Energiepreise Selber Energie erzeugen und Geld sparen

Die Preise für Strom, Gas und Heizung gehen weiter steil nach oben. Da ringen viele Unternehmer darum, unabhängig zu werden von fossilen Energien. Eine Agrargenossenschaft aus dem Osterzgebirge macht es vor. Dort werden die Fahrzeuge mit Pflanzenöl betankt und eine eigene Windkraftanlage sorgt für Strom. Ein Start-up aus Leipzig bietet Solaranlagen für den privaten Balkon an. Die sächsischen Grünen hoffen, dass solche Konzepte Leute dazu bringen, noch energiesparender zu haushalten.

Solarmodule sind an einem Balkon montiert.
Mit zwei Solarmodulen können ca. 600 Watt ins Wohnungsnetz eingespeist werden. Bildrechte: MDR-Umschau

Die Solaranlage auf dem Balkon

Mieterinnen und Mieter sehen der nächsten Nebenkostenabrechnung sorgenvoll entgegen. Die Preise für Strom und Gas steigen weiter. Es werden die Heizungen runtergedreht und noch eine Jacke mehr angezogen. Das Licht kann konsequenter gelöscht, die Waschmaschine seltener genutzt werden, um Strom zu sparen.

Hans-Peter Knötig aus Leipzig hat sich letzten Sommer eine Solaranlage für den Balkon gekauft. Der Leipziger Mieter hoffe, damit jährlich 80 bis 100 Euro an Stromkosten zu sparen.  Es gibt noch nicht so viele Balkonkraftwerke, doch es werden immer mehr – auch in Leipzig. Wichtige Voraussetzung: Der Balkon sollte nach Süden ausgerichtet sein.

Solarmodule sind an einem Balkon montiert.
Hans-Peter Knötig spart Stromkosten, seit er sich ein Solarmodul für den Südbalkon gekauft hat. Bildrechte: MDR-Umschau

Es bringt auf jeden Fall was. Ich kann es ja auch messen. Ich habe eine Energiesteckdose und so im Sommer liegt das Maximum bei einer Kilowattstunde pro Tag, was ja gar nicht so wenig ist.

Hans-Peter Knötig, Besitzer einer Steckersolaranlage

Was kostet die Mini-Solaranlage und wie wird sie betrieben?  

Die Anschaffungskosten sind überschaubar. 350 bis 450 Euro kostet eine Minianlage mit einem Modul. Bis zu 300 Watt kann ein Modul ins Wohnungsnetz einspeisen. Eine normale Hausanlage mit modernen Zählern lässt rein technisch pro Wohnung zwei Module zu. 600 Watt Einspeisung, so die Bundesnetzagentur, sind kein Problem.

Der Strom wird nur dann produziert, wenn die Sonne scheint. Wenn tagsüber niemand da ist, wird der Strom kaum verbraucht.

Verbrauchertipp Die Geräte, zum Beispiel den Geschirrspüler so programmieren, dass diese Strom ziehen, wenn die Sonne scheint.

Solaranlage made in Leipzig

Lukas Hoffmeier handelt mit Steckersolaranlagen. Sein Startup-Unternehmen, die Priwatt GmbH verkaufte anfangs noch 20 Anlagen im Monat. Heute sind es 2.000 pro Woche.

Der Unternehmer erklärt: Um den eigenen Balkon-Strom zu nutzen, braucht man die Zustimmung seines Vermieters und muss die Anlage beim Netzbetreiber anmelden. Wichtig: Nach der Inbetriebnahme die Anlage noch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registrieren lassen. Der Verbraucher kann das selber machen oder seinen Händler damit beauftragen.

Ein bürokratischer Aufwand, der noch aus fossilen Zeiten stammt.

Lukas Hoffmeier, Geschäftsführer priwatt GmbH

Lukas Hoffmeier
Lukas Hoffmeier leitet die Geschäfte bei der Priwatt GmbH. Bildrechte: Lukas Hoffmeier (für MDR bereit gestellt)

Stadt Leipzig fördert Balkon-Strom

Als erste ostdeutsche Kommune will Leipzig die Nutzung von Balkonkraftwerken finanziell fördern. Schon vor einem Jahr wurde der Antrag der Grünen dazu bewilligt. 500.000 Euro stehen im Haushalt dafür bereit. Mit 200 Euro soll jedes Modul bezuschusst werden. Doch noch immer gebe es keine Verwaltungsvorschriften zur Umsetzung, teilt Sophia Kraft, energiepolitische Sprecherin der Leipziger Grünen mit. Deswegen wolle die Partei nun aufs Tempo drücken.

Sophie Kraft,Bündnis 90/Die Grünen, energiepolitische Sprecherin der Fraktion im Stadtrat Leipzig
Sophia Kraft von Bündnis 90/Die Grünen ist energiepolitische Sprecherin der Fraktion im Stadtrat Leipzig. Bildrechte: Sophie Kraft

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen, betont Sophia Kraft, den Bildungs- und Bewusstseinsaspekt. Wenn beispielsweise in der Mittagszeit auf dem eigenen Balkon Strom produziert werde, könne man zu der Zeit die Waschmaschine laufen lassen und dies mittels Zeitschaltuhr programmieren. Die Leute, so die Grünen-Sprecherin, würden ganz anders über Energiesparen nachdenken, wenn sie selber produzieren. Das sieht auch der Energieberater, Michel Matke so: "Ich denke, auch der Bürger kann zur Energiewende beitragen".

Michel Matke
Diplom-Ingenieur Michel Matke berät Verbraucherinnen und Verbraucher in Sachen Energie sparen. Bildrechte: Michel Matke (für MDR)

Sächsisches Unternehmen wird autark

In der Clausnitzer Agrargenossenschaft "Bergland" ist die Energiewende bereits vollzogen. Mit reichlich Photovoltaik auf den Dächern der Kuhställe, drei eigenen Windrädern, und ebenso vielen Biogasanlagen produziert die Genossenschaft im Osterzgebirge mittlerweile das Zehnfache des eigenen Strombedarfs. "Wir wollten uns unabhängig machen von anderen Märkten", sagt Marian Mainka von der Clausnitzer Agragenossenschaft. In dem sie zum Beispiel Strom selber produzieren, könnten sie die Niedrigpreise, etwa beim Milchabsatz kompensieren.

Marian Mainka Agrargenossenschaft "Bergland", Clausnitz
Marian Mainka setzt in seiner Agrargenossenschaft komplett auf erneuerbare Energien. Bildrechte: Marian Mainka

Tanken mit Pflanzenöl

Wenn sein Mitarbeiter Andreas Neubert mit seinem Traktor zum Tanken fährt, könne er sich angesichts der aktuellen Dieselpreise ein kleines Grinsen nicht verkneifen, sagt Landwirt Marian Mainka. Denn der halbe Fuhrpark der Genossenschaft tankt Pflanzenöl, gepresst in der genossenschaftseigenen Ölmühle aus selbstangebautem Raps. Von den 300.000 Litern Kraftstoff, die sie jährlich verbrauchen, könnten sie cirka ein Drittel selber produzieren.

Die eigene Kraftstoffproduktion sei aber nur ein Punkt der genossenschaftlichen Energieproduktion. 1,8 Millionen Euro, ein Drittel ihrer Umsätze, hätte die Genossenschaft im letzten Jahr mit dem Verkauf von Elektroenergie gemacht.

Nahaufnahme einer Zapfpistole.
Der Traktor wird mit Rapsöl betankt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wärmeenergie aus dem Kuhstall

Die Bauern verfolgen die Philosophie geschlossener, regionaler Kreisläufe. Den Ausgangsstoff für die Biogasproduktion liefern die 800 Kühe mit der anfallenden Gülle. Diese wiederum bietet Nahrung für methangasproduzierende Bakterien. Die Gasturbinen erzeugen daraus nicht nur Strom, sondern auch jede Menge Abwärme.

Diese nutzt die Genossenschaft in einer betriebseigenen Wäscherei, zum Beheizen von Wohn- und Betriebsräumen, in einer großen Trocknungsanlage für Holz und Getreide und der Ölmühle. Dadurch sparen die Bauern noch einmal mindestens 250.000 Euro Energiekosten jährlich.

In Clausnitz ist man damit auf dem besten Wege energetisch vollkommen autark zu werden.

Luftaufnahme Agrargenossenschaft "Bergland" Clausnitz
Die Agrargenossenschaft "Bergland" in Clausnitz aus der Luft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR UMSCHAU | 26. April 2022 | 20:15 Uhr

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