Welthungerkrise Hungersnöte nehmen weltweit dramatisch zu

Die Weltgemeinschaft ist von ihrem Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen, meilenweit entfernt. Die wichtigsten Gründe dafür sind Konflikte und der Klimawandel – aber auch Corona hat die Situation verschärft.

Ein syrisches Kind wird im Ibn-Sina-Krankenhaus aufgrund von Unterernährung medizinisch behandelt. Die Welthungerhilfe hat vor einer Zunahme von Hungersnöten gewarnt.
Mangelernährung bei Kinder und Kindersterblichkeit sind zwei von vier Kriterien, die für den Welthungerindex untersucht werden. Bildrechte: dpa

Kriegerische Konflikte und die Folgen des Klimawandels haben den Hunger in der Welt im vergangenen Jahr wieder verschärft. Weltweit hungern nun etwa 811 Millionen Menschen, während es 2019 noch 690 Millionen Menschen waren. Das geht aus dem aktuellen Welthungerindex hervor, der am Donnerstag von der Welthungerhilfe veröffentlicht wurde. Deren Präsidentin, Marlehn Thieme, sieht darin die "ärgsten Befürchtungen" der Organisation bestätigt.

Unsere Befürchtungen im letzten Jahr haben sich leider bestätigt. Hungersnöte sind zurück und multiple Krisen lassen die Zahl der Hungernden immer weiter steigen.

Marlehn Thieme | Präsidentin Welthungerhilfe Deutschland

Die Welthungerhilfe stellte fest: "Die Welt ist bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entfernt sich immer weiter vom verbindlichen Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen." Auch die Corona-Pandemie hat die Lage weiter verschlimmert.

60 Prozent der Menschen in Somalia unterernährt

Der Index untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern und bestätigt die deutlichen Rückschritte bei der Hungerbekämpfung. 47 Länder werden demnach bis 2030 noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau erreichen, 28 davon liegen in Afrika südlich der Sahara. Besonders dramatisch sei die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan. In Somalia – dem Schlusslicht der Aufstellung – sind 60 Prozent der Menschen unterernährt und leben in einem Zustand ohne Ernährungssicherheit.

Für den Index werden vier Kriterien untersucht: Der Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung. Der Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die an Auszehrung und dem damit einhergehenden Untergewicht leiden. Zudem der Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die wegen Mangelernährung wachstumsverzögert sind und die Kindersterblichkeit.

Thieme: Aushungern als Kriegsverbrechen verfolgen

Zudem hat die Welthungerhilfe das gezielte Aushungern von Menschen in Krisenregionen angeprangert. Thieme sagte dazu, Kriege und Konflikte seien die verheerendsten Hungertreiber. Bei der Vorstellung des Welthungerindexes wurden als Beispiele Jemen und Somalia genannt. Dort seien Brunnen und Getreidespeicher Ziele von Angriffe geworden und Märkte funktionierten nicht mehr. Deshalb forderte die Welthungerhilfe die internationale Gemeinschaft auf, das Aushungern von Menschen als Kriegsverbrechen zu verfolgen.

Auch der scheidende Bundesentwicklungsminister Gerd Müller zeigte sich besorgt über diese Entwicklung und betonte: "Hunger ist Mord." Er wies darauf hin, dass es das Wissen und die Technologie gebe, um alle Menschen zu ernähren. Der CSU-Politiker sagte der "Augsburger Allgemeinen", die Corona-Folgen und viele Konflikte hätten zu einer negativen Trendwende geführt. Der Klimawandel verschärfe die Lage noch. Mit rund 40 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr könne der Welthunger bis 2030 besiegt werden.

Quelle: epd/dpa (sra)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 14. Oktober 2021 | 10:30 Uhr

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