Tierkrankenversicherungen Tierarztkosten steigen – lohnt sich eine Versicherung?

Haustierbesitzer müssen bald deutlich mehr für die Behandlung ihrer Lieblinge zahlen. Denn am 22. November tritt eine neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Kraft. Die Bundestierärztekammer ist darüber froh, die Tierhalter sind entsetzt. Viele überlegen sich jetzt, eine Tierkrankenversicherung abzuschließen. Doch lohnt sich das?

Katze beim Tierarzt
Eine Tierkrankenversicherung kann helfen, Kosten beim Tierarzt abzufangen. Doch längst nicht alles wird auch versichert. Hier sollte man genau hinschauen. Bildrechte: Colourbox.de

Verbraucherschützer raten zur Vorsicht

Trotz der höheren Kosten ab November raten Verbraucherschützer, dass man immer gut abwägen sollte, ob man eine Tierkrankenversicherung braucht oder nicht. "Man muss überlegen: Kann ich selber Rücklagen bilden, also kann ich jeden Monat etwas abknapsen um für den Fall der Fälle etwas zu haben oder schließe ich eine Versicherung ab?", sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW zur MDR Wirtschaftsredaktion. Er gibt aber auch zu bedenken: "Jeder muss sich bewusst sein: Ein krankes Tier kostet! Das kann schnell in die Hunderte oder gar Tausende gehen".

Mann im Anzug vor grauem Hintergrund
Philipp Opfermann ist Versicherungsexperte von der Verbraucherzentrale NRW. Bildrechte: Verbaucherzentrale NRW

Kann ich jeden Monat etwas abknapsen, um für den Fall der Fälle etwas zu haben oder schließe ich eine Versicherung ab?

Philipp Opfermann Verbraucherzentrale NRW

Beispiele für Preissteigerungen

Nach dem Inkrafttreten der neuen Gebührenordnung im November werden die nötigen Rücklagen für alle Tierhalter ohne Versicherung noch wachsen. Selbst eine allgemeine Untersuchung und Beratung kostet für Hundebesitzer künftig 23,62 Euro statt bisher 13,47 Euro, also deutlich mehr als das Anderthalbfache. Besitzer von Katzen müssen sogar noch tiefer in die Tasche greifen, schließlich trifft sie eine Preissteigerung von 163 Prozent. Kostete die Untersuchung früher 8,98 Euro, liegt sie bald identisch mit der von Hunden bei 23,62 Euro. Weitere Beispiele sehen Sie im Kasten.

Wichtig: Kleingedrucktes lesen!

Die erhöhten Kosten werden wahrscheinlich zu einem Run auf die Versicherer führen. Birgit Binder von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt mahnt aber alle Tierhalter, das Kleingedruckte in den Verträgen sorgfältig zu lesen, bevor man unterschreibt: "In einigen Verträgen gibt es Honorarbegrenzungen, jährliche Höchsterstattungsgrenzen, oder Höchsterstattungen pro Leistungsfall, Ausschlüsse bestimmter erblicher Vorerkrankungen oder Fehlentwicklungen (z.B. sind beim Mops schwere Atemprobleme ausgeschlossen). Auch ist es möglich, dass die Versicherung nach einer Inanspruchnahme kündigen könnte. Oft steigt auch der Beitrag mit dem Alter des Tieres und/oder die Selbstbeteiligung erhöht sich. Man kann sagen, je älter und größer ein Tier, desto teurer die Versicherung."

Je älter und größer ein Tier, desto teurer die Versicherung.

Birgit Binder Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Abwägung: Welche Fälle sollen abgesichert werden?

Die Besitzer sollten sorgfältig abwägen, welche Vertragsbestandteile für die Krankenversicherung ihrer Tiere wichtig sind. Schließlich sind manche Tierarten und Rassen anfälliger als andere. Laut der Internetseite transparent-beraten.de sollte jeder Tierhalter darüber nachdenken, ob die Versicherung die folgenden Punkte enthalten soll:

Ambulante und stationäre Behandlungen

Die ambulante sowie stationäre Behandlung des Haustieres sollte in jedem Tarif enthalten sein und umfasst Tierarztbehandlungen in einer entsprechenden Praxis, ebenso wie die stationäre Unterbringung des Haustieres, wenn der Gesundheitszustand beispielsweise einer besonderen Überwachung bedarf.

Vorsorgemaßnahmen

Zu den Vorsorgemaßnahmen gehören zum Beispiel Impfungen, die zumeist jährlich oder halbjährlich fällig sind. Bei vielen Versicherern wird dies über eine jährliche Pauschale von 50 bis 100 Euro übernommen.

Operationen

Wer eine Tierkrankenversicherung abschließt, muss sich nicht um eine separate Tier-OP-Versicherung kümmern, da der OP-Schutz hier bereits enthalten ist. Kosten, die durch eine Operation unter Narkose entstehen, werden vom Versicherer prozentual bzw. bis zur vereinbarten Versicherungssumme übernommen.

Kastrationen

Auch Kosten für eine Kastration werden von einigen Versicherern übernommen, wenn sie aus medizinischer Sicht notwendig sind. Die Notwendigkeit muss vom Tierarzt bestätigt werden.

Auslandsaufenthalte

Wer viel unterwegs ist und gerne reist, möchte sein Haustier auch im Ausland gut versichert wissen. Aus diesem Grund gilt der Versicherungsschutz für einen begrenzten Zeitraum auch im Ausland. Dieser beträgt zumeist zwischen vier und zwölf Monaten und gilt entweder europa- oder sogar weltweit. Einige Versicherer übernehmen auch Kosten für einen medizinisch notwendigen Rücktransport nach Deutschland.

Versicherungsverträge: Preise und Wartezeiten werden sich erhöhen

Hat man dann sein Versicherungspaket geschnürt, werden die monatlichen Kosten berechnet. Die variieren stark, je nachdem, welches Tier versichert werden soll. Katzen können ab 12,53 Euro im Monat und damit deutlich günstiger versichert werden als Pferde, für die eine Krankenversicherung ab 164 Euro im Monat kostet. Philipp Opfermann warnt aber: "Keine Tierkrankenversicherung deckt alle Kosten ab, die kommen können. Wann immer möglich – legen Sie Geld zur Seite". Und Birgit Binder weist noch darauf hin, dass es jetzt oft schon eine Wartezeit für den Abschluss von Tierkrankenversicherungen gibt. Die könne zwischen sechs und 18 Monaten liegen und wird sich ab November wahrscheinlich noch erhöhen.

Tierkrankenversicherungen im Vergleich

Auf die Frage, welche Tierkrankenversicherung nun die richtige ist, gibt es keine eindeutige Antwort, denn die Zahl der Anbieter ist hoch. Einen aktuellen Preisvergleich finden Tierhalter, die eine Krankenversicherung für Hunde, Katzen oder Pferde abschließen wollen, gibt es etwa bei Check24. Die Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest hatte sich 2021 mit Tierkrankenversicherungen beschäftigt, speziell für Hunde, und hat hier verschiedene Anbieter verglichen. Nach der Ankündigung der Änderung der Gebührenordnung ist mit einem Ansturm auf die Versicherer zu rechnen.

MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Juli 2022 | 06:00 Uhr

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