Hintergrund Kasachstan: Rohstoffreiches Land mit nomadischer Tradition

Kasachstan wird seit Tagen von beispiellosen Massenprotesten erschüttert. Die rohstoffreiche Ex-Sowjetrepublik galt lange als Hort der Stabilität in der Region. Wichtige Fakten zu Kasachstan finden Sie hier.

Präsidentenpalast in Astana , Kasachstan.
Die neue kasachische Hauptstadt Astana wurde 2019 zu Ehren ihres "Führers der Nation" in Nur-Sultan umbenannt. Bildrechte: imago/photothek

Kasachstan ist das neuntgrößte Land der Welt. Es besitzt eine Fläche von mehr als 2,7 Millionen Quadratkilometern. Das von Russland betriebene Kosmodrom Baikonur in der kasachischen Steppe ist der weltweit größte Weltraumbahnhof. Von hier aus war 1961 der russische Kosmonaut Juri Gagarin zum ersten bemannten Flug ins All gestartet.

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Kasachstan ist das größte Binnenland der Erde und reich an Rohstoffen. In der Region treffen Russland, China und die zentratasiatisch-muslimische Welt aufeinander. Ein Überblick:

Do 13.01.2022 11:55Uhr 00:45 min

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Nursultan Nasarbajew - Der Langzeitherrscher

Nach Kasachstans Unabhängigkeit 1991 regierte Präsident Nursultan Nasarbajew von der Kommunistischen Partei das Land bis 2019 mit harter Hand. Der inzwischen 81-Jährige ließ keine freien Wahlen zu und nutzte die großen Öl- und Gasressourcen seines Landes, um die neue Hauptstadt Astana zu bauen, die 2019 zu seinen Ehren in Nur-Sultan umbenannt wurde. Die Wirtschaftsmetropole und frühere Hauptstadt Almaty ist aber weiterhin die größte Stadt des Landes.

Auch nach der Übergabe der Amtsgeschäfte an den heutigen Staatschef Kassim-Schomart Tokajew übt Nasarbajew weiter großen politischen Einfluss aus. Der Ehrentitel "Führer der Nation" sichert ihm umfangreiche Privilegien und Immunität vor Strafverfolgung. Nasarbajew ist ein enger Verbündeter von Russlands Präsident Wladimir Putin.

Ethnische Vielfalt durch nomadische Tradition

In Kasachstan lebt eine große russische Minderheit. In den 1970er-Jahren machte sie mehr als 40 Prozent der Bevölkerung aus, inzwischen nur noch ein Fünftel. Nach offiziellen Angaben leben in Kasachstan Menschen mit einem Hintergrund aus 130 verschiedenen Nationalitäten, von denen viele zu Sowjetzeiten als politische Gefangene dorthin verschleppt worden waren. In der kasachischen Steppe sind unter anderem deutsche, griechische und polnische Gemeinschaften entstanden.

Das Land ist stolz auf seine nomadische Tradition und feierte 2015 den 550. Jahrestag der Gründung des ersten kasachischen Staates. Die Feierlichkeiten folgten auf umstrittene Äußerungen von Russlands Präsident Wladimir Putin, der behauptet hatte, die Kasachen hätten vor ihrer Unabhängigkeit von Moskau nie einen eigenen Staat gehabt.

Kasachstan und Russland pflegen traditionell enge Beziehungen, ihre gemeinsame Geschichte birgt aber auch Konfliktpotenzial. So kritisierte Russland 2019 einen kasachischen Dokumentarfilm, in dem die These aufgestellt wurde, dass die Zwangskollektivierung des Landes zu einem Völkermord geführt habe, bei dem in den 1930er-Jahren bis zu 40 Prozent der Bevölkerung durch Hungersnöte entweder starben oder flohen.

Ölabhängigkeit und Beziehungen zu China

Kasachstan ist die größte Volkswirtschaft in Zentralasien und verzeichnete lange hohe Zuwachsraten. Die Einnahmen aus der Ölförderung machten 2020 gut ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Abhängigkeit von dem Rohstoff führte 2014 zu einer schweren Krise, als die Ölpreise einbrachen.

Das Land ist außerdem der größte Uranproduzent der Welt und verfügt über große Vorkommen an Mangan, Eisen, Chrom und Kohle. Die Ex-Sowjetrepublik ist darum bemüht, ihre Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarland China auszubauen und investiert massiv in ihr Straßen- und Bahnnetz sowie in den Ausbau der Hafeninfrastruktur, um den Handel mit der Volksrepublik voranzutreiben.

Quelle: AFP (lvr)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Januar 2022 | 12:00 Uhr

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