Verbraucherschutz EU stärkt Rechte von Online-Kreditnehmern

Immer mehr Kredite werden übers Internet vergeben. Das geht schnell, von zu Hause und ohne große Beratung. Doch genau das ist auch ein Problem: Denn Verbraucherinnen und Verbraucher verlieren wegen der einfachen Verfügbarkeit von Online-Krediten schnell den Überblick über ihre Schulden. Deswegen will die EU Kreditnehmer nun besser schützen, etwa durch mehr Transparenz über Kosten des Kredits.

Eine Frau zeigt 2017 an einem Computermonitor auf die Webseite der Kredit-Vergleichsplattform Smava.
Ein paar Klicks und der Kredit ist beantragt. Immer mehr Menschen machen Schulden im Internet. Bildrechte: dpa

Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU werden künftig bei der Aufnahme von Schulden im Internet sowie bei Online-Käufen auf Kredit besser geschützt. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten einigten sich am Freitag auf die sogenannte Verbraucherkreditrichtlinie.

So müssen Informationen über Kredite besonders klar und verständlich gemacht werden – etwa, wie viel es kostet, sich Geld zu leihen. Zugleich soll besser überprüft werden, ob Verbraucher sich den Kredit tatsächlich leisten und später zurückzahlen können.

Ärmere Haushalte sollen vor Überschuldung geschützt werden

Ziel ist es, besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen vor Überschuldung und finanziellen Schwierigkeiten zu schützen. Das Gesetz erweitert bestehende Regeln zum Schutz von Verbrauchern bei der Schuldenaufnahme hinsichtlich neuartiger Kreditformen.

Konkret sollen die Regeln etwa für Kredite unter 200 Euro gelten sowie für Crowdlending, wobei etwa eine Online-Plattform Geld von Privatpersonen an andere Personen oder Unternehmen vermittelt. Auch Online-Käufe, bei denen Verbraucher erst später zahlen, fallen unter die neuen Regeln.

Geld leihen kostet Geld

Der Europaabgeordnete Malte Gallee (Grüne), der an den Verhandlungen teilnahm, begrüßte die Einigung. Die neue Richtlinie verbessere den Schutz von Verbrauchern im Kreditbereich und leiste einen wichtigen Beitrag, um wachsende Überschuldung zu verhindern.

Die neuen Regeln sähen etwa vor, dass Unternehmen nachsichtiger Methoden finden müssten, wenn Kredite nicht zurückgezahlt werden könnten, anstatt direkt vor Gericht zu ziehen, sagte er. Zudem müsse in der Werbung klar erklärt werden, dass Geld-Leihen auch Geld koste. "Was aussieht wie ein Kredit, soll auch behandelt werden wie ein Kredit", teilte Gallee mit.

Steigende Kosten verführen zur Kreditaufnahme

In der gegenwärtigen Krise griffen mehr Menschen – vor allem in Haushalten mit niedrigem Einkommen – auf Verbraucherkredite zurück, um ihre täglichen Lebenshaltungskosten zu decken, kommentierte Peter Norwood von der Organisation Finance Watch. "Ich bin froh, dass die EU-Entscheidungsträger Maßnahmen ergriffen haben, um den Verbraucherkreditmarkt in einer Zeit großer Unsicherheit sicherer und fairer zu machen."

Die Einigung muss noch formell vom Parlament und den Ländern bestätigt werden, das gilt aber als Formsache. Für Immobilienkredite will die EU eine gesonderte Richtlinie beschließen.

dpa(asü)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2022 | 11:30 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/78bd1cbb-4434-43fa-9075-f9522ffac222 was not found on this server.

Mehr aus Wirtschaft

Jörn Heinrich Tobaben 26 min
Bildrechte: Europäische Metropolregion Mitteldeutschland (EMMD)
Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz 1 min
Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz Bildrechte: ARD

Mehr aus Deutschland

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, RKI-Chef Lothar Wieler und Intensivmedizinier Christian Karagiannidis bei der Bundespressekonferenz in Berlin zur aktuellen Corona-Lage mit Video
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, RKI-Chef Lothar Wieler und Intensivmedizinier Christian Karagiannidis bei der Bundespressekonferenz in Berlin zur aktuellen Corona-Lage Bildrechte: IMAGO / Chris Emil Janßen
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im Interview im Moma 1 min
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im Interview im Moma Bildrechte: ARD/ZDF
1 min 30.01.2023 | 15:11 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich zu Fehlern während der Pandemie geäußert. So seien Schulen und Kitas zu lange geschlossen worden, das sei auf mangelndes Wissen der Wissenschaftler zurückzuführen.

Mo 30.01.2023 14:56Uhr 01:18 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/video-lauterbach-fehler-pandemie-corona-zugeben100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video