Krieg in der Ukraine Scholz besucht Irpin und verurteilt "sinnlose Brutalität"

Bundeskanzler Olaf Scholz hat gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi den Kiewer Vorort Irpin besucht. Dort verurteilte er die sinnlose Gewalt des russischen Angriffskrieges. Bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten sprach sich Scholz für einen sofortigen EU-Kandidatenstatus aus.

Mario Draghi, Emmanuel Macron, Olaf Scholz in Irpin
Zu Besuch in einem Kiewer Vorort – Russland hatte Irpin zu Beginn seines Angriffskrieges in der Ukraine mehrere Wochen unter seiner Kontrolle. Bildrechte: dpa

Bundeskanzler Olaf Scholz hat in der Ukraine die teilweise zerstörte Stadt Irpin besucht. Gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Italiens Regierungschef Mario Draghi und dem rumänischen Präsidenten Klaus Johannis machte er sich vor Ort ein Bild von der Lage in dem Vorort von Kiew. In Irpin waren ähnlich wie im benachbarten Butscha nach dem Abzug der russischen Soldaten knapp 300 tote Zivilisten gefunden worden.

Scholz: Sinnlose Gewalt gegen Unschuldige

Scholz äußerte sich betroffen über die Brutalität des russischen Angriffskrieges. Er sprach von sinnloser Gewalt. Es seien unschuldige Zivilisten getroffen und Häuser zerstört worden. Es sei eine ganze Stadt zerstört worden, in der es überhaupt keine militärischen Strukturen gegeben habe. Die Unterstützung für die Ukraine werde so lange fortgesetzt, wie es nötig sei.

In Irpin lebten vor dem Krieg knapp 60.000 Einwohner. Die russischen Truppen konnten die Ortschaft nicht vollständig erobern, näherten sich hier aber der Stadtgrenze der Hauptstadt bis auf wenige Kilometer.

Rückkehrer beginnen mit Aufräumarbeiten

In Irpin ist das normale Leben weitestgehend wieder aufgenommen worden. Bus- und Eisenbahnverbindungen wurden wiederbelebt, eine auf dem Rückzug der Ukrainer gesprengte Flussquerung wurde durch eine Behelfsbrücke ersetzt, die Einwohner kehrten zurück und allerorts finden Aufräumarbeiten statt. Die durch den russischen Angriff entstandenen Zerstörungen sind jedoch weiter unübersehbar.

Luftalarm in Kiew kurz nach Ankunft von Scholz

Scholz, Macron und Draghi waren gemeinsam mit einem Sonderzug nach Kiew gereist, Iohannis kam später dazu. Kurz nach ihrer Ankunft in Kiew war Luftalarm ausgelöst worden. Nach etwa einer halben Stunde wurde dieser aber wieder aufgehoben. Auch in anderen Landesteilen hatte es Luftalarm gegeben.

Ukraine soll EU-Beitrittskandidat werden

Die Politiker trafen am Nachmittag auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen. Es ist der erste Besuch der Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich und Italien in der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor knapp vier Monaten.

Die Ukraine soll nach Ansicht von Bundeskanzler Scholz einen sofortigen EU-Kandidatenstatus erhalten. Bei seinem Besuch in Kiew erklärte er, auch die Republik Moldau solle Beitrittskandidat werden. Ähnlich äußerten sich auch Macron, Draghi und Iohannis. Die EU-Kommission will morgen ihre Empfehlung abgeben, ob die Ukraine den Kandidatenstatus bekommen soll.

Union enttäuscht über Kiew-Besuch von Scholz

Die Unions-Fraktion im Bundestag hat sich enttäuscht über die Kiew-Reise von Kanzler Olaf Scholz geäußert. Vizechef Johann Wadephul kritisierte in der "Welt" vor allem, dass keine neuen Zusagen für neue Waffenlieferungen gemacht wurden. Scholz habe vorab hohe Erwartungen an seinen Besuch geschürt, die aber nicht erfüllt. Angesichts des täglichen Massensterbens im Donbass wäre es höchste Zeit gewesen, endlich klare Zusagen für die rasche Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine zu machen.

dpa/AFP(kkö)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juni 2022 | 12:00 Uhr

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