Der Redakteur | 26.11.2021 Steigende Heizpreise: Wie heizt man richtig?

Die Energiepreise steigen und mit ihnen die Kosten fürs Heizen. Johanna Neumann aus Erfurt will wissen: Wie kriegt man die Wohnung warm ohne arm zu werden? Unser Redakteur Thomas Becker ist der Frage nachgegangen.

Kleinkind spielt mit Thermostat einer Heizung
Aufdrehen, fertig - richtig heizen ist doch kinderleicht, oder? Tatsächlich kann falsches Heizen aufgrund der steigenden Preise richtig teuer werden. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Eigentlich sind die meisten "Heiztipps" nicht neu und machen wir im Alltag vieles falsch. Wir lüften zu wenig oder nicht richtig, wir lassen die Heizkörpereinstellung zwischen 5 und "Sternchen" pendeln, wir stellen Möbel an kalte Außenwände oder verdecken die Luftaustritts- oder eintrittsöffnungen unserer Heizkörper.

Lüften, lüften, lüften

Ganz wichtig ist die Weisheit, dass Lüften und Heizen untrennbar miteinander verbunden sind. Warme Luft kann viel mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft, wenn sich also der Raum abkühlt, muss die Nässe irgendwo hin. Draußen würde es regnen, dafür ist unser Wohnzimmer zu klein, aber wenn das Wasser regelmäßig an den Scheiben herunterläuft oder gar die Wände feucht werden, dann sollte das Lüftungskonzept dringend überarbeitet werden.

Mindestens zweimal am Tag muss gründlich gelüftet werden, raten die Experten des Umweltbundesamtes. Ganz besonders wichtig ist das Lüften, wenn man sich für eine kalte Wohnung entscheidet oder in Räumen unterhalb von 20 Grad.

Am schnellsten geht es mit der Querlüftung, bei der Fenster in gegenüberliegenden Zimmern weit geöffnet werden. Der Luftzug tauscht die feucht-warme Luft schnell aus. Dauerlüften mit gekippten Fenstern verschwendet hingegen viel Energie.

Informationsseite des Umweltbundesamtes

Das altbewährte Stoßlüften

Nach dem Stoßlüften wird es auch schnell wieder warm in der guten Stube, weil eben nur die Luft ausgetauscht wurde. Beim Dauerlüften und Kippen hingegen würden auch die Wände auskühlen. Das bedeutet: Wenn wir dann wieder anfangen mit Heizen, dann strömt zunächst die Luft durch die Heizkörper, nimmt die Wärme auf und liefert sie bei den Wänden wieder ab. Die Wände hören auch erst auf, dem Raum die Wärme zu entziehen, wenn sie sich selbst ausreichend erwärmt haben.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 26.11.2021 19:30Uhr 16:05 min

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Sie sorgen auch letztlich für eine Wohlfühlwärme. Eine riesige Fensterfläche hingegen, schlimmstenfalls noch als Nordseite und schlecht gedämmt, wirkt wie eine Kühlplatte und konkurriert regelrecht mit der Heizung. Überhaupt sind die Fenster die Schwachpunkte, wenn es um die Wärme geht. Der Rollladen trägt nicht umsonst den Beinamen "temporärer Wärmeschutz". Als solchen sollte man ihn nachts auch verwenden, dann bleibt mehr Wärme im Haus.

Besonders in kalten Nächten helfen auch Doppel- oder Dreifach-Verglasungen nicht viel, vor allem bei Balkon- und Terrassentüren. Ein Rollo oder ein Vorhang helfen zusätzlich, die Wärme drinnen zu lassen. Dass die Fenster dicht, die Zuleitungen der Heizung im Keller isoliert und moderne Thermostate an den Heizkörpern montiert sein sollten, das versteht sich von selbst.

Wenn Sie sehr viele solche Aktivitäten machen, also Heizkörper anpassen, Rollläden nutzen und so weiter, können Sie bis zu 40 Prozent an Energie sparen.

Prof. Gunnar Grün, stellv. Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Bauphysik

Dazu gehört aber eben auch, die Temperatur in den Innenräumen grundsätzlich etwas abzusenken. Da sind wir schnell in dem Bereich, in dem es frostiger wird in der Beziehung. Die Wissenschaftler beobachten durchaus, dass Frauen empfindlicher sind, aber die Wohlfühltemperaturen sitzender Menschen liegen nun mal zwischen 22 und 23 Grad Celsius.

Wenn Sie hier die vom Umweltbundesamt aus energetischen Aspekten empfohlenen 20 Grad dagegensetzen, sollten Sie das Strickjäckchen in Reichweite haben. Aber es gibt nicht nur einen "Konflikt" Mann/Frau, sondern auch jung/alt.

Ältere Menschen beschweren sich zum Beispiel bei uns seltener über größere Unterschiede, wenn wir Probandenuntersuchungen machen, als jüngere.

Prof. Gunnar Grün, stellv. Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Bauphysik

Das bedeutet: Der Streitpunkt, wie weit die Heizung aufzudrehen ist, könnte sich im Laufe der Jahre erledigen. Falsch in diesem täglichen Kampf ist aber der zu heftige Dreh am Heizkörperthermostat. ER dreht die Heizung auf null, dann bleibt das ein paar Stunden so, bis SIE dann bemerkt, dass es zu frisch wird. Um möglichst schnell "aufzutauen" kann dann ja nur Stufe fünf richtig sein. Ist sie aber nicht.

Ventil nur leicht nach oben oder unten

Im Idealfall bleibt das Ventil auf der Kompromisstemperatur stehen und wird nur ganz leicht nach oben oder unten gedreht. Die Wohnstube erwärmt sich nämlich auch nicht schneller bei Stellung 5, das Ventil schließt nur später, nämlich kurz vor Saunatemperatur.

Es ist sicher nicht ganz falsch, die Zimmernutzung ein wenig an die vorhandene Bausubstanz anzupassen. Zum schnell mal hochheizen ist Gipskarton besser geeignet als eine dicke Ziegelwand. Also ein nur temporär genutztes Eckzimmer mit zwei Außenwänden nur punktuell auf Wohlfühltemperatur hochzuheizen, ist kaum möglich.

Wenn Sie eine Gipskartonverschalung haben, dann ist die schneller warm an der Oberfläche als Mauerwerk. Da muss ich mehr Masse aufheizen als in einer Leichtbauwand.

Prof. Gunnar Grün, stellv. Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Bauphysik

Heizkörpernischen mit Schaumplatten isolieren

Das Umweltbundesamt empfiehlt auch, schlecht gedämmte Heizkörpernischen mit alubeschichteten Polystyrolschaum-Platten zu isolieren. Diese reflektieren die Wärme und halten sie so im Zimmer. Denn wir haben ja schon gelernt, dass die Wände auch gern die Wärme entgegennehmen.

Wichtig ist, die Platten an die Wand zu kleben, damit keine Luft dahinter strömen kann. Das ist auch der gleiche Grund, warum man Möbel nicht an Außenwände stellen sollte. Die warme und gesättigte Wohnzimmerluft würde dann ihr Wasser immer fein an der kälteren Außenwand abliefern, wofür Schimmelkulturen herzlich danken.

Es ist auch durchaus hilfreich, vor irgendwelchen Heimwerker-Maßnahmen einen Fachmann zu befragen. Die Verbraucherzentralen bieten hier für sehr wenig Geld Beratung an und die Experten kommen auch in die Wohnung. Sas ist also keine Ferndiagnose an irgendeiner Hotline.

 

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 26. November 2021 | 15:10 Uhr

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