Tipps für Blumengestecke Nachhaltiger und wiederverwendbarer Blumenschmuck

Blumen im Haus sorgen für Farbe und Freude. Schön wäre es, wenn sie lange frisch bleiben. Dafür hat die Industrie ein paar Tricks parat – Steckschaum beispielsweise. Nachhaltig ist der allerdings nicht. Hier finden Sie drei einfache und kostengünstige Tipps, mit denen Sie nachhaltige und wiederverwendbare Blumengestecke gestalten können.

Ist das Blumengesteck verwelkt, dann wandert es auf den Kompost – oder doch in die Tonne? Eigentlich gehört es in den Restmüll. Denn oftmals steckt unter den Blüten eine Menge Kunstharz. Gemeint sind die meist grünen Steckschaum-Blöcke. Sie werden gewässert und halten die darin steckenden Blumenstängel frisch.

Ein grünes und ein graues Stück Steckschaum.
Steckschaum kann nur im Restmüll entsorgt werden. Bildrechte: MDR/Thomas Schwarz

Leider sind sie weder wiederverwendbar noch biologisch abbaubar. Denn sie bestehen aus Kunstharz. Das wird mit Farben, Zellregulatoren sowie Härter und Treibmittel versehen. Dann wird es zu großen Blöcken aufgeschäumt – und in Form gesägt oder gefräst.

Tipp 1: Hasendraht statt Kunststoff-Schaum

Möchten Sie ihr Blumengesteck nachhaltiger gestalten, dann steigen Sie doch einfach um: Auf Hasendraht. Der verzinkte Draht wird als Kugel gebogen oder "zusammengeknüllt". Dann wandert er in die Blumenschale oder eine breite Vase. Die sechseckige Drahtform bietet Blumen und auch größeren Ästen genügend Halt. Ist der Strauß verwelkt, wird er kompostiert – der Hasendraht wird abgespült und kann wiederverwendet werden.

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Gebogener Hasendraht kann sehr dekorativ sein. Bildrechte: MDR/Catrin Seidel

Tipp 2: Der "Blumenigel"

Eine zweite Alternative sind sogenannte Blumenigel – sie werden teilweise als Flowerfrog, Pinfrog oder Kenzan bezeichnet. Legen Sie die Igel in eine flache Blumenschale oder auf den Boden einer Vase und stecken Sie die Blumenstängel einzeln auf die Pins. Achtung: Die Blumen sollten nicht zu hoch sein, sonst kippt die Konstruktion.

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Stängel, die auf einen Blumenigel gesteckt werden, dürfen nicht zu lang sein – sonst kippt die Konstruktion. Bildrechte: MDR/Catrin Seidel

Für mehr Halt können Sie wieder zum Hasendraht greifen und das Geflecht einfach auf den Blumenigel packen. Der Blumenigel kann auch im Wasser liegen, damit die Stängel frisch bleiben. Um den Blumenigel auf einer Schale oder Vase zu befestigen, empfiehlt sich beispielsweise Bienenwachs.

Tipp 3: Stroh und Wein für Römerkränze

Jetzt ist eine gute Zeit für Römerkränze – oder kurz gesagt: Römer. Mit Trockenblumen sind sie ein uriger Blickfang für Wände, Fenster aber auch Eingangstüren. Die Grundkörper für die Römerkränze bestehen oftmals aus Styropor oder aus Blumensteckschaum. Hier bieten sich Stroh oder aber Weinranken aus dem heimischen Garten als natürliche Basis an. Damit der Römer in Form kommt, nutzen Sie statt Blumendraht aus Metall einfach einen Jutestrick. Dann ist der Römer guten Gewissens kompostierbar.

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Mit Jutestrick kann ein Römerkranz gebunden werden. Bildrechte: MDR/Catrin Seidel

Wer jetzt noch auf Schleifen aus Kunstfaser oder Deko-Kugeln aus Plastik verzichtet, erspart der Umwelt eine Menge Abfall – und schont das eigene Portemonnaie.

Der nächste Schritt: Nachhaltige Blumen

Auch bei den Blumen selbst lohnt sich ein Blick auf das Thema Nachhaltigkeit. Denn die beliebteste Schnittblume der Deutschen – die Rose – wächst die meiste Zeit des Jahres eben nicht in Europa.

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Trockenblumen halten bedeutend länger als Schnittblumen. Bildrechte: MDR/Catrin Seidel

Top 10 der Schnittblumen in Deutschland: 1. Rose
2. Tulpe
3. Chrysantheme
4. Sonnenblume
5. Gerbera
6. Lilie
7. Amaryllis
8. Pfingstrose
9. Orchidee
10. Freesie
(Quelle: Statista)

Laut Statistik wurden 2021 knapp 1,6 Milliarden Rosen in die Bundesrepublik importiert. Davon etwa 296 Millionen aus Kenia, 30 Millionen aus Sambia und 25 Millionen aus Äthiopien. Und das oftmals mit dem Flieger. Dazu kommt die Pestizidbelastung. Laut BUND sind derartige Rosen oftmals mit einem ganzen "Cocktail" an Schädlingsbekämpfungsmitteln verunreinigt. Diese Mittel sind in der EU zum Teil verboten – und können die Gesundheit der Arbeiter vor Ort schädigen.

Blumenseidel 3 min
Bildrechte: MDR/Catrin Seidel
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Mi 02.03.2022 14:49Uhr 02:32 min

https://www.mdr.de/ratgeber/lifestyle/video-602026.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Wichtige Kriterien für den nachhaltigen Blumenkauf

Beim Kauf von Schnittblumen sollten Sie laut BUND Wert auf biologische Produktion, regionalen Anbau und saisonale Ware legen. Bekannte Biosiegel sind etwa Demeter, Naturland, Bioland. Soll es partout die Rose im Winter sein, dann sollte die zumindest ein Fairtrade-Siegel tragen.

Die Slowflower-Bewegung

Eine Frau bindet einen Blumenstrauß
Wenn Blumen regional, saisonal passend und nachhaltig angebaut werden, nennt sich das Slowflower. Bildrechte: imago images/Cavan Images

Ein anderer Ansatz ist die sogenannte "Slowflower-Bewegung" (zu Deutsch: "langsame Blume"). In der haben sich mehr als 120 Blumenanbauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit beim Anbau sowie beim Verkauf von Schnittblumen.

Nicht alle Mitglieder sind professionelle Gärtner oder tragen ein (Bio-)Siegel. Was sie eint, ist die Liebe zur Natur und der Verzicht auf Pestizide oder mineralische Dünger. Die Mitglieder bauen ihre Blumen meist auf Feldern von weniger als einem Hektar an und vermarkten sie oftmals direkt. Dabei verzichten sie auf Einmal-Plastik oder Kunststoff-Steckmasse und nutzen nachhaltige Verpackung.

eine Frau mit Blumen im Haar
Bildrechte: MDR/Catrin Seidel

Unsere Expertin: Catrin Seidel ist Landschaftsarchitektin und Gartendenkmalpflegerin. Sie stammt aus Weimar. Für fast zwei Jahrzehnte hat sie staatliche historische Gärten in Thüringen restauriert. Seit 2020 widmet sie sich an zwei Standorten – in Weimar und auf Hiddensee – nachhaltigen Blumen und nachhaltiger Blumendeko. Auf eigenen Feldern baut sie dort regionale, saisonale Blumen an – nach den Prinzipien der Slowflower-Bewegung.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 08. März 2022 | 17:00 Uhr

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