Alterungsprozess oder Krankheit Wenn die Augen schlechter sehen

Kleinste Dinge in der Weite sehen, Farben richtig wahrnehmen, auch bei Dunkelheit feine Kontraste erkennen – für junge, gesunde Augen ist das noch kein Problem. Wie in allen anderen Organen kommt es auch im Auge zu Alterungsprozessen. Aber auch Augenkrankheiten können die Sehkraft stark beeinträchtigen. Wenn sich das Gefühl verstärkt, immer schlechter sehen zu können, stellt sich die Frage: Ist es das Alter oder eine Erkrankung? MDR um 4- Experte und Augenarzt Frank Rohrwacher weiß Rat.

Auge Wimpern Symbolbild
Junge Augen haben meist noch keine Probleme. Die kommen erst mit dem Älterwerden. Bildrechte: imago images/YAY Images

Klassische Alterssichtigkeit  

Die ersten Veränderungen nehmen viele schon mit Mitte 40 wahr. Plötzlich bereitet es Mühe, Dinge in der Nähe scharf zu sehen. Das macht sich unter anderem beim Lesen bemerkbar: Je geringer die Entfernung der Augen zum Buch, desto unschärfer erscheinen die Buchstaben. Augenärzte nennen dies Presbyopie – klassische Altersweitsichtigkeit. Das Problem ist die Linse – sie verliert an Elastizität.

Mann mit Lesebrille
Mit dem Alter nimmt die Sehschärfe ab. Bildrechte: IMAGO / Westend61

In der Kindheit ist die Linse noch elastisch und lässt sich von den Augenmuskeln leicht stauchen, um die Brechkraft zu variieren. Dieser Vorgang, Akkomodation genannt, ermöglicht scharfes Sehen in der Nähe. Mit den Jahren lässt jedoch die Fähigkeit zur Akkomodation nach. Die Linse verhärtet und lässt sich von den Muskeln immer schwerer verformen. Ihre Brechkraft reicht dann im Nahbereich nicht mehr aus, um das Licht auf die Netzhaut zu bündeln. Das Bild erscheint unscharf.

Zum Glück ist es einfach, in solchen Fällen Abhilfe zu schaffen. Mit einer Lesebrille kann die fehlende Brechkraft der Linse ganz einfach ausgeglichen werden.

Fehlsichtigkeiten

Viele Menschen sind mit einer Sehhilfe unzufrieden, wollen eigentlich keine tragen. Sie stört, sie ist lästig. Kontaktlinsen schaffen zwar Abhilfe, aber nicht jedes Auge eignet sich dafür. Brennende, trockene Augen, Fremdkörpergefühle und tägliche Pflege werden als störend empfunden.

Mit operativen Korrekturen lässt sich Fehlsichtigkeit dauerhaft korrigieren. Ihr Augenarzt weiß, welche Methode für Sie in Frage kommt.

Weitsichtigkeit

Weitsichtige halten das, was sie lesen wollen, oft am gestreckten Arm von sich weg. Erst dann erkennen sie es. Während sie in jungen Jahren weit entfernte Gegenstände besser erkennen können, erscheint ihnen Nahes unscharf.

Weitsichtigkeit ist eine angeborene Fehlsichtigkeit, bei der entweder der Augapfel zu kurz oder aber die Brechkraft der Linse zu niedrig ist. Ein scharfes Bild entsteht so erst hinter der Netzhaut. Dafür müssen allerdings die inneren Augenmuskeln stark beansprucht werden, was diese auf Dauer sehr anstrengt. Eine Weitsichtigkeit kann durch das Tragen einer Brille oder von Kontaktlinsen behoben werden.

Kurzsichtigkeit

Kurzsichtige haben Probleme damit, weit entfernte Gegenstände zu erkennen. Das liegt daran, dass entweder ihr Augapfel im Verhältnis zu lang oder die Brechkraft des Auges zu groß ist.

Die Kurzsichtigkeit ist eine Form der Fehlsichtigkeit. Sie lässt sich mit einer entsprechenden Brille, mit Kontaktlinsen oder einer Operation, z.B. per Laser, beheben.

Augenkrankheiten

Grauer Star (Katarakt)

Ab Anfang 70 haben viele Menschen zunehmend Probleme, Dinge in der Ferne scharf zu erkennen. Sie sehen verschwommen, wie durch einen Nebel oder eine zerkratzte Fensterscheibe. Hinzu kommt eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Blendungen. Auch hinter diesem Problem steckt die Linse. Bei Kindern ist sie noch klar und durchsichtig. Das verändert sich mit den Lebensjahren.

Bestimmte Proteine in der Linse beginnen zu verklumpen. Die Linse wird trübe und verfärbt sich gelblich. Das führt zu einem langsamen, schmerzlosen Verlust der Sehschärfe. Außerdem entstehen Blend-Effekte, weil das Licht durch die Trübung diffus gestreut wird.

Beim Augenarzt
Grauer Star kann mit einer OP behandelt werden. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Augenärzte nennen die Trübung der Augenlinse Katarakt oder Grauer Star – eine normale Alterserscheinung. Erst wenn diese Trübung sich so verstärkt, dass es zu merklichen subjektiven Beeinträchtigungen des Sehens und zu Behinderungen im Alltag kommt, wird es krankhaft. Dann kann der Graue Star operativ behandelt werden, indem die trübe Linse entfernt und eine Kunstlinse eingesetzt wird.

Grüner Star (Glaukom)

Das Glaukom ist etwa für elf Prozent der Fälle von Erblindungen verantwortlich. Jeder zehnte an Glaukom Erkrankte erblindet. Verantwortlich dafür ist eine Störung am Sehnerv.

Neben einer gestörten Durchblutung des Sehnervs ist ein erhöhter Augeninnendruck der wichtigste Risikofaktor für einen Glaukom-Schaden. Neueren Erkenntnissen zu Folge spielen auch niedriger und schwankender Blutdruck eine wichtige Rolle.

Ein gewisser Druck im Augeninneren ist notwendig, damit das Auge seine kugelige Form behält und nicht wie ein luftleerer Ballon zusammenfällt. Für einen konstanten Druck ist das sogenannte Kammerwasser verantwortlich, eine glasklare Flüssigkeit, die sich im vorderen Augenabschnitt zwischen Hornhaut, Iris und Linse befindet. Dieser "normale" Druck ist für das Sehen notwendig. Er bewirkt eine gleichmäßige glatte Wölbung der Hornhautoberfläche, einen gleichbleibenden Abstand zwischen Hornhaut, Linse und Netzhaut des Auges.

Um einen relativ gleichmäßigen Augen-Innendruck zu erreichen, muss zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers ein Gleichgewicht bestehen. Diese wird durch einen Regelmechanismus ständig überwacht.

Drucksenkende Augentropfen sollen einer Erblindung vorbeugen. Wenn das nicht gelingt, musste bisher der Abflusskanal im Auge eröffnet werden. Ganz einfach war das oft nicht.

Es gibt ein neues mikrochirurgisches Verfahren. Der Grüne Star ist mit diesem schmerzlosen Eingriff behoben.

Dr. Frank Rohrwacher Augenarzt

Doch jetzt gibt es ein neues mikrochirurgisches Verfahren. Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt und dauert ca. eine halbe Stunde. Mit einem zwei Millimeter dicken Mikrokatheter wird ein hauchdünner Kunststofffaden in die Ringvene im Auge eingeführt und diese erweitert. Das Kammerwasser kann so wieder normal abfließen. Der Augendruck und der Grüne Star sind mit diesem schmerzlosen Eingriff behoben.

Makuladegeneration oder Altersblindheit (Netzhautverkalkung)

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Erblindungsursache nach dem 65. Lebensjahr. Ursache ist eine Störung an der Netzhaut. Vor allem im Bereich des schärfsten Sehens, der Makula, lagern sich Fette und andere Stoffe ab, so dass die Fähigkeit, scharf zu sehen, nach und nach verschwindet. Die Makuladegeneration ist vor allem eine Alterserscheinung. Etwa ein Viertel der 75-Jährigen ist von der Erkrankung betroffen.

Als erste Anzeichen bemerken die Betroffenen verzerrtes Sehen, springende Buchstaben, unscharfe Gesichter und verbogene Linien wie beispielsweise an Fensterrahmen. Weiter wird die Umwelt nur noch verschwommen erkannt. Auch in der Ferne nicht zu entziffernde Schilder können einen ersten Hinweis auf diese Erkrankung geben. Nach und nach kann die Sehschärfe weiter abnehmen. Schließlich nimmt man in der Mitte des Gesichtsfeldes nur noch einen großen dunklen Fleck wahr.

So leicht kann eine Makuladegeneration erkannt werden: Ein einfaches Verfahren zur Erkennung einer Makuladegeneration ist die Nutzung eines Rechenblattmusters, dem sogenannten Amsler-Netz. Betroffene stellen bei diesem Test verzogene Linien und Sehlücken fest.
Wenn diese Symptome auftreten, sollte möglichst rasch ein Augenarzt aufgesucht werden.

Nachtblindheit

Die Nachtblindheit kann angeboren oder erworben sein. Nachtblindheit beruht auf einer Schädigung der Stäbchenzellen der Netzhaut im Auge. Nicht nur bestimmte Farben werden von der milchigen Linse herausgefiltert, es gelangt auch insgesamt weniger Licht ins Auge. Die Folge: Nachtblindheit.

Laternen beleuchten in der Dunkelheit eine Straße
Mit zunehmendem Alter sieht jeder nachts schlechter. Bildrechte: IMAGO / NurPhoto

Mehrere Faktoren kommen hier zusammen. Zunächst lässt im Alter durch die Eintrübung der Augenlinse die Kontrastempfindlichkeit nach. Ältere Menschen können feine Helligkeitsunterschiede nicht mehr so gut wahrnehmen. Und bei schlechten Lichtverhältnissen führt das z.B. zu Problemen beim Erkennen von Konturen und Gesichtern.

Die Netzhaut wird im Alter immer schlechter durchblutet und mit weniger Nährstoffen versorgt. Nach und nach sterben ca. 30 Prozent der lichtempfindlichen Fotorezeptoren ab – vor allem die Stäbchen, die für das Sehen bei Dunkelheit zuständig sind. Um die gleiche Sehleistung zu erzielen, brauchen ältere Menschen darum viel mehr Licht.

Unser Experte

Leben Dr. Frank Rohrwacher

Dr. Frank Rohrwacher

Augenarzt in Leipzig

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 03. Februar 2022 | 17:00 Uhr

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