Billiger.de, Idealo.de & Co. Vergleichsportale im Netz – Vergleichen lohnt sich

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Schnäppchen oder Preisfalle – bei dieser Frage können Internet-Vergleichsportale helfen. Wenn es sie nicht schon gäbe, müssten sie erfunden werden, so Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen. Drei Gründe sprechen für sie, doch ganz unproblematisch sind die Portale nicht. In welchen Bereichen helfen sie dem Verbraucher und an welchen Punkten ist Vorsicht geboten?

Eine junge Frau sitzt an einem Laptop und schaut interessiert auf den Bildschirm.
Ob Urlaub, gebrauchte Autos oder Zinsen – der erste Klick führt Verbraucher oft zu Vergleichsportalen. Bildrechte: dpa

Drei Gründe, die für Vergleichsportale sprechen

  • Anbieter sind so nicht im Vorteil

Wer einen günstigen Preis für eine Ware oder Dienstleistung will, der muss unbedingt vergleichen. Das war in einer Marktwirtschaft schon immer so. Das bedeutet aber für Kundinnen und Kunden sehr viel Arbeit. Anbieter versuchen, einen möglichst hohen Preis zu erzielen und so Gewinne zu machen. Kunden wollen einen möglichst niedrigen Preis bezahlen.

Die Anbieter sind dabei klar im Vorteil. Sie beschäftigen sich beständig mit den Waren oder Dienstleistung, kennen alle Kosten- und Qualitätsfragen und habe durch permanente Beschäftigung oft auch eine gute Vorstellung vom Interesse der Kunden. Kunden hingegen müssen sich für ein Produkt entscheiden – neben tausenden anderen Entscheidungen, die sie in ihrem Alltag auch noch fällen müssen. Sie wissen weniger und werden deshalb leicht übervorteilt. Eine Waffe gegen diese Übervorteilung ist der Vergleich.

Preise ändern sich im Netz sehr schnell Im Internet herrscht eine andere Logik als im stationären Handel: Preise können hier in Sekundenschnelle verändert werden. Außerdem kommt es darauf an, was man sucht. Auch Anbieter wie Amazon werben damit, immer den besten Preis zu haben. Doch das ist deutlich seltener der Fall, als gedacht.

  • Transparenz bei Vergleichbarem wie Benzin oder Zinsen

Aus einer Zapfpistole tropft Benzin
Der Vergleich von Benzinpreisen funktioniert per Vergleichsportal gut. Bildrechte: dpa

Doch was muss verglichen werden? Am schönsten ist es für den überforderten Kunden, wenn er nur eine Kategorie des Produkts vergleichen muss, zum Beispiel den Preis. Deshalb funktionieren Märkte, in denen das wesentliche Vergleichsmerkmal der Preis ist, vergleichsweise gut. Dann müssen die Kunden nur noch den Zugang zu dieser Preisinformation haben.

Ist die Preisinformation einfach zugänglich, wie zum Beispiel beim Benzin, funktioniert der Markt ganz gut. Das Bundeskartellamt zwingt die Tankstellenbesitzer, ihre stündlichen Preiserhöhungen und Senkungen gleich elektronisch mitzuteilen, sodass zahlreiche Apps diesen Preisvergleich abbilden können. Bei den Ladesäulen für Autostrom funktioniert das gerade nicht gut, die Preise sind oftmals nicht an der Säule zu finden. Die Bezahlvarianten sind nicht klar.

Ähnlich gut wie beim Sprit funktionieren Preisvergleiche etwa bei der Frage, wie hoch die Festgeldzinsen sind. Hier ist der Preis auch wieder das einzige Kriterium, wenn man davon ausgeht, dass das Geld bei den verglichenen Banken sicher ist.

Vergleichsportal idealo
Idealo.de ist laut Finanzexperte Tenhagen eine gute Wahl, wenn es um den Vergleich von Preisen geht. Bildrechte: imago/Schöning

Für ein Preisvergleichsportal bei Produkten bedeutet das: Das Portal ist umso besser, je umfassender es alle Anbieter eines konkreten Produktes mit den Preisen zeigen kann. Im Zweifel auch in Größe, Farbe und Form oder mit der Antwort auf den Liefertermin. Eigentlich kann man die Qualität dieser Vergleichsportale an der Zahl der erfassten Anbieter messen.

Im nächsten Schritt geht es dann darum, wie gut die Daten zugänglich sind. Diese Qualität zeichnet dann auch gute Preisvergleichsportale wie idealo.de oder billiger.de aus.

  • Alle relevanten Vergleichskriterien können erfasst werden

Deutlich schwieriger wird es, wenn für die Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung mehrere Kriterien ausschlaggebend sind. Die Probleme dabei:

  1. Welche Kriterien sind für die Qualität des Produktes oder der Dienstleistung entscheidend?
  2. Sind diese Kriterien für jeden Kunden objektiv gleich gewichtet?
  3. Sind die Kriterien für jeden Kunden subjektiv gleich gewichtet?

Ein idealer Vergleich zeigt für möglichst alle Konkurrenzprodukte oder Dienstleistungen die relevanten Qualitätskriterien in einfacher Form (Altersvorsorgeampel) und - wenn gewünscht - dann in beliebiger Tiefe.

Die besten Preissuchmaschinen: Idealo.de und Billiger.de

Bei einem Vergleich großer Preissuchmaschinen vom Geld-Ratgeber Finanztip haben zwei Anbieter überzeugt: Idealo.de und Billiger.de. Bei Idealo fanden die Tester alle gesuchten Produkte, bei Billiger.de nur eines nicht. Beide Seiten spüren laut Finanztip gute Preise auf, sind übersichtlich und leiten direkt zum Händler weiter. Die Online-Redaktion hatte die 15 bekanntesten Preissuchmaschinen verglichen. Fünf davon kamen in die engere Wahl und nur zwei waren am Ende empfehlenswert.

Eine Liste von fünf Online-Vergleichsportalen. Nur zwei haben einen Daumen nach oben als Bewertung von Finanztip.de.
Diese Preisvergleichsportale kamen in die engere Wahl. Lediglich zwei haben aber letztendlich überzeugt. Bildrechte: Finanztip.de

Drei Gründe, die Vergleichsportale problematisch machen

  • Wenn nicht alle Anbieter einbezogen werden

Ein Mitarbeiter eines Heizöllieferanten bereitet die Befüllung des Tanks eines Hauses mit Heizöl vor
Beispiel Heizöl: Wer in Görlitz einen Lieferanten sucht, braucht keine Treffer aus hunderten Kilometern Entfernung. Bildrechte: dpa

Ein Problem ist, wenn beim Vergleich gar nicht alle relevanten Anbieter einbezogen sind und das Bild, das das Vergleichsportal zeichnet, deswegen falsch ist. Das geht schon beim Preis los. Wichtig ist hier vor allem das Wort relevant. Wenn Sie in Görlitz einen Heizöllieferanten suchen, ist es für Sie völlig egal, ob ein Portal die Lieferanten aus Bad Reichenhall oder Freiburg listet und in den Vergleich einbezieht.

Wichtig sind aber alle Firmen, die ernsthaft eine Lieferung erwägen und die tatsächlich preiswert sind. Auch die Heizöl-Apotheke aus Cottbus ist für den Hausbesitzer in Görlitz im Zweifel nicht wichtig. Das Problem: Wie stelle ich als Verbraucher fest, dass das Portal alle relevanten Anbieter listet? Wie transparent ist das Portal an der Stelle, oder wie intransparent? Das Portal muss deutlich machen,  welche Anbieter an Bord sind und wie weit die Marktabdeckung reicht. Ob das transparent genug ist, klären manchmal auch die Gerichte.  

  • Wenn unwichtige Kriterien hoch bewertet werden

Werden tatsächlich Kriterien im Portal herangezogen, die wirklich wichtig sind und/oder werden belanglose zusätzliche Faktoren einbezogen wie zum Beispiel die Qualität des Kaffees beim Bankberater? Die drei Anbieter mit den guten Produkten aus dem Markt von 50 Firmen wollen nur die wichtigen Kriterien einbeziehen. Die 47 anderen Firmen haben jedes Interesse der Welt, beim Vergleichsportal die besonders schöne Palme in der Eingangshalle als zentrales Bewertungskriterium mit heranziehen zu lassen und so das Ergebnis zu verfälschen.  

  • Wenn das Portal vor allem an der Provision interessiert ist

Ein-Euro-Münzen und 100 Euro Banknoten liegen auf einem Tisch.
Für die Provision schalten Vergleichsportale teils auch Anzeigen, die für den Nutzer kaum als solche erkennbar sind. Bildrechte: dpa

Und dann kann schließlich auch die Darstellung der Angebote bei den Portalen den Kunden in die Irre führen. Wenn man zum Beispiel einen Kreditvergleich macht, ist der beworbene Zins für die meisten Kunden nicht erreichbar. Irreführend kann auch sein, wenn oberhalb der besten Angebote im Portal andere Anbieter Anzeigen schalten, die nicht deutlich genug als Anzeige gekennzeichnet werden. Oder dadurch, dass ein Portal die Kriterien für die Auswahl so anpasst, dass Angebote vorn liegen, bei denen das Portal mehr Provision erhält bzw. eine besonders hohe Provision kassiert.

Wenn Verfälschungen und Irreführung durch Portale durch klare Regeln eingegrenzt werden und, wo immer möglich, verhindert werden, dann sind Vergleichsportale für Kunden tatsächlich ein Segen.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 28. September 2021 | 17:00 Uhr

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