Pandora Papers Recherchenetzwerk: Offshore-Geschäfte von Politikern enthüllt

Ein internationales Recherchenetzwerk hat nach eigenen Angaben die heimlichen Offshore-Geschäfte zahlreicher Politiker enthüllt. Darunter seien auch Regierungschefs wie etwa Tschechiens Premier Andrej Babiš.

Andrej Babis
Soll laut Pandora Papers ein Schloss in Frankreich gekauft haben: Tschechiens Premier Andrej Babiš. Bildrechte: imago images / CTK Photo

Ein riesiges Datenleck enthüllt nach Angaben eines internationalen Recherchenetzwerkes die heimlichen Geschäfte hunderter Politiker mit Briefkastenfirmen. Das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), zu dem auch NDR, WDR und die "Süddeutsche Zeitung" gehören, veröffentlichte am Sonntagabend einen Teil der Rechercheergebnisse, wonach mehr als 330 Politiker und Amtsträger aus 91 Ländern in Offshore-Geschäfte verstrickt sind.

Babiš soll Schloss in Frankreich gekauft haben

Unter ihnen ist den Angaben zufolge Tschechiens Regierungschef Andrej Babiš. Er soll über ein Firmengeflecht weitgehend anonym ein Landschloss in Südfrankreich für mehr als 15 Millionen Euro erstanden haben. Für ihn ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung besonders brisant, weil in Tschechien kommende Woche ein neues Parlament gewählt wird.

Weitere Politiker belastet

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, zahlreiche Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Jordaniens König Abdullah II. und viele Prominente sind oder waren laut "Süddeutsche" Kunden bei Offshore-Firmen. Ebenfalls genannt werden der ehemalige britische Premierminister Tony Blair und seine Frau. Sie sollen demnach im Jahr 2017 über den Kauf einer Briefkastenfirma eine Immobilie in London im Wert von 7,5 Millionen Euro erworben haben. Die Daten würden den Verdacht nahelegen, dass die Blairs mehr als 300.000 Euro Grunderwerbssteuer sparten.

An der Auswertung der sogenannten Pandora Papers waren rund 600 Journalisten in 117 Ländern beteiligt. Nach Angaben des ICIJ wurden 11,9 Millionen geleakte Dokumente ausgewertet. Die Daten hätten einen Umfang von fast drei Terrabyte und stammten von 14 Unternehmen, die Offshore-Konstrukte anbieten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Oktober 2021 | 20:00 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus der Welt