Der Ernstfall Was zu tun ist, wenn ein Angehöriger stirbt

Wenn ein vertrauter Mensch stirbt, wiegt der Verlust schwer. Zur Trauer kommt dann noch, dass man gar nicht weiß, was in so einem Fall zu tun ist. Wer wird zuerst informiert: Bestatter, Polizei oder Arzt? Welche Unterlagen müssen bereitgehalten werden? Welche Schritte sind zu gehen bis zur Abschiednahme am Grab? Für MDR um 4 erklärt ein Bestatter alles Wichtige.

Zwei Rosen und ein Grablicht auf einem Grab
Der Tod spielt in unserem Alltag kaum eine Rolle. Und doch ist er unausweichlich. Bildrechte: dpa

Nichts ist so gewiss wie unser Tod. Dennoch spielt er im modernen Alltag unserer westlichen Gesellschaft kaum eine Rolle. Der Tod wird meist verdrängt. Doch spätestens dann, wenn ein Elternteil, der Partner, ein Freund oder ein Familienmitglied stirbt, müssen wir uns mit den Fragen, die damit zusammenhängen, auseinandersetzen:

1. Direkt nach dem Todesfall

  • Arzt verständigen, um den Tod offiziell feststellen zu lassen (Totenschein wird ausgestellt); wenn der Hausarzt nicht erreichbar ist, muss der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst (Tel. 116117) angerufen werden
  • Benachrichtigung der engsten Angehörigen und weitere Schritte besprechen
  • Wichtige Unterlagen des Verstorbenen suchen (Personalausweis, Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, usw.)
  • Verträge und Verfügungen des Verstorbenen suchen und entsprechend handeln (z.B. Testament, Vorsorgevertrag mit Bestattungsinstitut, Willenserklärung zur Feuerbestattung, Bestattungsverfügung, usw.)

2. Innerhalb von 36 Stunden nach dem Todesfall

Eine Frau sitzt traurig auf der Couch und stützt dabei ihren Kopf an ihrer Hand ab.
In den ersten Tagen nach dem Todesfall bleibt für die eigene Trauer kaum Zeit. Bildrechte: IMGAO / Westend61

  • Wohnung versorgen (Haustiere und Pflanzen versorgen, ggf. Strom, Gas, Wasser abstellen)
  • Bestattungsinstitut auswählen
  • Leistungsumfang Bestattungsvertrag & Bestatter – welche Aufgaben werden selbst übernommen?
  • Auswahl des Sarges, der Urne, der Totenbekleidung, Umfang der Trauerfeier, usw.
  • Abholung des Verstorbenen und Überführung des Leichnams in die Leichenhalle
  • Sterbefall beim Standesamt melden und Sterbeurkunden ausstellen lassen
  • evtl. vorhandenes Testament beim Nachlassgericht abgeben
  • Krankenkasse benachrichtigen, Lebens– und Unfallversicherung informieren
  • Pfarramt benachrichtigen, falls kirchlicher Beistand erwünscht ist
  • Arbeitgeber des Verstorbenen verständigen; Bekannte und Verwandte kontaktieren

3. Bis zur Trauerfeier und Beerdigung / Bestattung

  • Bestattungsform bestimmen (Bestattungsarten: z.B. Erd-, Feuer-, Seebestattung, usw.)
  • Friedhof und Grab auswählen. Grabnutzungsrechte erwerben bzw. verlängern
  • Termin für Bestattung mit dem Friedhofsträger / der Grabstättenverwaltung festlegen
  • Genehmigung des Krematoriums einholen (nur bei Feuerbestattungen)
  • Terminabsprache und Trauergespräch mit dem Pfarrer oder Trauerredner
  • Todesanzeige aufsetzen und Trauerkarten versenden
  • Grabschmuck für Trauerhalle und Grab bei Gärtnerei bestellen (Blumen, Kränze, Trauerschleifen)
  • Gaststätte / Café für Beerdigungskaffee reservieren

4. Nach der Trauerfeier / Beisetzung

Eine Frau sitzt auf einem Friedhof auf einer Bank
Eine der letzten Aufgaben ist die Beauftragung von einem Steinmetz. Bildrechte: dpa

  • Danksagungskarten verschicken und / oder Danksagungsanzeige per Zeitungsinserat aufgeben
  • laufende Zahlungen abbrechen & Verträge, Mitgliedschaften, Miete, Abos, Strom, Telefon kündigen
  • Abmelden bei Versicherungen, Rentenkasse, Krankenkasse, Firma, Behörden, Ämtern, usw.
  • Akte mit wichtigen Dokumenten anlegen (z.B. Sterbeurkunde, Grabnutzung & Pflege, Abrechnungen)
  • Räumung der Wohnung
  • nach Testamentseröffnung den Erbschein beim Nachlassgericht beantragen
  • Nach etwa sechs Wochen das Grab aufräumen und Grabpflege organisieren
  • Nach etwa sechs Monaten einen Steinmetz für Grabeinfassung und Grabstein beauftragen

Eine Checkliste finden Sie auch auf den Seiten des Bundesverbands Deutscher Bestatter e.V.

Quelle: MDR um 4

Ratgeber

Der Bestatter Jim Bruchalla.
Bildrechte: MDR/Jim Bruchalla

Leben Jim Bruchalla

Jim Bruchalla

Jim Bruchalla kommt 2015 über einen Schicksalsschlag zum Bestattungswesen. Nachdem sein Vater unerwartet stirbt, macht er eine Ausbildung zum Bestatter und betreibt seitdem ein Beerdigungsinstitut in Bergen auf Rügen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 21. Februar 2022 | 17:00 Uhr

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