Russland-Ukraine-Konflikt Separatisten verkünden "Generalmobilmachung"

Die Kriegsgefahr wächst: In der Ostukraine steigt die Zahl militärischer Zwischenfälle, die Separatisten rufen zur Generalmobilmachung. Russland startet ein neues Großmanöver. Als Reaktion versetzte die Nato ihre schnelle Eingreiftruppe in den Alarmmodus. US-Präsident Joe Biden erwartet einen russischen Angriff in den nächsten Tagen.

schnelle Eingreiftruppe Very High Readiness Joint Task Force (VJFT)
Kriegsgefahr in der Ostukraine: Die Nato hat ihre schnelle Eingreiftruppe in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Bildrechte: dpa

Denis Puschilin steht während seiner Amtseinführung als Präsident der Volksrepublik Donezk, einem Gebiet im Osten der Ukraine, das von russischen Separatisten kontrolliert wird und international nicht anerkannt ist.
Puschilin steht seit 2018 in der Region Donezk an der Spitze einer selbsternannten autonomen Republik, die international nicht anerkannt ist. Bildrechte: dpa

Der Chef der pro-russischen Rebellen der "Volksrepublik Donezk" in der Ostukraine hat zur "Generalmobilmachung" aufgerufen. Denis Puschilin erklärte in einer Video-Botschaft, er habe am Samstag ein entsprechendes "Dekret" unterzeichnet. Auch die pro-russischen Kräfte in Luhansk riefen Reservisten auf, die Einschreibebüros des Militärs aufzusuchen.

Zahl der Angriffe steigt - Ukraine meldet getöteten Soldaten

Im Zuge der massiven Spannungen zwischen Russland und der Ukraine registrierte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in den letzten Tagen eine "dramatische Zunahme" der Angriffe entlang der Frontlinie in der Ostukraine. Am Donnerstag wurden demnach in Donezk 222 Verstöße gegen den Waffenstillstand gezählt, darunter 135 Explosionen.

Am Samstag setzten die Regierungsarmee und die Separatisten den gegenseitigen Beschuss fort. Nach Angaben aus Kiew wurden zwei Soldaten der ukrainischen Armee getötet.  Beide Seiten machten sich gegenseitig den Vorwurf, gegen den geltenden Waffenstillstand verstoßen zu haben. Die Aufständischen teilten mit, seit Mitternacht seien mehrere Dutzend Granaten auf ihr Gebiet abgefeuert worden. Die Armee sprach ebenfalls von zwei Dutzend Verletzungen durch die Separatisten. Unter anderem hätten diese mehrere Siedlungen beschossen und dabei schwere Artillerie eingesetzt. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Zusätzlich für Beunruhigung sorgte der Abtransport von Menschen aus dem Donbass nach Russland. Moskau hatte Zehntausenden russischstämmigen Bewohnern der Ostukraine russische Pässe ausgestellt.

Evakuierte aus der Volksrepublik Donezk werden nach ihrer Ankunft am Grenzübergang Matwejew-Kurgan im Bezirk Matwejew-Kurganskij der russischen Region Rostow am Don in ein Flüchtlingslager gebracht.
Evakuierte aus dem Donbass bei ihrer Ankunft in der russischen Region Rostow am Don. Bildrechte: dpa

Nato verlegt Mitarbeiter -Eingreiftruppe in Alarmbereitschaft

Die Nato hat aus Sicherheitsgründen ukrainische Mitarbeiter aus Kiew nach Lwiw und Brüssel verlagert. Das bestätigte ein Nato-Vertreter. Details zur Zahl der Mitarbeiter, die verlagert würden, nannte er nicht. Die Die Nato-Büros in der Ukraine blieben funktionsfähig, erklärte er.

Zuvor versetzte die Nato Tausende Soldaten in erhöhte Alarmbereitschaft. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, muss die schnelle Eingreiftruppe des Bündnisses statt bisher binnen 30 Tagen innerhalb einer Woche verlegt werden können. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass der Befehl auch für die deutschen Soldaten gilt.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, es könne "keinen Zweifel geben, dass wir nun die größte Konzentration militärischer Streitkräfte in Europa seit dem Ende des Kalten Krieges erleben". Aus Moskau kommen inzwischen auch kaum noch Töne der Entspannung, an der Internationalen Sicherheitskonferenz in München nimmt Russland erstmals seit vielen Jahren nicht teil.

Biden überzeugt von russischer Invasion

Die zunehmende Gewalt in der Ostukraine nährt die Furcht vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine weiter. US-Präsident Joe Biden sagte am Freitag, er sei "überzeugt", dass Kreml-Chef Wladimir Putin die Entscheidung für den Angriff auf das Nachbarland bereits getroffen habe. Er rechne mit der Invasion in den "kommenden Tagen".

Ein massiver russischer Truppenaufmarsch mit nach westlichen Angaben inzwischen rund 150.000 Soldaten schürt seit Wochen Befürchtungen vor einer Invasion Russlands in die Ukraine. Moskau bestreitet jegliche Angriffspläne und führt seinerseits an, sich von der Nato bedroht zu fühlen.

Putin bei großem Manöver dabei

Ungeachtet der angespannten Lage startete die russische Armee unter der Aufsicht von Präsident Putin eine großangelegte Militärübung mit atomwaffenfähigen ballistischen Raketen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Samstag, Putin habe die Militärübung vom Kreml aus gestartet und sie gemeinsam mit dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko beobachtet.

Wie der Kreml mitteilte, wurden im Rahmen des Großmanövers ballistische Raketen und Marschflugkörper abgefeuert, zudem eine Hyperschallrakete vom Typ Kinschal. Außer der Luftwaffe sind an den Übungen auch Armeeeinheiten aus dem südlichen Militärbezirk sowie die Schwarzmeer- und die Nordmeer-Flotte beteiligt.

AFP/dpa, (ans)

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Februar 2022 | 08:00 Uhr

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