Welttag des Sehens Was macht die ständige Bildschirmarbeit mit unseren Augen?

Im Laufe der Evolution haben sich unsere Augen hervorragend entwickelt. Seitdem wir Menschen stundenlang auf Computer, Handys und Tablets blicken - egal, ob auf Arbeit oder Zuhause, leiden die Augen zusehends. Was können wir tun? Karin Engler hat sich Rat geholt.

Das menschliche Auge ist für den Gebrauch im Freien konstruiert, bei guten Lichtverhältnissen. Aber die Realität sieht anders aus: Aufgrund des Computerzeitalters und besonders durch Homeoffice-Zeiten und Homeschooling starren wir heutzutage stundenlang auf Bildschirme. Auf unsere Augen wirkt sich das höchst negativ aus, sagt Professor Norbert Pfeiffer vom Vorstand der Stiftung Auge: "Ich gebe ein Beispiel: Die Augenoberfläche wird transparent gehalten durch eine ständige Benetzung mit einer ganz ausgeklügelten Flüssigkeit von Feuchtigkeit, Wasser, Schleim, Proteinen, Fetten." Dazu sei es notwendig, dass man immer wieder blinzele und die Augen auch bewege, um die Flüssigkeit zu verteilen.

Aber: "Genau das tun wir viel weniger, wenn wir am Bildschirm sind. Da wird die Blinzelfrequenz auf etwa die Hälfte der normalen reduziert", erklärt der Augenexperte. Das habe zur Folge, "dass die Augenoberfläche trocken ist. Und wir haben das Gefühl von müden Augen".

Eine junge Frau sitzt an einem Laptop und schaut interessiert auf den Bildschirm.
Wer zu lange auf kleine Laptop-Bildschirme blickt, schadet seinen Augen. Bildrechte: dpa

Kleine Bildschirme sind Gift fürs Auge

Die Bildschirme Zuhause sind in der Regel kleiner, als die am Arbeitsplatz. Viele haben nur einen Laptop, an dem sie sehr nah sitzen. Das erschwert es den Augen noch einmal mehr. Beim Nahsehen muss das Auge eine stärkere muskuläre Arbeit leisten, als normalerweise draußen im Freien, beschreibt Pfeiffer das Problem. "Noch schwieriger wird es für die Augen beim stundenlangen Starren auf das Smartphone oder iPhone."

Augenmuskel verkrampft

Norbert Pfeiffer schildert das Problem so: "Man muss einen Muskel anspannen, um die Linse so zu verformen, dass man auf diesen kleinen Bildschirm schauen kann." Das bleibe nicht lange ungestraft. Mancher wird es schon gemerkt haben: Wenn man ins Freie geht, sieht man unscharf, weil sich der Muskel so verkrampft hat, dass er gar nicht mehr lockerlassen kann.

Man ist dann tatsächlich kurzfristig stark kurzsichtig geworden. Das wird nach ein, zwei Stunden wieder besser. Aber gut ist das nicht.

Norbert Pfeiffer Augenexperte

Übermäßige Naharbeit am PC führt zu Kurzsichtigkeit

Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass übermäßige Naharbeit vor dem Computer zu Kurzsichtigkeit führt - die man laut Pfeiffer nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfe: "Kurzsichtigkeit hat im Verlauf des Lebens erhebliche Auswirkungen. Kurzsichtige brauchen nicht nur eine Brille, sondern sie bekommen auch häufiger gravierende Erkrankungen wie Glaukom, Grüner Star, also Erhöhung des Augeninnendrucks und Verlust des Nervs. Die altersabhängige Makuladegeneration* und auch Netzhautablösung sind sehr viel häufiger.

Kurzsichtigkeit ist keine banale Sache.

Norbert Pfeiffer Vorstandsmitglied der Stiftung Auge

Mann schirmt Augen mit der Hand ab
Wer viel am Bildschirm arbeitet, tut gut daran, den Blick öfter mal in die Ferne schweifen zu lassen. Bildrechte: Colourbox.de

Wichtig: Gute Beleuchtung

Das A und O am häuslichen Arbeitsplatz sei eine gute Beleuchtung. Und dass man vor dem Bildschirm, im Homeoffice und während des Homeschoolings öfter den Blick schweifen lässt und seine Augen bewegt.

*altersabhängige Makuladegeneration (AMD): Hauptursache schwerer Sehbehinderung bei Menschen über 60 Jahren in der westlichen Welt

Quelle: MDR/ke/in

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | MDR SACHSEN | 14. Oktober 2021 | 10:00 Uhr

Mehr Gesundheit

Weitere Ratgeber-Themen