Der Redakteur | 18.01.2022 Was kann in den Altkleider-Container und was lieber in den Müll?

Kleiderschränke ausmisten - eine beliebte Corona-Beschäftigung. Roswitha Wulff aus dem Eichsfeld möchte wissen, was direkt in den Müll sollte und was in den Altkleider-Container? Unser Redakteur für Nutzerfragen, Thomas Becker, hat recherchiert.

Überfüllter Container für Altkleider und Schuhe
Manche verwechseln die Kleidercontainer mit Mülltonnen. Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Ganz oben steht die Frage des Anstandes. Genauso wie der Wald oder der Straßengraben, ist der Altkleidercontainer kein Ort für die Abfallentsorgung. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Neben Sperrmüll wie Kinderwagen landet immer wieder Sondermüll wie Farben oder Ölflaschen in den Containern, was auch dazu führen kann, dass der komplette Inhalt eines Containers unbrauchbar wird.

Abgesehen davon sollte uns bewusst sein, dass die Sortierung der Inhalte ausschließlich Handarbeit ist. Schon daraus ergibt sich die erste zwingende Voraussetzung für einen Einwurf: Die Sachen müssen frisch gewaschen bzw. gereinigt und demzufolge sauber sein. Bei Schuhen müssen wir dafür sorgen, dass sie zusammenbleiben.

verschiedene Schuhe
Die Schuhe wollen zusammenbleiben, wenn sie schon von ihren Besitzern getrennt werden. Bildrechte: Colourbox.de

Lieblingskleider für die Kleiderkammer

Gerade Frauen neigen dazu, eine emotionale Bindung zu einem Stückchen Textilgewebe aufzubauen. Hier ist der Container gefühlt der falsche Ort. Es gibt aber auch einige Einrichtungen wie Läden oder Kleiderkammern, die Kleidung weiterverkaufen oder kostenlos an Bedürftige ausgeben.

Es gibt zum Beispiel in Rudolstadt und Sömmerda Kleiderkammern des DRK. Auffallend ist: Persönlich vorbeigebrachte Kleidung zum Beispiel im Rahmen von Sammelaktionen in Kaufhäusern, ist erfahrungsgemäß im allerbesten Zustand. Man will sich ja schließlich nicht schämen.

Persönlich abgegebene Kleidung ist meistens gebügelt und schön zusammengelegt.

Dirk Bley, Sprecher DRK Thüringen
Mann steckt eine Jacke in einen Altkleidercontainer 8 min
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8 min

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 18.01.2022 17:20Uhr 08:04 min

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Sammelbecken Altkleider-Container

Im Gegensatz zu den in Kleiderkammern abgegebenen Stücken, gelangt die Kleidung aus den Altkleidercontainern gewöhnlich nicht als Kleiderspende in die Hand eines Mitarbeiters einer karitativen Einrichtung. Das ist schlicht nicht händelbar. Sie wird stattdessen quasi in eine Geldspende umgewandelt, mit der dann die Arbeit finanziert wird.

Das Geld fällt sozusagen an der Stelle ab, wo die Kleidung bei einem Sortierbetrieb landet, der mit dem Weiterverkauf letztlich seine Existenz bestreitet. In Thüringen sind das zum Beispiel die Firma Texaid Collection in Apolda und die Firma Alta West Altkleideraufbereitungs- und Handels GmbH in Merkers.

Die Abnehmer der tragbaren Kleidung sitzen hingegen häufig in Asien oder Afrika. Daraus kann man auch ableiten, dass es letztlich nur Kleinstbeträge sind, die sich pro Kleidungsstück erlösen lassen und alles eher in Tonnen als in Kilogramm abgerechnet wird.

Ein Mann mit einem Putzlappen 8 min
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8 min

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 18.01.2022 15:20Uhr 08:24 min

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Erst sauber, dann rein!

Grundsätzlich gilt - egal ob Container oder Kleiderkammer - die Kleidung muss:

  • nicht nur sauber,
  • sondern auch intakt
  • und tragbar sein.

Gestopfte Socken, abgeschnittene Hosenbeine, defekte Reißverschlüsse, fehlende Knöpfe - das sind alles Ausschlusskriterien.

Es gibt in der ganzen Logistikkette keine Kapazitäten, die Kleidung erst noch zu flicken vor der Weitergabe. Es ist aber nicht schlimm, wenn der Stapel T-Shirts in einer Plastetüte steckt, es muss aber auch nicht sein. Wenn sich alle an diese Regeln halten würden, dann ließe sich die Verwendungsquote vielleicht sogar noch steigern, im Moment sind es 50 Prozent oder leicht darunter.

Secondhand Textil Shop am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg
Secondhand Textil Shop Bildrechte: imago images / Lem

Hälfte Brauchbares - 20 Prozent Putzlappen

Zwanzig Prozent der in den Sortierwerken ankommenden Ware ist immerhin noch für die Produktion von Putzlappen, also unsere berühmten Scheuerlappen oder als Dämmmaterial geeignet. Die "Scheuerlappenstruktur" kennt man auch von den Abdeckplanen, die die Handwerker gerne parkettschützend auslegen, auch bei Möbeltransporten werden schonende Decken aus diesen Materialresten verwendet. Was als Dämmmaterial taugt, landet zum Beispiel unter der Motorhaube eines Autos oder in der Türverkleidung.

Was direkt zu der Frage führt, ob man also vielleicht doch auch etwas einwerfen kann, was immerhin noch das Zeug zum Putzlappen hat, statt es der schwarzen Tonne und damit der Verbrennung zuzuführen. Es ist schwierig, hier einen Rat zu geben, denn: Es ist letztlich die Ware, deren Wert oft unter dem Einkaufspreis der Sortierfirmen liegt, das heißt: Es werden allenfalls die Entsorgungskosten verringert, wenn diese "Stofffetzen" weiterverkauft werden, ein Gewinn lässt sich damit nicht machen.

Vom betriebswirtschaftlichen her müsste ich sagen, um Gottes willen, schmeißen Sie den 'Putzlappen' in den Müll. Auf der anderen Seite fühlen wir uns auch der Umwelt verpflichtet.

Gunther Krippendorf, Alta West Merkers

Recycling oder Sondermüll?

Es ist immer eine Mischkalkulation, sagt Gunther Krippendorf. So lange aber noch ausreichend wirtschaftlich verwertbare Kleidungsstücke dabei sind, funktioniert das System. Neben den 50 Prozent Kleidung und den 20 Prozent an Stoffen, aus denen Putzlappen und Dämmstoffe werden können, sind 20 Prozent Materialien, die recycelt werden können. Bleiben also zehn Prozent, die Rest- oder gar Sondermüll sind. Dessen Entsorgung wird im Vergleich zu den möglichen Erlösen richtig teuer und reduziert damit quasi auch die Spendensummen.

Deshalb wäre es angemessen und fair, wenn jeder schon beim Einwurf in den Container neben einigen vielleicht zerschlissenen Baumwollstoffen, dann doch mehrheitlich brauchbare Kleidung einwirft. Homeoffice und Quarantäne haben übrigens dazu geführt, dass sich unsere Einwurfmenge zwischenzeitlich verdoppelt hat. Gunther Krippendorf musste deshalb extra Hallen anmieten, um die Stoffmassen zwischenlagern zu können, obwohl der Absatz zur gleichen Zeit komplett weggebrochen war.

Mittlerweile hat sich die Lage der Branche aber wieder normalisiert und auch die mitunter verschlossenen Altkleidercontainer sind auch wieder geöffnet. Ein paar Wochen noch und dann ist wieder die Zeit, sich von einigen Wintersachen zu trennen. Und zwar in einem Zustand, als ob man sie persönlich in der Kleiderkammer abgeben würde.

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Exakt - Die Story Mi 26.05.2021 20:45Uhr 29:48 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. Januar 2022 | 15:20 Uhr

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