Neues Coronavirus Omikron-Variante könnte in HIV-Patienten mutiert sein

Die Corona-Krise geht zu Lasten der Maßnahmen gegen das HI-Virus. Forscher sehen einen Zusammenhang zur neuen Coronavariante Omikron (B.1.1.529) – die könnte sich bei Aids-Kranken im Süden Afrikas entwickelt haben.

Eine Frau wird in Addis Abeba gegen Covid -19 geimpft.
Der Mangel an Covid-Impfstoff in Afrika könnte in Verbindung mit der Immunschwächekrankheit Aids zur Omikron-Coronavariante geführt haben. Bildrechte: IMAGO / Xinhua

Wegen der Corona-Pandemie werden einem neuen Bericht zufolge deutlich weniger Menschen auf das HI-Virus getestet, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst. Gesundheitsexperten warnen zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember vor einer Ausbreitung der Seuche.

Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC sehen eine "alarmierende Situation". Weltweit drohen nach UN-Angaben in den kommenden zehn Jahren 7,7 Millionen Todesopfer durch Aids, falls die politisch Verantwortlichen nicht mehr Gelder für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit bereitstellten.

Stammt Omikron-Variante von Aids-Kranken?

Die Corona-Krise hat auch Folgen für andere Krankheiten. So gibt es Hinweise, dass sich die neue Coronavirus-Variante Omikron bei einem HIV-Infizierten entwickelt haben könnte. Experten sehen folgenden Zusammenhang: Bei schlecht therapierten HIV-Patienten ist das Immunsystem sehr geschwächt, dann kann sich ein Erreger wie das Coronavirus über Wochen vermehren und entwickeln.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hält diese Theorie für denkbar und wahrscheinlich. Ähnliche Befunde seien in anderen Fällen bereits publiziert worden. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte: "Die vielen Mutationen sprechen für Entstehung in HIV-Patienten."

Die neue Coronavariante B.1.1.529 war im November erstmals in Südafrika nachgewiesen worden. Omikron soll ansteckender als die Delta-Variante sein, offenbar können sich auch Genesene infizieren. Ob die aktuellen Impfstoffe ausreichend schützen, ist noch unklar, ebenso, ob die neue Variante zu schweren Krankheitsverläufen führt.

Geringe Impfquote möglicher Faktor

Im südlichen Afrika führt die starke Verbreitung von HIV und der Mangel an Covid-Impfstoff zu besonders guten Entwicklungsmöglichkeiten für das Coronavirus. Zwei Drittel aller HIV-Infizierten weltweit leben nach UN-Daten in Regionen südlich der Sahara. Aber nur etwa vier Prozent der Bevölkerung dort sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) fordert eine gerechtere Impfstoffverteilung und für HIV-Infizierte einen besseren Zugang zu Corona-Impfungen. Für viele Menschen im Süden Afrikas seien Covid-19 und HIV eine doppelte Bedrohung. Seit der Entdeckung des HI-Virus 1984 sind weltweit mehr als 35 Millionen Menschen wegen einer Infektion damit gestorben. Die Vereinten Nationen haben das Ziel, Aids bis 2030 zu besiegen.

Quelle: DPA, (ans)

Dieses Thema im Programm: 01. Dezember 2021 | 07:30 Uhr

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