee hat Russland zahlreiche Regionen im Land mit Raketen beschossen. Einige Raketen sollen auch aus Belarus abgefeuert worden sein. Der Russland-Ukraine-Krieg hat aus Sicht von Naturforschern Tausende Delfine im Schwarzen Meer das Leben gekostet. Mehr hier im Nachrichten-Ticker.

Ein ukrainischer Soldat steht während schwerer Kämpfe an der Front in Sjewjerodonezk in der Region Luhansk in einer zerstörten Wohnung. Vier Monate nach Kriegsbeginn hat die Ukraine den Rückzug ihrer Truppen aus der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes angeordnet.
Eine zerstörte Wohnung in Sjewjerodonezk  Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:28 Uhr | Selensky: Werden alle unsere Städte zurückbekommen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geht davon aus, alle Städte zurückzubekommen, die an Russland verloren wurden. Als Beispiele nannte Selenskyj in seiner nächtlichen Videobotschaft Sjewjerodonezk, Donezk und Luhansk. Die Ukraine sei in den vergangenen 24 Stunden von 45 russischen Raketen getroffen worden. Das Land befinde sich moralisch und emotional in einer schwierigen Phase des Krieges. Er wisse nicht, wie viele weitere Verluste es geben werde, bevor die Ukraine spüre, dass der Sieg näher komme.

20:58 Uhr | Nukleares Forschungszentrum in Charkiw unter Beschuss

Die nukleare Forschungseinrichtung "Neutronenquelle" in der ostukrainischen Stadt Charkiw ist nach ukrainischen Angaben erneut unter Beschuss geraten. Dabei seien Gebäude und Infrastruktur wie Lüftungskanäle beschädigt worden, teilte die Nuklearaufsichtsbehörde des Landes mit. Der Teil der Anlage, wo der Kernbrennstoff gelagert wird, wurde nicht in der Auflistung der Schäden erwähnt. Es sei keine erhöhte Strahlung festgestellt worden.

18:33 Uhr | Russland liefert atomwaffenfähige Raketen an Belarus

Russland wird nach Angaben von Präsident Wladimir Putin bald atomwaffenfähige Raketen an Belarus liefern. Wie Putin bei einem Treffen mit dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko ankündigte, wird Russland "in den kommenden Monaten" das Raketensystem Iskander-M an Belarus liefern, das auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden kann. Putin bot Lukaschenko zudem an, bei der Aufrüstung belarussischer Kampfflugzeuge zu helfen, damit diese künftig ebenfalls Atomwaffen transportieren können.

17:13 Uhr | Sjewjerodonezk in russischer Hand

Die Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine ist nach Angaben ihres ukrainischen Bürgermeisters Olexander Strjuk vollständig von russischen Truppen besetzt. "Sie versuchen, ihre eigene Ordnung herzustellen. Soweit ich weiß, haben sie eine Art Kommandanten ernannt", sagt Strjuk im ukrainischen Fernsehen. Wo Strjuk sich aufhält, wurde nicht genannt. Bei heftigen Raketenangriffen gab es heute offenbar Hunderte Todesopfer.

15:37 Uhr | Klitschko fordert Aufklärung nach Fake-Anrufen

Nach Fake-Anrufen eines angeblichen Vitali Klitschko in europäischen Rathäusern fordert der Kiewer Bürgermeister Aufklärung. Es müsse dringend ermittelt werden, wer dahinter stecke. Betroffen von den Anrufen war gestern unter anderem Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey.

Giffey kündigte heute an, Kontakte künftig stärker zu prüfen. Man müsse noch misstrauischer sein. Es handele sich um ein Mittel der modernen Kriegsführung. Noch wisse man nicht, wer dahinter stecke. Sie habe das Landeskriminalamt gebeten, mit dem IT-Dienstleistungszentrum des Landes und dem Security Operations Center zu ermitteln.

13:51 Uhr | Bürgermeister bestätigt Truppenabzug aus Sjewjerodonezk

Die ukrainischen Truppen haben die umkämpfte Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes nach Angaben des Bürgermeister fast ganz geräumt. Olexander Strjuk sagte im staatlichen Fernsehen, die Soldaten hätten die Stadt "leider" fast ganz verlassen. Die Menschen, die in dem örtlichen Chemiewerk Schutz gesucht hätten, würden dort bis zum Ende der Kämpfe ausharren. Gestern hatten die Regionalbehörden angekündigt, dass die Ukraine ihre Truppen aus der Stadt abziehen werde, nachdem sie wochenlang den vorrückenden russischen Truppen standgehalten hatten.

12:23 Uhr | Russland meldet Tod von polnischen Kämpfern

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Ostukraine Dutzende polnische Kämpfer getötet. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, "bis zu 80 polnische Söldner" seien bei "Angriffen mit Hochpräzisionswaffen" auf eine Zinkfabrik in Kostjantyniwka in der Region Donezk getötet worden. Darüber hinaus seien 20 gepanzerte Kampffahrzeugen und acht Grad-Mehrfachraketenwerfer zerstört worden. Russland bezeichnet alle auf Seiten der Ukraine kämpfenden Freiwilligen als Söldner.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, berichtete zudem über einen Raketenangriff auf Mykolajiw im Süden der Ukraine. Dabei seien 300 Soldaten getötet worden. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

11:07 Uhr | Ukrainische Armee: Raketenangriffe aus Belarus

Nach Angaben der ukrainischen Armee sind mehrere ukrainische Regionen mit Raketen beschossen worden. Wie der Generalstab und das Nordkommando der ukrainischen Armee mitteilten, wurden dabei auch aus dem Nachbarland Belarus Raketen abgefeuert. Ihr Ziel sei die Region Tschernihiw gewesen. Das Nordkommando schrieb auf Facebook von 20 Raketen, die von belarussischem Territorium aus "auf das Dorf Desna gezielt" worden sind. Opfer habe es keine gegeben.

Die Nachrichtenagentur Unian berichtet, auch In den Gebieten Chmelnyzkyj, Lwiw, Mykolajiw und Schytomyr seien Einschläge registriert worden. Die Region Dnipropetrowsk sei zudem mit Artillerie beschossen worden. Allein in der Umgebung von Schytomyr, einer Großstadt westlich von Kiew, schlugen nach Angaben von Bürgermeister Serhij Suchomlin 24 Raketen ein. Dabei sei ein Soldat getötet worden.

09:47 Uhr | Gouverneur meldet Raketenangriff in Region Lwiw

Der Gouverneur der Region Lwiw, Maxim Kosizky, hat einen russischen Raketenangriff auf eine Militäranlage in Jaworiw in der West-Ukraine gemeldet. Nach seinen Angaben wurden dabei vier Menschen verletzt. Kosizky sagte in einer Videobotschaft, die russischen Streitkräfte hätten sechs Raketen vom Schwarzen Meer aus abgefeuert. Vier Raketen hätten den Stützpunkt getroffen, zwei seien von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen und zerstört worden.

Bei einem russischen Angriff auf ein Ausbildungslager des ukrainischen Militärs in der Nähe von Jaworiw im März waren nach Behördenangaben 35 Menschen getötet und mindestens 130 verletzt worden.

06:42 Uhr | Mützenich für Einmalzahlung an Arbeitnehmer

Der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Rolf Mützenich, hat eine Sonderzahlung an Arbeitnehmer vorgeschlagen. Mützenich sagte der Funke-Mediengruppe, angesichts hoher Preise für Lebensmittel, Gas und Sprit infolge des Ukraine-Kriegs halte er das für sinnvoll. Wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften sich auf Einmalzahlungen an die Beschäftigten verständigten, um besonders schwierige Momente in den nächsten Monaten abzufedern, dann könnte der Staat dies sinnvoll ergänzen.

Mit Blick auf die gedrosselten Gaslieferungen aus Russland sagte Mützenich, die Bundesregierung tue zwar alles dafür, genügend Gasreserven für Herbst und Winter zu haben, um diese kritische Zeit zu überbrücken. Niemand könne aber garantieren, dass das gelinge. "Wir stehen in den nächsten Monaten vor sehr schweren wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, die jeden einzelnen betreffen", erklärte Mützenich.

02:00 | Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge bislang gut bewältigt

Bundesinnenministerin Nancy Faeser sieht die Verteilung und Aufnahme der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland weitgehend positiv. "Wir haben dafür gesorgt, dass Geflüchtete bei uns gute medizinische Versorgung, soziale Sicherheit und unmittelbaren Zugang zu Jobs haben. Das läuft am besten über die Jobcenter, die sich intensiv auf die Unterstützung vieler Geflüchteter vorbereitet haben", sagte Faeser der "Rheinischen Post".

Trotzdem bleibe dies eine große Kraftanstrengung. Gleiches gelte für die Schulen und Kitas, die geflüchtete Kinder aufgenommen haben. "In Großstädten brauchen wir zudem zusätzliche Unterkünfte, um private Wohnungsgeber zu entlasten", betonte die SPD-Politikerin. Der Bund unterstütze die Kommunen und Länder weiter in dieser Aufgabe.

00:26 | Landesweit Luftalarm in der Ukraine ausgelöst

In der Ukraine ist in der Nacht zum Samstag landesweit Luftalarm ausgelöst worden. Das ging aus einer entsprechenden Übersicht zur Lage in dem Land hervor. Wie die ukrainische Nachrichtenseite 24tv berichtete, gab es Berichte über Explosionen aus der Stadt Saporischschja im Südosten des Landes, ebenso wie aus der zentralukrainischen Stadt Dnipro. Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar.

00:20 | Tausende Delfine im Schwarzen Meer offenbar wegen Kriegs verendet

Naturschützer bringen den Tod von Tausenden Delfinen im Schwarzen Meer mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine in Verbindung. Mindestens 3.000 Tiere seien verendet, schrieb Forschungsleiter Iwan Rusew bei Facebook. Der Einsatz von Sonar-Technik und Explosionen zerstörten das "empfindliche Navigationssystem" der Tiere. So könnten sie nicht mehr genug Fische fangen und seien deshalb anfälliger für Infektionskrankheiten. Die Folge sei, dass mehr Tiere sterben, erläuterte der Experte eines Nationalparks in der Nähe von Odessa im Süden der Ukraine. Nach seinen Angaben gibt es zudem Berichte über verendete Tiere aus Bulgarien und Rumänien.

In den vergangenen Jahren hätten Fischfang und Wilderei die größten Gefahren für Delfine dargestellt. Russland hat seinen Krieg gegen die Ukraine am 24. Februar begonnen und greift das Nachbarland auch über das Schwarze Meer an.

00:01 Uhr | Selenskyj: Ukraine hat keine Angst auf Weg zu EU-Mitgliedschaft

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zuversichtlich, dass sein Land die Kriterien für einen EU-Beitritt erfüllen wird. Die Ukraine konzentriere sich nun auf die Anforderungen der EU, sagte er in einer Videoansprache. "Aber macht uns das Angst? Nein. Weil wir davor Hunderte erfolgreich abgeschlossen haben." Zu den Kriterien für einen Beitritt gehören unter anderem Rechtsstaatlichkeit, Kampf gegen Korruption, Garantie der Grundrechte und eine funktionierende Marktwirtschaft.

Selenskyj rief seine Landsleute auf, sich über den Beschluss des EU-Gipfels, der Ukraine den Status eines Beitrittskandidaten zu geben, zu freuen. Er verglich den Weg hin zu einer Mitgliedschaft mit dem Besteigen des Mount Everests. Wer auf den letzten 1.848 Metern darüber rede, wie schwierig die weitere Strecke werde, entwerte seinen Erfolg, den Berg bereits auf 7.000 Metern bezwungen zu haben. Die Ukraine habe den Kandidatenstatus erworben, sagte Selenskyj. "Das ist nicht vom Himmel gefallen. Dafür hat die Ukraine viel getan."

00:00 Uhr | Ticker am Samstag, 25. Juni 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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