Tarifwechsel Preiserhöhung bei Gas erfolgreich umgehen

Vielen privaten Haushalten wurde aktuell eine Gaspreiserhöhung zum Jahreswechsel angekündigt. Die muss man jedoch nicht tatenlos hinnehmen. Die Erhöhung könnte oft ganz oder teilweise umgangen werden, wenn der Tarif beim bisherigen Anbieter oder der Lieferant gewechselt werden. Und nicht nur das: Möglicherweise bringt der Wechsel sogar eine Gaspreissenkung. Das zeigt eine Stichprobe der MDR-Wirtschaftsredaktion.

Gasherd
Eine Gaspreiserhöhung sollte nicht tatenlos akzeptiert werden. Bildrechte: colourbox.com

Derzeit erhöhen Stadtwerke und regionale Anbieter vor allem ihre Grundversorgungstarife. Bei den anderen Gasverträgen schützen in der Regel Preisgarantien vor einer Erhöhung. Trotz vieler Tarif- oder Anbieterwechsel in den vergangenen Jahren haben nach Angaben der Bundesnetzagentur noch rund ein Viertel der privaten Haushalte einen Grundversorgungsvertrag. Deshalb hat sich die MDR-Wirtschaftsredaktion zusammen mit dem Vergleichsportal Verivox auf die Suche nach günstigen Preisen für erhöhte Grundversorgungsverträge in Mitteldeutschland gemacht. In der Stichprobe sind die Anbieter mit den jeweils fünf größten Preisaufschlägen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen enthalten.

Erhöhungen bei 80 Prozent der Anbieter In der aktuellen Preiserhöhungswelle haben nach Angaben des Vergleichsportals Check24 in Mitteldeutschland vier von fünf Unternehmen ihre Gaspreise bereits seit Herbstanfang erhöht bzw. eine Erhöhung zum Jahresbeginn angekündigt. In Sachsen sind es 36 der 43 Grundversorger, in Sachsen-Anhalt 26 von 33 und in Thüringen 26 von 35 Gasanbietern.
Insgesamt fallen die Erhöhungen unterschiedlich hoch aus. In allen drei Ländern verlangen die meisten Anbieter bis zu einem Drittel mehr: In Sachsen sind es 27 von 36, in Sachsen-Anhalt 20 von 26 und in Thüringen 18 von 26. Mit einem Aufschlag von 59 Prozent hat Thüringen im Drei-Länder-Vergleich den kleinsten Spitzenwert. Den mit Abstand höchsten Aufschlag in Sachsen-Anhalt verlangt Vattenfall in Zörbig mit 84 Prozent. In Sachsen gibt es zwei Anbieter, die den Preis sogar verdoppelt haben.

Viele Haushalte könnten von Wechsel profitieren

Das Ergebnis: Es gab in elf der 15 Stichproben ein preiswerteres Angebot. Damit konnte zwar nicht jede Erhöhung abgebogen werden, aber in einigen Fällen zumindest teilweise. In vier Fällen konnte die ausgesprochene Erhöhung um 16 bis 24 Prozent reduziert werden, in vier weiteren um 68 bis 97 Prozent. Bei drei Preiserhöhungen könnte ein Wechsel sogar zu einer Preissenkung führen: in Weißenfels, Arnstadt und Eisenach. In sieben der 15 Fälle würde schon ein Tarifwechsel beim Grundversorger reichen, in vier wäre ein Anbieterwechsel nötig.

Über die Stichprobe Die Stichprobe umfasst jeweils die fünf Versorger in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die zum 1.1.2022 die höchsten Preiserhöhungen beim Grundversorgungstarif angekündigt haben. Für diese 15 Tarife wurde nach günstigeren Alternativen gesucht. Mit folgenden Kriterien: Jahresverbrauch 20.000 kWh (Einfamilienhaus mit Gasheizung), Laufzeit und Preisgarantie je ein Jahr ,kein Wechselbonus. Der Vergleich wurde am 26.11.2021 durchgeführt. Tarife für Neukunden außerhalb der Grundversorgung können sich täglich ändern.

Grundversorgungsvertrag jederzeit kündbar

Wer kein Sonderkunde beim Grundversorger ist, hat einen Grundversorgungsvertrag mit ihm. Grundversorger sind oft – aber nicht immer – die örtlichen Stadtwerke.

Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung.
Eine Gaspreiserhöhung trifft vor allem Haushalte, die mt Gas heizen. Bildrechte: dpa

Für diesen Gasvertrag gelten dann die Bedingungen der Grundversorgungsverordnung für Gas (GasGVV). Das bedeutet unter anderem, dass der Vertrag jederzeit mit nur zwei Wochen Kündigungsfrist beendet werden kann. So können Tarif bzw. Anbieter zügig gewechselt werden. Im Gegensatz dazu: Sonderverträge können während der Laufzeit nur gekündigt werden, wenn der Anbieter den Preis erhöht.

Tarifvergleichsportale können helfen

Bei der Suche nach einem günstigen Gastarif helfen Vergleichsportale. Die Stiftung Warentest hat für ihre aktuelle "Finanztest"-Ausgabe acht Anbieter verglichen. Demnach sind die besten Unternehmen Check24 und Verivox. Sie haben jedoch nur mit der Gesamtnote "Befriedigend" abgeschnitten. Keiner der untersuchten Vergleichsrechner erfüllt alle Anforderugen der Tester.

 Unter einer Lupe sieht man das Logo der Vergleichsplattform Check24
Trotz Note 3 gehört Check24 zu den beiden besten Vergleichportalen. Bildrechte: IMAGO / Future Image

Deshalb verweisen diese darauf, dass die Vergleichsrechner nicht ohne Vorbehalt zu benutzen sind. Die ermittelten Gaspreisranking obenstehende sind nicht immer die besten, sonder häufig bezahlte Angebote. Est dann folgt das eigentliche Ranking. Man sollte zum Beispiel auch wissen, dass die meisten Portale pro vermitteltem Vertrag eine Provision vom Energieverkäufer erhalten. Deshalb erscheinen bei fast allen Portalen zunächst nur Angebote, bei deren Vermittlung eine Provision fließt. Das passiert, weil die Portale den Filter "direkte Wechselmöglichkeit" voreingestellt haben. Klickt man das Häkchen weg, sieht man gegebenenfalls auch günstigere Tarife.

Man sollte nicht einfach den günstigsten Tarif nehmen, sondern auch auf die Kundenbewertungen. Sie geben Hinweise auf den Service eines Anbieters und auf die Nachhaltigkeit. Viele bislang günstige Energiediscounter stehen aktuell vor dem Aus, weil ihr nicht ganz risikoloses Geschäftsmodell nicht mehr aufgeht.

Automatischer Wechselservice: bequem, aber nicht günstig

Wem die Suche nach einem günstigeren Anbieter zu aufwendig ist, der kann auch einen Wechselservice, einen Wechselbot, beauftragen. Hier gibt unterschiedliche Modelle, von unverbindlichen Tarifvorschlägen bis hin zum dauerhaft automatischen Wechsel mit Vollmacht. Auch wenn Verbraucherinnen und Verbraucher einen solchen Tarifoptimierer beauftragen, bleiben sie direkter Vertragspartner des Energielieferanten. Den Service lassen sich die Anbieter etwas kosten. Wer bislang schon regelmäßig und erfolgreich den Anbieter gewechselt hat, kann auf Wechselbots verzichten.

Nicht überall günstige Alternativen

In vier von 15 Fällen der Stichprobe – bei den Stadtwerken in Schneeberg, in Quedlinburg, in Aschersleben und bei E.ON in Sachsen-Anhalt – gab es keine günstigeren Wechselangebote. Hier betrugen die Erhöhungen zwischen rund 30 und 40 Prozent und in einem Fall 71 Prozent.

Duschen macht kreativ, sagen Forscher! Im Bild duscht eine Frau, zu sehen durch die wasserbenetzte Scheibe.
Duschen statt Baden hilft Energie zu sparen. Bildrechte: Colourbox.de

Wer den Anbieter nicht wechseln kann, muss schauen, wie er die Kosten anderweitig in den Griff zu bekommen. Heiz- und Warmwasserkosten werden neben dem Gaspreis auch vom Verbrauch bestimmt. Den kann man mit ganz einfachen Tipps reduzieren. Das fängt damit an, dass man Sessel und Sofas vor Heizkörpern wegziehen sollte, damit sie die Ausbreitung der Wärmeabgabe nicht behindern. Ein anderer Tipp: Im Winter lieber auf kurzes Lüften setzen, statt auf Dauerlüften mit gekipptem Fenster. Auch das Entlüften der Heizkörper bringt etwas. Der Verbrauch von Warmwasser lässt sich beispielsweise reduzieren, wenn man einen Sparduschkopf benutzt. Auch Durchflussbegrenzer im Wasserhahn, Duschen statt Baden oder Händewaschen mit kaltem Wasser helfen Energie - und damit Geld - zu sparen.

Ein Viertel der Haushalte noch in Grundversorgung

Gut 25 Prozent der 12,6 Mio. Haushaltskunden in Deutschland befinden sich nach Angaben der Bundesnetzagentur in der Grundversorgung. 42 Prozent haben einen Vertrag mit dem örtlichen Grundversorger abgeschlossen und wird dabei über einen Vertrag außerhalb der Grundversorgung beliefert. Rund ein Drittel der Haushaltskunden hat einen Gasliefervertrag bei einem Lieferanten, der nicht der örtliche Grundversorger ist.

Der Anteil der teuren Grundversorgungsverträge, der seit Jahren rückgängig war, stagnierte erstmals in 2020. Der Anteil der Verträge bei einem Gaslieferanten, der nicht der örtliche Grundversorger ist, steigt stetig. Über 1,65 Mio. Haushaltskunden haben nach Auskunft der Bundesnetzagentur im Jahr 2020 ihren Gaslieferanten gewechselt. Insbesondere Verbraucher, die umgezogen sind, entscheiden sich immer häufiger direkt für einen Lieferanten, der nicht der örtliche Grundversorger ist, und damit für einen preisgünstigeren Gasliefervertrag

Quelle: MDR UMSCHAU

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Sachsenspiegel | 10. November 2021 | 19:00 Uhr

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