UNESCO-Welterbetag am 7. Juni 2020 Zeuge aus Stein und Weltkulturerbe: Der Naumburger Dom

Sie sind Zeugnisse unseres kulturellen Erbes: Burgen, Schlösser, Parks aber auch Kirchen. Doch es gibt nur 46 Stätte in Deutschland, die den Titel Welterbe in Deutschland tragen. Zum Welterbetag am 7. Juni laden sie zum virtuellen Rundgang und präsentieren sich so erstmals gemeinsam digital. Auch der Naumburger Dom, einer der wichtigen Kathedralbauten des Hochmittelalters. Doch was ist das Besondere an diesem Zeugen aus Stein?

Unter dem Motto "Welterbe verbindet" steht der Unesco-Tag am 7. Juni. Corona-bedingt präsentieren sich die 46 deutschen Welterbestätten ersmals im digitalen Format. Dazu wurde eine Webseite eingerichtet, die eine "virtuelle Entdeckungstour durch das vielfältige Kultur- und Naturerbe Deutschlands" anbietet. Mit kleinen Videobotschaften geben lokale Welterbe-Experten Einblicke in die Geschichte der Welterbestätten. So auch in den Naumburger Dom.

Besuchermagnet an der Straße der Romantik

Der Naumburger Dom zählt zu den bedeutenden deutschen Kathedralbauten des Hochmittelalters. Zugleich ist St. Peter und Paul mit seinen vier Türmen Wahrzeichen der Stadt an der Saale, die im Süden Sachsen-Anhalts nahe der Unstrutmündung liegt. Als Beispiel für die Baukunst der späten Romanik und der frühen Gotik gehört der Dom zu den Besuchermagneten an der "Straße der Romanik".

Der Naumburger Meister - Lettner und Stifterfiguren beeindrucken bis heute

Gebaut wurde ein Großteil des Domes, so wie wir ihn heute kennen, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der West-Lettner und die berühmten Stifterfiguren aus der Werkstatt des unbekannten Naumburger Meisters sind einzigartige Kunstwerke der frühgotischer Steinmetzkunst.

Von dem Baumeister selbst ist kaum etwas überliefert. Kein Name, kein Geburtsdatum. Keine Herkunft. Nur sein spektakuläres Werk. Die zwölf Stifterfiguren schuf er allein aus seiner Vorstellungskraft. Markgraf Ekkehard II., seine Gemahlin Uta und die anderen waren schon lange tot, als er sie in Stein gehauen hat. Seine Lehrjahre verbrachte der unbekannte Meister vermutlich in Frankreich, dort, wo zu jener Zeit die großen Kathedralen gebaut wurden. Seine Schöpfungen beeindrucken die Menschen noch heute.

Professor Dr. Hartmut Krohm, Experte für Mittelalterskulptur, erklärte dazu: "Dieses Paar, in der Art, wie sich Markgraf Ekkehard II. und Uta hier zeigen, verkörpern sie Idealvorstellungen der Adelskultur des 13. Jahrhunderts in einer vollendeten Weise." Das könne man daran erkennen, dass Uta keinerlei innere Regung nach außen zu zeigen scheine, ihr Gesicht sei "unnahbar kühl, wie eine Maske fast, sie beherrscht also ihre ganze Gefühlswelt". Da bedürfe es eines Bildhauers, "der ganz viel Wissen mit sich trägt, dass er das in den Stein umzusetzen weiß. Selbst in den Partien in denen die Figur völlig vom Gewand umhüllt ist, da spürt man, dass hinter den Stoffmassen ein wirklicher Körper ist."

Von Neo Rauch gestaltete Fenster in der Elisabethkapelle des Naumburger Doms
Die von Neo Rauch gestaltete Fenster in der Elisabeth-Kapelle des Naumburger Doms Bildrechte: imago images / epd

Neben dem Ensemble des Naumburger Meisters gibt es noch andere Schätze im Dom: Die älteste Steinskulptur der Heiligen Elisabeth von Thüringen (1207-1231), ein Altar aus der Werkstatt von Lucas Cranachs und die von Neo Rauch im Jahr 2007 gestalteten Fenstern mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth.

Bis heute eine Kirche und kein Museum

Vor lauter Kunstschätzen könnte vergessen werden, dass der Naumburger Dom kein Museum, sondern bis heute eine Kirche ist. Jedem Montagmorgen beginnen die Schulkinder der Evangelischen Domschule St. Martin hier ihre Woche mit Gebet und Gesang. Die evangelische Gemeinde füllt den Dom mit Leben. Heute wird der Dom von einer Stiftung verwaltet.

Weihe des ersten Bischofs durch Luther persönlich

1542 fand die Amtseinsetzung des weltweit ersten evangelischen Bischofs, Nikolaus von Amsdorf, im Dom statt. Martin Luther (1483-1546) hat sie persönlich vollzogen. Eine Lutherfigur an der Kanzel erinnert heute daran.

Der Naumburger Dom wurde bereits 1998 in die Vorschlagsliste der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. 2008 gründete sich der Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut. Zwei Anträge 2015 in Bonn und 2017 in Krakau zur Aufnahme als Unesco-Weltkulturerbe scheiterten jedoch. Anfang Juli 2018 entschied das Welterbekomitee in Bahrain, das Gotteshaus in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufzunehmen.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Die Schöne und der Meister | 07. Juni 2020 | 07:30 Uhr