Der Redakteur | 10.06.2022 Waldmeister: Gesund oder giftig?

Wieso gibt es eigentlich wieder Waldmeisterbrause oder Waldmeistereis? MDR THÜRINGEN-Hörerin Traudel Bergmann aus Erfurt wollte das wissen und hat sich an unseren Redakteur für Hörerfragen, Thomas Becker gewandt. Sie kann sich erinnern, dass die Pflanze in der DDR irgendwann verschwunden war, weil sie als giftig oder krebserregend galt. Ist das heute nicht mehr so?

Waldmeister auf einer Wiese
Waldmeister wächst vor allem in Laubwäldern und auf Wiesen. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Waldmeisterbrause ist für viele eine schöne Kindheitserinnerung und auch Teil der Automatengeschichte in der DDR. Grüne Brause, rote Brause und Cola floss unter anderem in den Freibädern in die Becher vieler Kinder.

Doch irgendwann war Schluss. Die Gerüchte, dass das Kraut nicht so gesund ist, gab es schon länger. Das Ende der echten Waldmeisterbrause kam in der alten Bundesrepublik 1974. In der DDR gibt es Hinweise auf das Jahr 1984. Sicher ist die Quellenlage aber nicht.

Waldmeisterpflanzen in einem Korb
Waldmeister galt lange Zeit als gesund. Bildrechte: IMAGO

Schuld am Verbot und der heutigen Verwendung von künstlichen Aromen für den Geschmack ist das im Waldmeisterkraut natürlich vorkommende Cumarin. Der Stoff ist in größeren Mengen giftig. Das Ergebnis sind Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel und Schlafsucht. In hohen Dosen sind Lähmungen, Atemstillstand und Koma möglich.

Immerhin hat Waldmeister früher gegen Dämonen und Hexen geholfen, allerdings nur im Mix mit anderen Kräuterlein. Auch Kühe, die keinen Hunger hatten, bekamen Waldmeister mit Salz bestreut als Gruß aus der Küche.

Zimt und Cumarin

Die Grenzwerte von Cumarin für einige wenige zugelassene Nahrungsmittel regelt heute die Verordnung (EG) Nr. 1334/2008. Und zwar ziemlich konkret für:

  • traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist (50 Milligramm pro Kilogramm),
  • Frühstücksgetreideerzeugnisse einschließlich Müsli (20 Miligramm pro Kilogramm),
  • feine Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist (15 Milligramm pro Kilogramm) und
  • bei Dessertspeisen 5 Milligramm pro Kilogramm.

Zimt ist deshalb immer mit im Spiel, weil Cumarin auch darin natürlich vorkommt.

Der Cassia-Zimt hat mehr Cumarin als der Ceylon-Zimt.

Carola Clausnitzer Lebensmittelwissenschaftlerin Beraterin bei der Verbraucherzentrale

Der teurere Ceylon-Zimt stammt aus Sri Lanka, der Zimt der Zimtkassie (Cassia-Zimt) kommt aus China. Hersteller geben gern an, wenn es sich um Ceylon-Zimt handelt. Steht nichts drauf, dann ist es oft Cassia-Zimt oder ein Gemisch.

Zimtstangen und Zimt als Pulver auf einem Löffel.
Zimt ist nicht gleich Zimt. Ceylon-Zimt ist cumarinarmer als Cassia-Zimt. Bildrechte: Colourbox.de

Das Bundesamt für Risikobewertung rät wegen des Cumarins zum maßvollen Verzehr von Cassia-Zimt. Wer häufig große Mengen Zimt als Gewürz verwendet, zum Beispiel für Milchreis mit Zucker und Zimt, sollte besser den cumarinarmen Ceylon-Zimt verwenden.

Und was ist heute mit Waldmeistereis, Limonade oder Sirup?

In der Regel sorgt heute 6-Methylcumarin für den Waldmeistergeschmack. Die Herstellung ist nicht ganz so einfach für den heimischen Herd: Probieren Sie es mit der Reaktion von Salicylaldehyd mit Propionsäureanhydrid und Natriumpropionat. Guten Appetit.

Und wenn Sie doch das Sammeln von echtem Waldmeister für eine Waldmeisterbowle bevorzugen: Zum Ansetzen von einem Liter Bowle sollten nicht mehr als drei Gram frisches Kraut verwendet werden. Es gilt eben auch hier: Die Dosis macht das Gift. 

MDR (mw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. Juni 2022 | 16:40 Uhr

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