Der Redakteur | 15.11.2021 Wie gehe ich mit unerwünschten Telefonanrufen um?

Jürgen Niebur aus Artern kämpft mit einer Flut von unerwünschten Telefonanrufen und fragt sich, was er dagegen tun kann. Schließlich nutzen die Anrufer oft gefälschte oder ganz ausgeblendete Nummern. Und wäre es im Umkehrschluss auch technisch möglich, eine vermeintlich kostenlose Nummer auf eine kostenpflichtige umzuleiten? Unser Redakteur Thomas Becker klärt auf.

Es ist wie das Märchen vom Hasen und dem Igel. Ob es am Ende auch gut ausgeht, das hängt jedoch sehr vom eigenen Verhalten ab. Immer dann, wenn wir uns auf eine Masche eingestellt haben, kommt die nächste. Zunächst kann man schon vorsorgen und grundsätzlich Bezahl- und Auslandsnummern von der Telefongesellschaft sperren lassen, es sei denn, man telefoniert gern ins Ausland.

Doch da gibt es längst viel günstigere bis kostenlose Möglichkeiten, sogar mit Bild. Außerdem sollte man grundsätzlich (besonders bei den Kindern!) beim Handyprovider eine Drittanbietersperre einrichten lassen. Dann kann die Abo-Falle nicht mehr zuschlagen, also es können keine fremden Gelder über die Telefonrechnung abgerechnet werden.

Wie gefährlich ist der Rückruf?

Wenn man eine Nummer zurückzuruft, die nach einer deutschen Telefonnummer aussieht, dann ruft man auch diese deutsche Telefonnummer an. Es ist also technisch nicht möglich, dass man beispielsweise 040… für Hamburg per Rückruf wählt, das Telefon wählt aber stattdessen 0900… und es wird dann teuer.

Kleine Ausnahme: Ihr Handy - das ist ja eher ein Computer als ein Telefon - wurde von irgendwelchen Hackern gekapert und mit einer Schadsoftware versehen, die unter anderem solchen Schabernack treibt. Dafür müssen Sie aber vorher schon einige Fehler begangen haben. Einer der Fehler ist es bekanntlich, auf irgendwelche Links zu klicken, die zum Beispiel per E-Mail oder SMS verschickt werden.

Nun ist aber auch bei den Abzockern angekommen, dass wir vorsichtiger geworden sind. Wir klicken nicht mehr so leichtsinnig auf irgendwelche Links, die letztlich dazu führen, dass unser Computer gesperrt wird und nur gegen Zahlung einer Geldsumme wieder freigeschaltet wird. Und wir wissen auch, dass sich hinter einem solchen Link Schadsoftware verbergen kann, die Kontodaten und Passwörter ausspioniert.

Deshalb haben die Betrüger die nächste Stufe gezündet, sie rufen an und erzählen uns ausnahmsweise mal nichts von irgendwelchen in Not geratenen Verwandten, sondern, dass unser Computer in Not ist. Virenverseucht, Lizenz wurde für kriminelle Aktivitäten verwendet und so weiter. Als vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter sind sie aber bereit, bei der Schadensbeseitigung tatkräftig zu helfen.

Wenn Sie einen Anruf erhalten und dann sagt jemand, "Ich bin von Microsoft und mit Ihrem Computer gibt es ein Problem", dann hat er schon gelogen.

Hajo Schulz, Redakteur beim Computermagazin c‘t

Microsoft - und das hat sich die Verbraucherzentrale gerade offiziell bestätigen lassen - wird niemals Privatanwender wegen irgendwelcher Probleme anrufen. c‘t-Redakteur Hajo Schulz rät auch davon ab, Detektiv spielen zu wollen und sich zum Schein auf irgendetwas einzulassen.

Die Betrüger sind mit allen Wassern gewaschen und offenbar intensiv geschult. Sie versuchen mit verschiedenen Mitteln, den Angerufenen zu verleiten, irgendwelche Seiten aufzurufen oder bestimmte Google-Suchen auszuführen, die letztlich auch wieder auf verseuchte Seiten führen.

Das Ergebnis ist das gleiche, als würde man auf einen Link klicken. Alternativ versuchen die Betrüger aber auch, zunächst völlig harmlose Fernsteuerungssoftware wie Teamviewer zu installieren, also etwas, das auch ein echter Computer-Service für seinen Support nutzt. Nur dieser wird gewöhnlich ein Problem lösen und keines schaffen.

Dass 2016 deutsche und indische Ermittler ein Callcenter in Indien ausgehoben haben und anschließend diese Art Anrufe spürbar nachließ, das ist offenbar nur eine kurze Entspannung gewesen. Mittlerweile, so die Bundesnetzagentur, ist das Anrufaufkommen wieder deutlich angestiegen. Wichtigste Empfehlung deshalb: einfach auflegen.

Denn auch der Selbstversuch mit streng dienstlichem Hintergrund offenbarte: Auch auf geschickt gestellte Fragen, wie zum Beispiel auf die Frage nach dem Namen, haben die Betrüger eine Antwort parat, die letztlich in der Aufforderung endet, man solle doch den Namen googlen. Und auch das könnte schnell zu einer Seite führen, die man besser nicht besuchen sollte.

Bei der Bundesnetzagentur sind 2021 bis heute knapp 9.000 schriftliche Beschwerden eingegangen, bei denen in irgendeiner Form der Begriff "Microsoft" genannt wurde. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Anzahl der tatsächlich erfolgten Anrufe deutlich höher ausfällt.

Schriftliche Mitteilung der Bundesnetzagentur vom 15.11.2021

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 15. November 2021 | 15:40 Uhr