Corona-Hotspot Ischgl-Prozess: Österreich lehnt Vergleich ab

Der österreichische Ski-Ort Ischgl war einer der ersten Corona-Hotspots weltweit. Zahlreiche Urlauber steckten sich dort an und trugen das Virus von dort aus weiter. Der Umgang der Behörden mit der Virusausbreitung wird nun vor Gericht verhandelt. Der beklagte Staat Österreich lehnt jedoch einen Vergleich ab.

Das Kitzloch, eines der angesagtesten Après-Ski-Lokale in Ischgl (Österreich)
Nach dem Corona-Ausbruch in Ischgl wurde den Behörden vorgeworfen, zu spät reagiert und die Evakuierung schlecht organisiert zu haben. Bildrechte: dpa

Beim ersten Prozess um den Corona-Ausbruch im Tiroler Ski-Ort Ischgl hat der österreichische Staat eine einvernehmliche Lösung und Vergleichsverhandlungen abgelehnt. Zum Auftakt des Verfahrens am Freitag wurde deutlich, dass die Republik die Auffassung vertritt, Regierung und Behörden hätten mit dem damaligen Wissen über das Virus richtig gehandelt.

Geklagt haben die Witwe und der Sohn eines an Covid-19 gestorbenen Mannes. Sie fordern 100.000 Euro Schadenersatz von der Republik. Der 72-jährige Österreicher soll sich der Klage zufolge bei der chaotischen Abreise aus Ischgl im Frühjahr 2020 angesteckt haben. Bereits vor dem zivilrechtlichen Prozess hatte Österreich jede Schuld von sich gewiesen. Ein Urteil noch am Freitag gilt als unwahrscheinlich.

Verbraucherschutzverein geht von 3.000 Anspruchsberechtigten aus

In den kommenden Wochen werden weitere Klagen verhandelt, die auch vom österreichischen Verbraucherschutzverein (VSV) unterstützt werden. Nach Einschätzung des VSV könnten insgesamt bis zu 3.000 Ansprüche an die Republik gestellt werden.

Der Ski- und Partyort Ischgl war im März 2020 wegen stark steigender Corona-Fallzahlen kurzfristig geschlossen worden. Tausende Touristen aus Dutzenden Ländern mussten plötzlich abreisen. In der Folge war vielfach Kritik laut geworden, die Behörden hätten zu spät reagiert und die anschließende Evakuierung schlecht organisiert.

Insgesamt gaben mehr als 6.000 Menschen aus 45 Ländern an, sich in Ischgl und anderen Tiroler Urlaubsorten mit dem Coronavirus angesteckt zu haben. Dem VSV zufolge leiden fünf Prozent der Betroffenen unter Long Covid, 32 Menschen starben.

Quelle: MDR, dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2021 | 08:00 Uhr

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