Russland Waldbrände: Ausnahmezustand im russischen Atomzentrum

In Russland brennen seit Tagen Wälder. Betroffen ist auch die Region Mordwinien, südöstlich von Moskau. Dort steht das russische Kernforschungszentrum. Die Behörden verhängten vorsorglich den Ausnahmezustand. Besonders heftig wütet das Feuer aber im Osten Sibiriens. Auch in Südeuropa ist die Lage weiter angespannt.

Ein Waldbrand wütet in einem Naturschutzgebiet im Bezirk Temnikovsky.
Ein riesiger Waldbrand südlich von Nischni Nowgorod ließ die Verantwortlichen der Kernforschungsstadt Sarow handeln. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Wegen massiver Waldbrände in Russland haben die Behörden der Stadt Sarow mit dem nationalen Kernforschungszentrum den Ausnahmezustand verhängt. Der Schritt sei notwendig, weil sich das Feuer im Gebiet von Nischni Nowgorod ausbreite und so zusätzliche Kräfte zur Löschung der Brände mobilisiert werden können, teilte Verwaltungschef Alexej Safonow via Instagram mit.

Die Nachrichtenagentur Interfax zitiert einen Pressesprecher des Forschungszentrums, wonach das Feuer allerdings weder die Einrichtung noch die Stadt Sarow bedrohe. Nach Angaben des russischen Katastrophenschutzministeriums hatte sich die Brandfläche in den letzten drei Tagen um das Dreißigfache auf 1.500 Hektar vergrößert. Rund 600 Feuerwehrleute seien im Einsatz.

Seit 1940er-Jahren abgeschirmt

Sarow liegt etwa 150 Kilometer von Nischni Nowgorod entfernt und ist noch heute eine sogenannte geschlossene Stadt, zu der nicht jedermann Zutritt hat. Zu sowjetischen Zeiten trug Sarow den Tarnnamen Arsamas-16 und war nicht einmal auf Landkarten verzeichnet. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde hier das heutige Kernforschungszentrum eingerichtet. In diesem wurden die ersten sowjetischen Atomwaffen entwickelt, darunter auch die größte jemals getestete Wasserstoffbombe.

Waldbrände so groß wie Thüringen und Sachsen-Anhalt

Feuerwehrleute bekämpfen einen Flächenbrand in der Gemeinde Byas-Kyuyol.
Feuerwehrleute bekämpfen einen Brand in Jakutien. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Auch in vielen anderen Regionen Russlands sind Ortschaften durch die Feuer bedroht. Besonders betroffen ist Jakutien in Sibirien. Dort brannten Dutzende Häuser ab. Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. In den Regionen Irkutsk und Krasnojarsk versanken ganze Städte im Rauch. Nach Behördenangaben standen am Sonntag landesweit rund 3,5 Millionen Hektar in Flammen – das entspricht der Fläche von Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammengenommen.

Der Experte Grigori Kuksin von der Umweltorganisation Greenpeace sprach im Radiosender Echo Moskwy von den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte der russischen Wetterbeobachtung.

Lage in Griechenland weiter kritisch

Auch in Südeuropa brennt es weiter. Auf der griechischen Insel Euböa sind die Waldbrände weiter außer Kontrolle. Dort kämpften rund 500 Feuerwehrleute gegen die Flammen, die bereits zahlreiche Häuser zerstört haben und ganze Dörfer bedrohen.

Am Sonntagmorgen wurden erneut rund 350 von den Flammen eingeschlossene Bewohner vom Strand von Pefki aus in Sicherheit gebracht. Fähren und Marineboote hielten sich für weitere Evakuierungen bereit. Nördlich von Athen entspannte sich die Lage dagegen; in den türkischen Waldbrandgebieten brachte Regen Entlastung.

Quellen: dpa, Interfax

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