Woche der Wiederbelebung Durch Reanimation Leben retten: So geht's!

Seit 2013 findet alljährlich im September die "Woche der Wiederbelebung" statt. Sie soll Hemmschwellen bei Laien abbauen, Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen und so Leben zu retten. Wir erklären, wie.

"Wir haben jetzt viel über Infektionsschutz gelernt. Aber das Wissen über Wiederbelebung, was mache ich im Ernstfall, ist immer noch wenig verbreitet", betont Gesundheitsminister Jens Spahn mit Blick auf die "Woche der Wiederbelebung", die 2021 am 20. September unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministerium startet.

Die Aktionswoche soll Laien dazu ermuntern, Menschen im Notfall zu reanimieren, weil damit deren Überlebenschance steigt. Deswegen bieten Gesundheitseinrichtungen in der Aktionswoche vielfältige Veranstaltungen an, bei denen gezeigt wird, was zu tun ist. Unter dem Motto "100 Pro Reanimation" wurde die "Woche der Wiederbelebung" 2013 ins Leben gerufen und findet seither immer im September statt.

Überlebenschancen doppelt bis dreifach höher

Nach aktuellen Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erleiden mehr als 60.000 Menschen pro Jahr hierzulande einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Davon überleben nur zehn Prozent. Bis die Rettungskräfte vor Ort sind, vergehen dabei durchschnittlich acht Minuten. Hier gelte es, wertvolle Zeit zu überbrücken. Reanimationen würden jedoch in nur 40 Prozent von Laien durchgeführt. Dabei könnten die Überlebenschancen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand so verdoppelt bis verdreifacht werden.

Wiederbelebung in drei Schritten: prüfen, rufen, drücken

Was tun Sie, wenn Sie eine Person leblos vorfinden? Wenn es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand gekommen ist, das Herz nicht mehr schlägt und die Atmung aussetzt, ist schnelles Handeln gefragt! Denn der Körper wird dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Innerhalb von nur drei bis fünf Minuten treten irreparable Schäden an den Gehirnzellen auf. Deswegen ist eine Herzdruckmassage wichtig, um wichtige Lebensfunktionen zu erhalten. Wichtig sind dabei diese drei Schritte: prüfen, rufen, drücken.

Achten Sie auf Ihren eigenen Schutz Tragen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit Einmalhandschuhe. Expertentipp zur Aufbewahrung: Verstauen Sie ein Notfallset in einem Überraschungsei. Das nimmt nicht viel Platz weg und bietet Schutz vor Schmutz.

Vorsicht Infektionsgefahr: Achten Sie darauf, nicht mit Körperflüssigkeiten der bewusstlosen Person in Berührung zu kommen.

Tragen Sie eine Mund-Nasen-Maske zum Schutz vor Corona.

Schaubild drei Schritte Reanimation
Eine Reanimation kann Leben retten. Um die durchzuführen, muss man kein Arzt sein. Diese drei Schritte sollte man beachten. Bildrechte: BDA/DGAI

Prüfen

  • Prüfen Sie, ob die Person Sie wahrnehmen kann: Sprechen Sie sie an. Fragen Sie zum Beispiel: "Hören Sie mich?".
  • Prüfen Sie die körperliche Reaktion: Gibt es eine Reaktion, wenn Sie an den Schultern rütteln?
  • Prüfen Sie die Atmung: Atmet die Person noch, hat sie nur noch eine Schnappatmung oder hat die Atmung ausgesetzt?
  • Wichtig im Zuge der Corona-Pandemie: Bei unklarer Infektionslage auf das Hören und Fühlen der Atmung an der bewusstlosen Person verzichten und die Bewegung des Brustkorbs beachten.
  • Mund und Nase der Person mit einem Tuch oder Kleidungsstück abdecken. Das eigene Gesicht schützen.

Rufen

  • Rufen Sie unter der europaweiten Notrufnummer 112 Hilfe herbei.
  • Sind andere Personen in der Nähe, übertragen Sie diese Aufgabe jemand anderem, damit Sie gleich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen können.

Drücken

  • Beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage.
  • Suchen Sie die Mitte des Brustkorbs, machen Sie mit dem Handballen ungefähr 100 feste Druckbewegungen pro Minute. Lieder wie "Stayin' Alive" von den Bee Gees, "Atemlos" von Helene Fischer oder "Highway to Hell" von ACDC werden hier als Taktgeber empfohlen.
  • Die beste Wirkung erzielen Sie, wenn Sie sich senkrecht mit den Schultern direkt über dem Druckpunkt befinden. Legen Sie zum drücken beide Hände übereinander und verschränken Sie dabei die Finger.
  • Setzen Sie die Herzdruckmassage solange fort, bis Hilfe da ist.

Mund-zu-Mund-Beatmung? Die Reanimation kann ohne Mund-zu-Mund-Beatmung (oder Mund-zu-Nase) erfolgreich durchgeführt werden. Diese Maßnahme ergreifen eher gut ausgebildete Helfer.

Wichtig im Zuge der Corona-Pandemie: Bei unklarer Infektionslage auf diese Maßnahme zum eigenen Schutz verzichten.

In Kombination mit Mund-zu-Mund-Beatmung gilt folgender Rhythmus: Nach 30 Herzdruckmassagen kommen jeweils zwei Beatmungen.

Bewusstlose richtig lagern

Die stabile Seitenlage ist eine Sofortmaßnahme für den Fall, wenn der Patient bewusstlos ist, aber noch atmet. Durch die stabile Seitenlage wird verhindert, dass er sein Erbrochenes einatmet und dabei erstickt. So geht es:

  1. Knien Sie sich neben den Patienten. Beine des Bewusstlosen strecken. Einen Arm angewinkelt nach oben legen, die Handinnenfläche zeigt dabei nach oben.
  2. Den anderen Arm des Betroffenen vor der Brust kreuzen, die Hand an dessen Wange legen.
  3. Den Betroffenen auf die Seite des angewinkelten Armes legen.
  4. Das oben liegende Bein anwinkeln.
  5. Hals überstrecken, damit die Atemwege frei werden. Mund des Betroffenen leicht öffnen.

Der größte Fehler: Nicht handeln

Viele haben Angst, bei einer Reanimation etwas falsch zu machen oder die bewusstlose Person zusätzlich zu verletzen. Hier kann auch medizinisches Personal über das Notruftelefon (112) zu Rate gezogen werden. Das Handy können Sie dann auf Lautsprecher stellen und so den Anweisungen mit freien Händen folgen.

Für Betroffene kann dies lebensrettend sein: Das Schlimmste ist, gar nichts zu tun.

Tipp: Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen Bei den meisten Menschen liegt ein Erste-Hilfe-Kurs schon Jahrzehnte zurück. Empfohlen wird jedoch eine Auffrischung aller zwei bis drei Jahre. Zahlreiche Anbieter wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, der Malteser Hilfsdienst oder der Arbeiter-Samariter-Bund bieten regelmäßig Wiederholungskurse an.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 23. September 2021 | 21:00 Uhr

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