Krankenhausaufenthalt Zusatzversicherung nicht zwingend notwendig

In Deutschland haben mehr als sechs Millionen gesetzlich Versicherte eine Krankenhauszusatzversicherung. Die übernimmt Mehrkosten wie für ein Einbettzimmer oder eine Chefarztbehandlung. Das steht sonst nur privat Versicherten zu. Wie hoch der Tarif ausfällt, hängt unter anderem vom Alter und vom Gesundheitszustand des Patienten ab.

Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand
Für eine Chefarztbehandlung brauchen gesetzlich Versicherte einen Zusatztarif. Bildrechte: dpa

  • Mit einer Krankenhauszusatzversicherung erwerben gesetzlich Versicherte unter anderem Anspruch auf eine Chefarztbehandlung.
  • Die Kosten fallen je nach Gesundheitszustand unterschiedlich aus.
  • Ein Tarif mit Rücklagen fürs Alter kann sinnvoll sein.

Eine Krankenhauszusatzversicherung gehört nach den Worten von Julia Rieder vom Verbraucherportal Finanztip nicht zu den unbedingt zwingenden Versicherungen: "Sie eignet sich vor allen Dingen für Menschen, die im Krankenhaus wie ein Privatpatient behandelt werden möchten."

Mehrkosten für Unterbringung gegebenenfalls selbst tragen

Dazu gehört – je nach abgeschlossenem Tarif – die Unterbringung in einem Ein- oder Zweitbettzimmer. Der Aufpreis für ein Einzelzimmer liegt im Durchschnitt bei 110 Euro pro Tag. Für ein Zweibettzimmer sind Julia Rieder zufolge circa 60 Euro fällig. Insofern gibt sie zu bedenken: "Eine gute Krankenhauszusatzversicherung kostet hingegen rund 400 Euro im Jahr, wenn man sie mit 37 Jahren abschließt. Macht man den Vertrag erst später, wird es sogar noch teurer."

Geht es ausschließlich um die Unterbringung, kann es sich rechnen, die Mehrkosten selbst zu tragen.

Zusatz sichert Chefarztbehandlung

Die eigentliche Kernleistung einer Krankenhauszusatzversicherung besteht in der Behandlung durch selbst ausgesuchte Spezialisten. Gemeint ist damit die Chefarztbehandlung. Zwar zahlt die gesetzliche Krankenkasse grundsätzlich alles, was medizinisch als notwendig gilt, allerdings werden die Patienten von dem jeweils diensthabenden Arzt behandelt – egal, ob Ober- oder Assistenzarzt.

Wenn man die Chefarztbehandlung vereinbart (...), muss dieser Arzt einen auch persönlich betreuen.

Julia Rieder Finanztip

Julia Rieder erklärt: "Wenn man die Chefarztbehandlung vereinbart, muss dieser Arzt, mit dem diese Behandlung vereinbart ist, einen auch persönlich betreuen. Denn dafür bekommt er ein höheres Honorar. Und dieses Honorar übernimmt die Zusatzversicherung."

Kosten hängen etwa von Gesundheitszustand ab

Vor dem Abschluss einer Zusatzversicherung müssen Kunden genauestens Fragen zu ihrer Gesundheit beantworten. Das kann laut Julia Rieder bedeuten: "Wer schon Vorerkrankungen hat, muss damit rechnen, dass die Versicherung einen Preisaufschlag verlangt oder schlimmstenfalls den Vertrag überhaupt nicht abschließen möchte."

Illustration - Ortseingangschild mit der Aufschrift "Heilung - Krebs" 5 min
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Tarif mit Rücklagen fürs Alter kann sinnvoll sein

Die Höhe der Beiträge hängt nicht nur vom Gesundheitszustand, sondern auch vom Alter ab. Schließt ein gesunder 47-Jähriger eine Zusatzversicherung ab, zahlt er im Jahr gut 500 Euro.

Würde der gleiche Kunde zehn Jahre später abschließen, müsste er mit ungefähr 650 Euro rechnen. Grundsätzlich empfiehlt Julia Rieder darum einen Tarif mit Altersrückstellung: "Das bedeutet, die Versicherung legt einen Teil des Monatsbeitrages zurück. Denn je älter man wird, desto häufiger und länger muss man auch ins Krankenhaus. Die Rücklagen werden dann im Rentenalter benutzt, um die höheren Kosten aufzufangen."

Dann steigen die Beiträge im Alter langsamer. Doch wer die Versicherung kündigt, verliert seinen bisher eingezahlten Sparanteil.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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